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31.01.2024 / Profis

Bayer 04 Leverkusen im Gegnercheck

Bayer Leverkusen befindet sich auf der Überholspur. Nach 28 Pflichtspielen in dieser Saison ist das Team von Xabi Alonso immer noch ungeschlagen – sowohl in der Bundesliga und im DFB-Pokal als auch in der Europa League. Trotz einer Vielzahl an Chancen gab es am vergangenen Wochenende gegen den NRW-Nachbarn aus Mönchengladbach aber nur ein 0:0. Doch ist die Werkself durch ihre bis dato beeindruckende Spielzeit auf einem guten Weg, ihrem Spitznamen „Vizekusen“ etwas entgegenzusetzen. Vor dem kommenden Heimspiel des SV Darmstadt 98 gegen Bayer Leverkusen (3.2./15.30 Uhr) nehmen wir den Tabellenführer der Fußball-Bundesliga in unserem wöchentlichen Gegnercheck genauer unter die Lupe.

Jonathan Tah feiert sein Tor mit seinen Teamkollegen.
DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

In den letzten 20 Jahren verzeichnete Bayer Leverkusen nur einmal einen zweistelligen Tabellenplatz. Einzig in der Saison 2016/17 wurde die Werkself unter ihrem damaligen Trainer Tayfun Korkut mit insgesamt 15 Niederlagen nur Zwölfter. Ansonsten gab es eine Vielzahl an Spitzenplätzen: So schloss Bayer von den letzten 20 Saisons gleich neun Spielzeiten unter den besten vier ab. Eine Meisterschaft resultierte daraus allerdings (noch) nicht. Mit aktuell zwei Punkten Vorsprung auf den Rekordmeister Bayern München sind die Leverkusener nun in einer guten Position, das zu ändern.

Nach einem rasanten Start, bei dem fast alles gelingen wollte, ist Bayer auch ins Fußballjahr 2024 mit zwei Siegen und einem Unentschieden erneut gut gestartet. Und das, obwohl mit Edmond Tapsoba und Odilon Kossounou gleich zwei Stammkräfte aufgrund ihrer Afrika-Cup-Teilnahme in der Verteidigung wegbrachen. Zudem verletzte sich Top-Scorer Victor Boniface (10 Tore, 8 Vorlagen) im Heimspiel gegen Bochum kurz vor Weihnachten an den Adduktoren. Der Nigerianer fällt nach einer Operation Anfang Januar voraussichtlich bis April aus. Auch Mittelfeldmotor Exequiel Palacios kann aktuell nicht mitmischen. Er laboriert an einer Muskelverletzung. Nicht verwunderlich also, dass Leverkusen beim torlosen Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach am vergangenen Wochenende seine drückende Überlegenheit und seine guten Chancen mal nicht in die maximale Punkteausbeute münzen konnte.

Nichtsdestotrotz spielt die Mannschaft von Cheftrainer Xabi Alonso eine eindrucksvolle Saison und stellt die beste Defensive (14 Gegentore) und die zweitbeste Offensive der Liga (50 Treffer). Die Boniface-Verletzung soll neben Patrik Schick auch Neuzugang Borja Iglesias kompensieren. Der Spanier kommt auf Leihbasis aus Sevilla an den Rhein. Seinen Torriecher hat der 31-jährige Stürmer in LaLiga bereits unter Beweis gestellt. In den vergangenen Spielzeiten traf Iglesias jeweils zweistellig (15, 10, 11) für Betis. Nach verschiedenen Vereinen in Spanien ist Deutschland die erste Auslandsstation für den Wandspieler.

Der Trainer

„Wenn er auf dem Rasen steht, scheint jeder andere Spieler plötzlich besser zu spielen“, sagte John Toshack bei uefa.com über Xabi Alonso. Bei San Sebastian verhalf der Trainer dem Spanier einst zu seinem Ligadebüt und war von Anfang an von seiner besonderen Klasse überzeugt und begeistert. Und er sollte recht behalten. Hinter Xabier Alonso Olano, kurz Xabi Alonso, liegt eine außergewöhnliche Karriere als Fußballer. Mit zarten 20 Lenzen war Alonso schon Kapitän bei San Sebastian und mit 21 Jahren folgte dann das Debüt in der Nationalmannschaft.

„Bereits nach unserer ersten gemeinsamen Trainingseinheit war klar, was Alonso für ein außergewöhnlicher Spieler ist. Mit einigem Abstand betrachtet war er der beste zentrale Mittelfeldspieler, mit dem ich jemals zusammengespielt habe“, adelte Steven Gerard seinen damaligen Teamkollegen bei Liverpool. Mit seiner Passsicherheit, seiner Dominanz am Ball und seinem überragenden Gefühl für Spielsituationen drückte Alonso nicht nur dem Spiel der Reds, sondern auch dem von Real Madrid und Bayern München seinen Stempel auf. Neben vielen nationalen Titeln wurde der zweifache Sieger der Champions League mit Spanien auch Europa- und Weltmeister.

„Xabi Alonso ist wie ein Metronom, ein Spieler im Stile eines Xavi Hernández. Ich bin mir sicher, dass er ein großartiger Trainer wird, wenn er seine Fußballschuhe an den Nagel hängt. Er erinnert mich an Pep Guardiola zu dessen Zeit als Spieler: Er handelt auf dem Feld schon genauso wie ein Trainer“, bewertete José Mourinho einst das Spiel Alonsos und attestierte ihm eine große Trainerkarriere. Und so sollte es kommen. Auf eine beeindruckende Karriere als Spieler folgt für Alonso nun das Kapitel als Trainer. Nach vergleichsweise kleineren Stationen in der Jugend von Real Madrid und der zweiten Mannschaft von Real Sociedad San Sebastian steht der 42-Jährige seit Oktober 2022 bei Bayer Leverkusen an der Seitenlinie – mit Erfolg. In den 65 Partien unter Alonso sammelte die Werkself 2,11 Punkte pro Spiel. Der Punkteschnitt des Spaniers zählt damit zu den besten in Bayers Vereinshistorie. Als derzeitiger Ligaprimus ist nun sogar die Meisterschaft in Reichweite.

Xabi Alonso herzt Alejandro Grimaldo.
Eibner-Pressefoto/Memmler

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Victor Boniface, 10 Treffer Alejandro Grimaldo, 9 Vorlagen
Alejandro Grimaldo, 7 Treffer Jonas Hofmann, 8 Vorlagen
Jonas Hofmann, 5 Treffer Victor Boniface, 7 Vorlagen
Florian Wirtz, 5 Treffer Jeremie Frimpong, 7 Vorlagen
Jeremie Frimpong, 5 Treffer Florian Wirtz, 7 Vorlagen

Prunkstück

Auch wenn das Unentschieden gegen die Fohlen zunächst anders anmutet, Leverkusens Prunkstück ist die Siegermentalität. Nach 28 Spielen in dieser Saison ist Bayer noch ungeschlagen, was aktuell einzigartig in Europas Top-Ligen ist. Satte 24 Siege verbucht die Werkself und ist dementsprechend in allen drei Wettbewerben gut im Rennen.

Jüngstes Beispiel für die Siegermentalität sind die Partien in Augsburg und Leipzig. Sah die umkämpfte Partie bei den Fuggerstädtern lange nach einem Remis aus, belohnte sich Bayer in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch mit dem erlösenden Siegtreffer für den vorher betriebenen Chancenwucher. Ein ähnliches Bild bot sich derweil in Sachsen, als Piero Hincapie in der ersten Minute der Nachspielzeit noch der Treffer zum Last-Minute-Sieg gelang und Bayer trotz eines zweimaligen Rückstands 3:2 gewann. Die Lilien sind nach dem 1:5 aus dem Hinspiel ohnehin gewarnt, sollten sich aber auch bei einer eigenen, eventuellen Führung bei diesen Leverkusenern nie zu sicher sein.

All Eyes on ...

In einer wunderschönen Flugkurve senkt sich das Spielgerät unhaltbar in die linke Ecke zum 2:0 der Leverkusener in Mainz Anfang Oktober. Verantwortlich für dieses Traumtor: Alejandro Grimaldo. „Ich arbeite schon seit etwa 15 Jahren an meiner Schusstechnik“, verrät er. Der Standardspezialist der Werkself feilt schon lange an den ruhenden Bällen. „Ich habe viel geübt, selbst, wenn ich alleine ohne Torhüter war. Mittlerweile ist es zum Instinkt geworden“, so der schussstarke Linksfuß in einem vereinseigenen Interview. Zwei direkte Freistoßtore kann Grimaldo in der laufenden Saison schon vorweisen. Basierend auf seinen Vorbildern Gareth Bale, Cristiano Ronaldo und Juninho hat der Spanier mittlerweile seine „eigene, spezielle Technik“ entwickelt. 

Im vergangenen Sommer kam der mittlerweile 28-Jährige von Benfica Lissabon ablösefrei an den Rhein. Nach sieben Jahren in der portugiesischen Landeshauptstadt sollte für Grimaldo das nächste Kapitel beginnen. „Ich war schon vor ein paar Jahren bereit, in eine stärkere Liga zu wechseln“, meint Grimaldo zwar, doch der große Umzug nach Deutschland in ein neues Land mit Ehefrau Ana und Töchterchen Lucia war dann doch ein großer Schritt: „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Es ist immer schwierig, den Ort zu wechseln. Aber ich wusste, dass alles okay ist, sobald ich auf dem Platz stehe.“ Mittlerweile ist der Spanier angekommen in Deutschland. Dabei ist nicht nur seine kleine Familie, die noch ein Hund ergänzt, sondern auch noch ein persönlicher Koch. Ernährung ist für den Linksverteidiger ein wichtiges Puzzleteil seines Erfolgs. Seit drei Jahren betreibt der Mann mit der Rückennummer 20 Intervallfasten. Privat lebt und ist Grimaldo eher zurückgezogen: „Ich bin eine ruhige Person, ich gehe nicht so viel raus.“

Als zweitbester Leverkusener Scorer (7 Tore, 9 Vorlagen in 19 Spielen) hinter dem ebenfalls zu Saisonbeginn gekommenen Victor Boniface trägt Grimaldo einen großen Anteil an der beeindruckenden Saison seines Teams. Er ist mit Abstand der torgefährlichste Verteidiger der Liga und überzeugt sowohl durch defensive Stabilität und Konstanz (nur 14 Gegentore), als auch mit vielen Abschlüssen und mit Durchschlagskraft in der Offensive. Auch auf der nationaler Ebene konnte Grimaldo zuletzt glänzen. Nachdem er lange Zeit nicht berücksichtigt wurde, feierte der Linksverteidiger im November auf Zypern sein Debüt im Nationaldress der „Furia Roja“. „Ich war schon immer ehrgeizig und will gewinnen, aber ich bin über die Jahre Stück für Stück reifer geworden“, beschreibt Grimaldo seine Mentalität auf dem Platz. Mal abwarten, wie die Lilien den defensiv stabilen und offensivstarken Spanier unter Kontrolle bekommen werden.

Alejandro Grimaldo tritt einen Freistoß.
DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

Blick in die Vitrine

  • Deutscher Pokalsieger: 92/93
  • UEFA-Cup-Sieger: 87/88
  • Deutscher Zweitligameister: 78/79

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