sv98.de: Djanga, du hast gegen El Salvador dein Debüt für Suriname gegeben. Kannst du nochmal kurz erklären, wie es dazu kam, dass du nun für die surinamische Auswahl spielst?
Jean-Paul Boëtius: Meine Eltern sind in Suriname geboren und aufgewachsen. Später sind sie in die Niederlande gezogen, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Dementsprechend habe ich in der Jugend für Holland gespielt, habe später sogar ein Spiel für die A-Nationalmannschaft machen dürfen. Natürlich war es damals mein Traum, dass noch mehr Spiele für die Niederlande hinzukommen. Doch so ist es manchmal im Leben… 2018 habe ich dann erstmals mit dem surinamischen Verband gesprochen, habe mich damals aber noch nicht zu einhundert Prozent dafür entscheiden können. Jetzt – sechs, sieben Jahre später – konnte ich mit voller Überzeugung „Ja“ sagen. Ich bin sehr stolz, jetzt für die Nationalmannschaft von Suriname aufzulaufen.
Wie hat das erste Länderspiel angefühlt?
Das erste Länderspiel für Suriname war sehr, sehr schön. Die Atmosphäre im Stadion war ganz anders als bei einem Ligaspiel in Deutschland, aber es war trotzdem geil. Danke nochmals an die Fans. Für mich persönlich war es das erste Pflichtspiel seit Wochen, da ich die letzten beiden Duelle mit Darmstadt ja leider verletzungsbedingt verpasst habe. Ich fühle mich aber wieder gut, bin fit und habe alles für mein Land gegeben – und wie ich finde auch ein gutes Spiel auf der Sechserposition gemacht (lächelt). Mit dem 1:1 gegen El Salvador sind wir zudem weiter Erster in unser WM-Qualigruppe, was wichtig war.
Ist Suriname ein fußballbegeistertes Land, gab es viele Nachrichten und Reaktionen an dich?
Suriname ist ein sehr fussballbegeistertes Land. Das Land hat nicht viele Einwohner, nur rund 600.000. Dafür ist Suriname ist sehr stolz, was man bei unseren Heimspielen gesehen hat. Klar, habe ich Reaktionen und Nachrichten bekommen. Aber es hat keine Ausmaße angenommen wie beispielsweise in Indonesien, wo du plötzlich eine Million neue Follower hast (lacht).
Nun wartet der Gold Cup, also quasi die EM Nord- und Mittelamerikas und der Karibik auf euch. Wie groß ist die Vorfreude bei dir und der Mannschaft?
Die Vorfreude auf den Gold Cup ist sehr groß. So oft hat Suriname noch nicht an diesem Turnier teilgenommen. Dementsprechend sind wir und das ganz Land sehr stolz darauf, am Gold Cup teilzunehmen. Wir hoffen jetzt, dass wir gut durch die Gruppenphase kommen.
Ihr spielt in San Diego und dann zwei Partien im riesigen AT&T Stadium, in dem sonst die Dallas Cowboys aktiv sind. Dürfte etwas besonderes werden.
Das Stadion in Dallas ist riesig, das stimmt. Ich kenne es aus der NFL. Wenn wir dort gegen Mexiko spielen werden, kann man davon ausgesehen, dass das Stadion ausverkauft sein wird. Ich freue mich drauf. Klar habe ich schon in großen Stadien gespielt, aber das wird dann sicherlich nochmal eine andere Nummer.
Eure Gegner in der Vorrunde sind Costa Rica, Mexiko und die Dominikanische Republik. Klingt nach einer schweren Gruppe. Wie siehst du die Gegner und wie schätzt du eure Chancen ein?
Wir sind in einer schwierigen Gruppe, in der Mexiko natürlich der Favorit ist. Costa Rica ist ebenfalls ein starker Gegner, auch die Dominikanische Republik darf man nicht unterschätzen. Sowohl Costa Rica als auch wir sind eine gute Mannschaft mit guten Spielern. Auf sie treffen wir im ersten Spiel, was direkt ein sehr wichtiges sein wird. Ich denke, dass vor allem das Duell mit Costa Rica sehr entscheidend für den weiteren Verlauf der Gruppenphase sein wird.
Danke für das Gespräch, Djanga. Wir wünschen dir viel Erfolg beim Gold Cup!