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27.02.2024 / Profis

Der FC Augsburg im Gegnercheck

Schon zum zweiten Mal an diesem Tag erklang das Lummerland-Lied. Per Abstauber netzte Stephan Hein in der 85. Minute ein. Das veranlasste den sonst so ruhigen und gefassten Jos Luhukay zu wahren Jubeltänzen. Er herzte jeden, dem er begegnete und rannte freudestrahlend auf die Jubeltraube der Spieler zu. Die Hände über den Kopf gestreckt und später in den Hopfendünsten einer Bierdusche – Luhukay und seine Fuggerstädter in Sphären der Freude. Am 33. Spieltag im Mai 2011 siegte der FC Augsburg gegen den FSV Frankfurt mit 2:1. Bei drei Punkten Vorsprung und ein um 20 Treffer besseres Torverhältnis war der Aufstieg ins Oberhaus mehr oder weniger perfekt. Was in der Relegation in der vergangenen Saison noch verwehrt geblieben war, wurde nun Realität: zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte stieg der FCA in die Bundesliga auf. Und sollte dort bis heute auch bleiben.

Augsburg jubelt
Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Weber

Mittlerweile haben sich die Augsburger im Oberhaus etabliert und halten jedes Jahr nicht immer souverän, aber ruhig und meist unaufgeregt die Klasse. Davon zeugen auch die Tabellenplätze der vergangenen Spielzeiten. So wurde der FCA in den letzten fünf Saisons dreimal 15. Ausreißer nach oben gab es allerdings auch schon, als man 2015 auf einem sensationellen 5. Platz über den Zielstrich ging und in der nächsten Saison auf der europäischen Bühne mitmischen durfte. Der FC Liverpool war dann in der Zwischenrunde aber eine Nummer zu groß.

Gegenwart. Nach einem holprigen Start und dem Trainerwechsel von Maaßen auf Thorup hat sich Augsburg zuletzt stabilisiert. In der Rückrundentabelle rangiert man knapp hinter Bayern München auf dem siebten Platz. Durch die drei Zähler am vergangenen Wochenende gegen Freiburg sind die akuten Abstiegssorgen bei neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz erst einmal verblasst. Und plötzlich fehlen nur noch vier Punkte auf Platz sieben. Felix Uduokhai, Defensivstütze und zuletzt auch als Torschütze im Einsatz, blickt aber auch warnend auf die kommenden Aufgaben gegen die Konkurrenz: „Wir müssen jetzt eine gute Balance finden, weil das Mannschaften auf Augenhöhe sind, wo wir uns auch ein bisschen schwerer tun. Da müssen wir vorher da sein, müssen genauso spielen wie hier zuhause gegen Leipzig, Bayern und Leverkusen.“ Wir nehmen den kommenden Gegner der Lilien genauer unter die Lupe. Der FC Augsburg im Gegnercheck.

Der Trainer

Mit etwa 5,9 Millionen Einwohnern hat Dänemark nur etwas mehr Staatsangehörige als zusammengerechnet Menschen in Berlin (ca. 3,7) und Hamburg (ca. 1,8) leben. Umso erstaunlicher, dass die Skandinavier in den vergangenen Jahren zahlreiche Talente wie Andreas Christensen, Jannik Vestergaard, Pierre-Emile Hojbjerg, Yussuf Poulsen oder auch den Unioner Frederik Rönnow hervorgebracht haben. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt der aktuelle Chefcoach des FC Augsburg: Jess Thorup. Sie alle genossen seine Ausbildung, als er von 2013 bis 2015 als Trainer bei den Jungdänen an der Seitenlinie stand und 2015 das Halbfinale der U21-Europameisterschaft erreichte. „Ich liebe es, junge Spieler zu entwickeln“, erzählte der 54-jährige Coach auf seiner Antritts-PK in Augsburg über seine Leidenschaft. Mit Spielern wie Arne Engels oder Dion Beljo gelingt ihm das nun auch beim FCA.

Thorup, der in den 90er Jahren bereits anderthalb Jahre in Deutschland als Profi beim KFC Uerdingen die Fußballschuhe geschnürt hat, spricht bereits sehr gut Deutsch und freute sich in einem Interview auf dem vereinseigenen YouTube-Kanal über seine Anstellung bei den Fuggerstädtern: „Es ist ein Traum, nach mehr als 20 Jahren zurückzukommen. Ich fühle mich sehr wohl hier in Augsburg.“ Der zweifache Familienvater spielt Golf, fährt Fahrrad und ist gerne draußen unterwegs. Mit dem FC Midtjylland 2018 und dem FC Kopenhagen 2022 holte Thorup jeweils die dänische Meisterschaft.

Der gebürtige Kopenhagener übernahm den FCA von Enrico Maaßen, der nach nur einem Sieg aus den ersten sieben Saisonspielen nach der 1:2-Heimpleite gegen die Lilien gehen musste. Aus den 16 Spielen seither steht eine eher ausgeglichene Bilanz zu Buche: fünf Siege, sechs Unentschieden, fünf Niederlagen. Im Blickpunkt Sport im BR Anfang Februar formulierte Thorup aber schon höhere Ziele: Die Top-10 müssen spätestens „nächstes Jahr unser Ziel werden“. Ein wichtiger Befreiungsschlag gelang am Sonntag gegen Freiburg: „Das war genau die Reaktion, auf die ich nach dem Spiel in Mainz gehofft hatte. Wir haben viel über Mindset und Mentalität gesprochen und ich habe eine Mannschaft gesehen, die von der ersten Minute an das Spiel kontrolliert und offensiv gedacht hat. Darüber bin ich sehr froh, denn wir haben sehr gut gespielt.“

Jess Thorup
Foto: Eibner-Pressefoto / Krieger

Offensiv-Power

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Ermedin Demirovic, 12 Treffer Ermedin Demirovic, 7 Vorlagen
Phillip Tietz, 5 Treffer Frederik Jensen, 4 Vorlagen
Arne Engels, 3 Treffer Arne Engels, 3 Vorlagen
Elvis Rexhbecaj, 2 Treffer Phillip Tietz, 2 Vorlagen
Felix Uduokhai, 2 Treffer Kevin Mbabu, 2 Vorlagen

Prunkstück

Gerät ein Team in Rückstand, so sinken die Chancen auf einen dreifachen Punkterfolg oder zumindest ein Unentschieden logischerweise erheblich. Doch nicht so beim FC Augsburg. Die Fuggerstädter kämpfen regelmäßig gegen diese Tatsache an. In 19 von den bislang 23 absolvierten Saisonspielen lag der FCA zurück. Aus diesen Partien resultierten jedoch noch fünf Siege und ebensoviele Unentschieden und dementsprechend sagenhafte 20 Punkte nach Rückständen. Ohne diese Zähler würde Augsburg bei mickrigen sechs Zählern herumdümpeln. Das Prunkstück liegt also in den Comeback-Qualitäten.

So auch zusehen am vergangenen Sonntag, als die Gäste aus Freiburg in Person von Grifo in Führung gingen. Was andere Mannschaft von der Rolle bringt oder kopflos werden lässt, ist die Stärke des FCA. So konnten die Hausherren die Partie noch drehen. Uduokhai und Engels ließen sich innerhalb von neun Minuten als Torschützen auf dem Spielberichtsbogen notieren und die WWK Arena beben. Punkte nach Rückständen? Eine Statistik, in der die Augsburger mit großem Abstand vorne liegen (20). Auf den Plätzen zwei und drei kommen mit weitem Abstand Borussia Dortmund und die TSG aus Hoffenheim mit je zwölf Punkten. Einer der Hauptverantwortlichen dieser Statistik ist Top-Torjäger Ermedin Demirovic. An 20 der insgesamt erzielten 33 Treffer war der gebürtige Hamburger direkt beteiligt (12 Tore, 7 Vorlagen). Das macht ihn zum viertbesten Scorer der Liga.

All Eyes on ...

Da staunten die Dortmunder nicht schlecht. Beim Bundesligaauftakt in das Kalenderjahr 2023 sahen sie sich am 16. Spieltag in der Partie gegen den FC Augsburg dem 19-jährigen Arne Engels gegenüberstehen. Arne wer? Der Winterneuzugang der Fuggerstädter sollte eigentlich langsam an die neue Liga herangeführt werden und sich in Ruhe entwickeln. Doch der Belgier schwang sich auf Anhieb zur Stammkraft auf. Bei seinem Pflichtspielauftakt im ausverkauften Signal-Iduna-Park überzeugte er mit einer reifen Leistung und einer Torvorlage.

Der in Flandern geborene Engels flog in seiner Karriere schon öfter unter dem Radar. So auch bei seiner letzten Station: dem Club Brügge. Dort lief der Mittelfeldmann nicht für die Profis, sondern für das Nachwuchsteam von Brügge in der zweiten Liga auf. Nachdem sich der mittlerweile 20-Jährige in Augsburg aber zur Stammkraft aufgeschwungen hatte, stellte sich die Frage, ob der 18-malige belgische Meister das Talent von Engels übersehen habe. „Er ist sehr ruhig, sehr besonnen, sehr flexibel und bringt schon eine gute Körperlichkeit mit. Er hat einen sehr guten Abschluss mit links und mit rechts und ein sehr gutes Passspiel. Er ist ein großes Talent, wie ich finde. Der wird hier eine gute Entwicklung nehmen. Was er leistet, ist außergewöhnlich“, prophezeite der ehemalige FCA-Coach Enrico Maaßen dem Mittelfeld-Talent eine große Entwicklung. Und so sollte es kommen.

Engels selbst freute sich damals in einem Interview auf dem vereinseigenen YouTube-Kanal über seinen Wechsel: „Es ist ein großer Schritt für mich, aber ich wurde super aufgenommen. Die Liga passt gut zu meinem Spiel.“ Der sowohl auf rechts als auch zentral einsetzbare Belgier überzeugt mit Zweikampfhärte, Übersicht, Dynamik und einer guten Schusstechnik. Zudem belebt er die Augsburger Offensive mit seiner Kreativität und Freigeist. Längst hat sich Engels zum Leistungsträger entwickelt und steuerte in der laufenden Spielzeit drei Treffer und drei Assists bei. Gegen den SC Freiburg zuletzt traf er zum 2:1-Siegtreffer. „Ich bin sehr glücklich über mein Tor, ich habe solche Situationen im Training geübt – heute konnte ich es im Spiel umsetzen. Diese Dominanz müssen wir auch nach Darmstadt mitnehmen“, sagte der Mann mit der Rückennummer 27 nach dem Heimsieg mit gleichzeitigem Blick auf das Duell mit den Lilien.

Arne Engels
Foto: Eibner-Pressefoto / Krieger

Augsburger Meilensteine

  • Qualifikation zur Europa League (2014/15)
  • Aufstieg in die Bundesliga (2010/11)
  • DFB-Pokal-Halbfinale: 2009/10
  • Aufstieg in die 2. Bundesliga: 2005/06

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