23.12.2024 / Profis
Die Niederlage in der Analyse
Der SV Darmstadt 98 hat das Fußballjahr 2024 ohne weitere Punkte beendet. Beim 1:2 in Regensburg unterlagen die Lilien erstmals seit Ende September in einem Ligaspiel. Welche Gründe gab es für die Niederlage im Jahnstadion? Und warum können die Südhessen dennoch optimistisch in die Zukunft blicken? Wir blicken mit unserer Analyse noch einmal auf den 17. Spieltag.
Szene des Spiels:
Das 0:1 durch Kai Pröger. Obwohl schlussendlich drei Tore im Jahnstadion fielen, war der Führungstreffer der Hausherren sicherlich der endgültige Knackpunkt im Spiel. Bereits im Vorfeld des Treffers waren die Hausherren offensiv mutiger und zielstrebiger geworden und hatten das Gehäuse von Marcel Schuhen in zwei Szenen in arge Bedrängnis gebracht. Der platzierte Abschluss Prögers, der über den Innenpfosten ins Netz gelangte, ließ die extrem leidenschaftlich auftretenden Regensburger endgültig an einen möglichen Heimsieg glauben. Entsprechend schwierig gestaltete sich die anschließende halbe Stunde für den SV 98, der gegen den mit Oberwasser spielen- und insbesondere kämpfenden SSV in den Duellen häufig den Kürzeren zog. „Der Jahn hat es geschafft, dass heute sein Spiel gespielt wurde“, erklärte Florian Kohfeldt und konkretisierte dieses ausrückliche Lob im Nachgang: „Es gab viele Zweikampfsituationen, viele Laufaktionen, wenig Ruhe im Spiel und wir haben kaum Räume gefunden.“ Das Resümee des Cheftrainers bezog sich dabei berechtigerterweise auf den Großteil der Begegnung, Prögers Treffer kitzelte aber aus allen Akteuren des Jahn die letzten zwei, drei Prozentpunkte heraus.
Riedels Kopfballchance in der 47. Minute: Im Nachgang eines Spiels ist es immer hypothetisch, über mögliche Szenarien und sich abandernde Spielverläufe zu sinnieren. Dennoch erscheint es sehr wahrscheinlich, dass die Lilien mit etwas Zählbarem aus Regensburg zurückgekehrt wären, wenn sie selbst den Führungstreffer erzielt hätten. In der 47. Minute hatten alle Lilien den Torschrei bereits auf den Lippen, als Clemens Riedel relativ freistehend nur knapp über das Tor köpfte. Es wäre interessant zu sehen gewesen, wie die Hausherren auf einen deratigen Rückschlag reagiert hätten. Womit wir aber wieder bei Hypothesen wären. Und diese bringen keine Punkte.
Das lief gut:
Die Selbstkritik. Ein tiefer Rasen. Strömender Regen. Gegebenheiten, die einer spielstarken Mannschaft mit Sicherheit nicht entgegenkommen. Doch die Lilien versuchten erst gar nicht, sich in derartige Ausreden zu flüchten. „Darüber müssen wir kein Wort verlieren. Der Gegner spielt auf demselben Geläuf. So etwas gehört zur 2. Liga. Und die Regensburger haben es einfach besser gemacht“, resümmierte Kai Klefisch und nahm sich und seine Teamkollegen in die Pflicht: „Wir waren zu passiv, haben nich richtig in die Zweikämpfe gefunden und waren auch läuferisch nicht dort, wo wir sein wollen.“
Die Selbstkritik zeigt den Ehrgeiz der Lilien und auch das Selbstverständnis, die Gründe für eine Niederlage bei sich selbst zu suchen. Also bei den Dingen, die man beeinflussen und verändern kann. Eine Einstellung, die wichtig ist für den weiteren Weg in dieser Saison. Man musste damit rechnen, dass der SV 98 an irgendeinem Zeitpunkt wieder verliert. Doch der Umgang mit der Niederlage zeigt: Das Team glaubt an sich und an die eigene Stärke. Nicht nur im Erfolg.
Die Moral. „Das ist die Entscheidung!“ schrieb der Kicker in seinem Liveticker nach dem 2:0 der Regensburger in der 91. Minute. Ein sicherlich logischer Gedanke, der wohl auch dem absoluten Großteil der Stadionbesucher durch den Kopf ging. Auf dem Platz hingegen zeigten die Lilien, dass sie trotz des zuvor eher gebrauchten Tages durchaus noch an sich und das Comeback glaubten. Aleksandar Vukotic trieb seine Mannschaft im direkten Anschluss an den Gegentreffer stark gestikulierend nach vorne, Klefisch machte das Spiel keine zwei Minuten später mit dem Ansclusstreffer wieder spannend. „Geht hier doch noch was?“ fragte der Kicker nun in seinem Eintrag. Berechtigerterweise, wie die Schlusssequenzen der Partie unterstrichen. Sowohl Vukotic als auch Riedel schnupperten am späten Ausgleich, die Moral der Südhessen stimmte in jedem Fall.
Das lief nicht gut:
Das Spiel mit dem Ball: Den Lilien gelang es in Regensburg nicht, ihre zuletzt wohl größte Stärke auf den Platz zu bringen. „Zu wenige Ideen nach vorne und viele Fehler im Aufbauspiel“, hatte Riedel im Spiel seiner Mannschaft ausgemacht, die Passquote lag recht deutlich unter den Werten der Vorwochen. „Damit haben wir den Gegner und die Heimfans gepusht“, so der Lilien-Kapitän, während sein Trainer ausführte: „Wir haben nicht die Mittel gefunden, dieses Spiel besser zu gestalten.“
Die entscheidenden Duelle: Der SV 98 gewann im Jahnstadion 57 Prozent der Zweikämpfe. Speziell auswärts ein statistisch hervorragender Wert. Und dennoch hatte man den Eindruck, dass die Gastgeber in den entscheidenen Momenten einen Tick entschlossener zu Werke gingen, mehr zweite Bälle sicherten oder auch in den Strafraumaktionen immer noch einen Fuß vor den Ball bekamen. „Regensburg hat uns in diesen Situationen ein wenig den Schneid abgekauft“, gab Torschütze Klefisch zu und Kapitän Riedeln sah in diesen Momenten einen „Schlüsselfaktor“ für den Erfolg der Gastgeber.
Zitat des Tages
Wir wollten die vergangenen Wochen bestätigen und die Serie ausbauen. Das haben wir leider nicht geschafft. Aber wir kommen nächstes Jahr wieder.