Nürnberger bleibt in Darmstadt
Der SV 98 kann weiterhin auf die Dienste von Fabian Nürnberger bauen. Die Lilien haben den auslaufenden Vertrag mit dem bulgarischen Nationalspieler verlängert.
Der Abpfiff in Fürth war schon rund 40 Minuten verhallt, da wurde der Cheftrainer auf den Zaun beordert. „Lieberknecht, Lieberknecht!“, hallte es aus den Kehlen der 3.000 mitgereisten Lilienfans und der Berufene folgte der Aufforderung der in Weiß gekleideten Menge gerne. Mit einem Megafon ausgestattet thronte Lieberknecht inmitten der Anhänger auf dem Vorsängerpodest und stimmte sogleich die Lilien-Hymne an. „Die Sonne scheint“, schmetterte der südhessische Chor in den wolkenlosen fränkischen Himmel und besang damit eine Spielzeit, die für den SV 98 für immer unvergessen bleiben wird.
Die Lilien spielen im kommenden Jahr in der Bundesliga. Was bereits seit dem 19. Mai feststeht, wurde zum Saisonabschluss in Fürth noch einmal ausgiebig zelebriert. Bevor Lieberknecht zum Zaunkönig wurde, lief die Party zwischen Mannschaft und Fans bereits seit einer halben Stunde. „Schalala, Bundesligaaaa“, ertönte in Dauerschleife, alle wussten, was diese Mannschaft in dieser Saison geleistet hatte.
Natürlich hätten wir die Schale gerne geholt. Trotzdem ist es kein Moment, um auch nur ansatzweise traurig zu sein. Wir sind aufgestiegen.
„Wenn wir heute nicht lachen und glücklich sein können, wann dann?“, bilanzierte Klaus Gjasula im Interview, während in seinem Rücken alle Darmstädter umhertanzten. Natürlich gehört zur Wahrheit auch, dass die Lilien mit einem klaren Ziel an den Fürther Ronhof gefahren waren: Mindestens einen Punkt einzufahren, um im Anschluss die Zweitliga-Meisterschaft feiern zu können. Ein Vorhaben, das misslang. Durch Heidenheims dramatischen Erfolg in Regensburg rutschte der SV 98 so erstmals seit Spieltag Nummer zwölf auf den zweiten Platz. „Natürlich hätten wir die Schale gerne geholt“, verriet Gjasula, schob dann aber hinterher: „Trotzdem ist es kein Moment, um auch nur ansatzweise traurig zu sein. Wir sind aufgestiegen.“
Mit 67 Punkten beendeten die Lilien die Saison 2022/23, in zwei Jahren unter Torsten Lieberknecht sammelte das Team sagenhafte 127 Zähler. Trotz der ungewohnten Gegentorflut von Fürth stellt der SV 98 die mit Abstand beste Defensive der Liga, sowohl in der Heim- als auch Auswärtstabelle belegt Lieberknechts Team den zweiten Platz. Es sind Zahlen, die Konstanz ausdrücken und beweisen, auf welch hohem Level die Mannschaft über einen schier ewigen Zeitraum agiert. Auch deshalb wich die erste Enttäuschung über die verpasste Meisterschaft schnell dem Partymodus. „Das Spiel heute soll nicht schmälern, was wir diese Saison erreicht haben“, so Lieberknecht, bevor er ergänzte: „Wir sind froh, dass wir in der ersten Liga sind.“
Und diese Freude werden alle Lilien am Pfingstmontag noch einmal gemeinsam ausleben. Die große „Aufstiegsparty“ auf dem Karolinenplatz ruft und die Aussicht darauf verleitete Fabian Holland noch in Fürth zu einem augenzwinkernden Versprechen: „Heute wollten wir Vollgas auf dem Platz geben, das ist nicht wirklich gelungen. Aber ich bin sicher, dass wir morgen einige Schippen drauflegen werden. Die Party morgen haben wir noch im Tank, das haben die Fans auch verdient.“
So verdient, wie die Lilien diesen Aufstieg. Den Sprung in das Oberhaus des deutschen Fußballs. Das Innehaben eines von 18 Plätzen an der Sonne. Die in Darmstadt musikalisch immer scheint. In der Saison 22/23 aber noch ein bisschen heller.