Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
Enttäuschung im Fußball hat verschiedene Ausprägungen und Ursprünge. Sie kann davon herrühren, dass man nicht das Niveau erlangte, welches man sich im Vorfeld eines Wettkampfs vorgenommen hatte. Sie kann aus dem einen Fehler oder der falschen Entscheidung resultieren, die den Verlauf einer Begegnung entscheidend beeinflusste. Oder sie entsteht, weil eine wirklich gute Leistung schlussendlich doch nicht für den Sieg reichte. Nach einem Spiel, in dessen Anschluss man sich kaum etwas vorwerfen kann und dennoch nicht mit dem passenden Ergebnis belohnt wurde. Auch die letztgenannte Form der Unzufriedenheit schmerzt. Sie beinhaltet aber immer auch eine Vielzahl von positiven Facetten, die dem vorhandenen Unmut eine Färbung geben, mit der sich die nächsten Schritte deutlich besser angehen lassen.
Wir haben das Gesicht gezeigt, das wir zeigen wollen
„Wir haben das Gesicht gezeigt, das wir zeigen wollen“, bilanzierte Paul Will nach Abpfiff. Dabei bezog sich der Mittelfeldmotor selbstredend nicht auf die enttäuschte Mimik seiner selbst oder der Teamkollegen nach Abpfiff, er charakterisierte viel eher die Leistung, die der SV 98 im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg gezeigt hatte. Eine Performance, die drei Punkte verdient, schlussendlich aber nur einen Zahler erbracht hatte. Und gleichzeitig einen wichtigen Schritt für den weiteren Saisonverlauf darstellen soll.
„Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, hatten viele Torchancen, haben mutig gespielt, das Pressing hat super funktioniert.“ Wills Aussagen werden durch Zahlen untermauert. Die Lilien verzeichneten 62 Prozent Ballbesitz, gewannen 53 Prozent der Zweikämpfe, gaben 19 Torschüsse ab und sammelten 13 Ecken. Statistiken, die nur in wenigen Fällen zu einem Unentschieden gehören.
„Es waren nur banale Dinge, die wir besser machen müssen“, resümierte Will. Was der 25-Jährige konkret meinte: Taktik, Struktur, Anlaufverhalten, Abstimmung und Kommunikation. Hinter all diese Dinge konnte der SV 98 am Sonntag einen Haken setzen. Bei der Chancenverwertung und dem Verwerten von offensiven Standards blieb jedoch Luft nach oben. „Meckern auf hohem Niveau“, nannte Will die kritischen Punkte seiner Spielanalyse, die er abschließend noch einmal prägnant abrundete: „Wir müssen einfach das zweite Tor nachlegen.“
In zahlreichen Aktionen verpassten die Lilien einen weiteren Treffer, die Gäste aus Nürnberg kamen nach einer guten Stunde per Traumtor zum Ausgleich. Dennoch macht dieser Auftritt viel Mut für die weitere Saison. „Vom Ergebnis sind wir enttäuscht, aber nicht von der Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben“, erklärte Torsten Lieberknecht und ordnete das Geschehen auch mit Blick auf die bisherige Saison ein: „Wir haben gezeigt, dass unsere Entwicklung weiter voranschreitet. Es wächst wirklich etwas zusammen.“
Mit jeder Woche steigerten sich die Lilien bislang in ihren Leistungen, nun gilt es, auch den ersten Saisonsieg in der Liga einzufahren. Wenn die Darmstädter ihr Niveau aus dem Nürnberg-Spiel beibehalten, dürfte es sehr bald soweit sein. Eine Einschätzung, die auch Will teilt: „Mit so einer Leistung werden wir in nächster Zeit erfolgreich sein. Anders geht das gar nicht.“
Zumal die Südhessen nach dem Umbruch im Sommer noch lange nicht am Limit angelangt sind. „Es gibt viele Abläufe, die sich weiterhin entwickeln müssen. Wo man sich im Spiel noch besser kennenlernt. Das wird noch besser, versprochen. Mit jeder Woche, in der wir zusammenspielen.“
Am nächsten Wochenende wartet auf Will & Co. das Auswärtsspiel in Elversberg. Verbunden mit der Hoffnung, dass dann auch die Gesichter nach Abpfiff ausdrücken, was alle Lilien sehen wollen. Ein breites Siegerlächeln.