02.10.2026 / Business,Profis,Verein
„Gute Woche, von der wir auf vielen Ebenen profitieren“
Eine besondere Woche in Texas liegt hinter den Lilien. Erstmals in der Vereinsgeschichte bestritt der SV Darmstadt 98 ein Spiel auf US-amerikanischem Boden, gleichzeitig nutzten die sportlichen Akteure und Vereinsführung die Tage in San Antonio für zahlreiche sportliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Termine. Im Interview zieht Präsident Markus Pfitzner ein Fazit der Reise.
Markus, eine intensive Woche in San Antonio geht zu Ende. Wie fällt dein Fazit aus?
„Es war eine gute und wertvolle Woche für den SV 98 auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Wir haben bestehende Beziehungen vertieft, unser Netzwerk erweitert und viele neue Kontakte geknüpft und unseren Partnern einen echten Mehrwert geboten. Die Mannschaft hatte top Bedingungen, um gut zu arbeiten und als Team noch enger zusammenzurücken. Dazu kam das erste Spiel unserer Vereinsgeschichte in den USA. Es war eine außergewöhnliche Woche.“
Es war eine außergewöhnliche Woche.
Warum ist es für einen Verein wie den SV 98 überhaupt wichtig, solche Wege zu gehen?
„Wir wollen und müssen den SV 98 für die Zukunft gut aufstellen, diese Verantwortung besitzen wir gegenüber dem Verein, den Mitgliedern und den Fans. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Profifußball verändern sich und die TV-Erlöse stagnieren seit Jahren. Deshalb müssen wir selbst neue Möglichkeiten schaffen und innovativ arbeiten. Unsere Kooperation in San Antonio ist nur eines von vielen Beispielen dafür. Erwähnt seien hier unter anderem unsere zahlreichen Maßnahmen im Breiten- und Amateurfußball oder auch unsere Odenwald-Kampagne. Mit Blick auf unsere Reise in die USA geht es nicht darum, auf Teufel komm raus international sichtbar zu werden, sondern dort Chancen zu nutzen, wo sie wirklich zu uns und unserem Verein passen.“
Du sprichst das Netzwerk an. Wie konkret kann der SV 98 von solchen Verbindungen profitieren?
„Wir haben in den vergangenen Jahren eine Beziehung zu San Antonio aufgebaut, die längst weit über den Fußball hinausgeht. Das haben die vergangenen Tage sehr anschaulich gezeigt. Rund um unsere Reise und das Freundschaftsspiel ist beispielsweise eine Darmstädter Wirtschaftsdelegation mit mehr als 20 Teilnehmern nach San Antonio gekommen. Unser Besuch und das Spiel waren der Aufhänger für diese Reise. Wenn dadurch Menschen und Unternehmen aus Darmstadt mit Entscheidern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Texas zusammenkommen, zeigt das, welche verbindende Kraft der Fußball entwickeln kann. Und es zeigt auch, dass wir uns als SV 98 eine Position erarbeitet haben, in der wir – und das betone ich bewusst – als Zugpferd fungieren können.“
Was hat die Reise San Antonio in dieser Hinsicht von einer klassischen Internationalisierungsreise unterschieden?
„Dass diese Verbindung nicht am Reißbrett entstanden ist. Darmstadt und San Antonio verbindet seit vielen Jahren eine Städtepartnerschaft, aus der heraus immer mehr Kontakte entstanden sind. Seit zwei Jahren arbeiten wir mit Spurs Sports & Entertainment und dem San Antonio FC zusammen. Es gab gegenseitige Besuche, Austausch auf Jugend- und Trainerebene, gemeinsame soziale Projekte – und jetzt erstmals den Besuch unserer Profimannschaft. Wir sind hier deshalb weniger auf einer klassischen Marketingreise, sondern tatsächlich zu Besuch bei Freunden.“
Wir sind hier deshalb weniger auf einer klassischen Marketingreise, sondern tatsächlich zu Besuch bei Freunden.
Welche Rolle spielen dabei die Partner des SV 98?
„Wenn wir uns als Verein weiterentwickeln wollen, gehört dazu auch, Partnerschaften mit Unternehmen aufzubauen, die international tätig sind. Diese Partner müssen wir entsprechend gut bedienen können. Focused Energy ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in Darmstadt und gleichzeitig einen Standort in Austin. Im Rahmen dieser Reise haben wir das dortige Office besucht und Focused Energy in die Wirtschaftsdelegation eingebunden. Das Unternehmen hat bei der Reise als Main Partner fungiert, das unterstreicht auch den wirtschaftlichen Mehrwert dieser internationalen Reise für unsere Partner. Ein weiteres Beispiel ist Ausrüster CRAFT, dessen US-Standort durch das Netzwerk der Lilien unter anderem von Jugend- & Community-Aktivierungen in San Antonio profitiert.“
Gleichzeitig war die Mannschaft eine Woche weit weg vom gewohnten Trainingsalltag. Was nimmt das Team sportlich aus Texas mit?
„Sehr viel. Wir haben die Chance vor Ort genutzt, um auf und neben dem Platz Fortschritte zu machen. Die Mischung war aus meiner Sicht genau richtig: intensive und fokussierte Trainingseinheiten auf der einen Seite, gemeinsame Erlebnisse und Teambuilding auf der anderen. Wenn eine Mannschaft eine solche Reise gemeinsam erlebt, so viel Zeit miteinander verbringt und dabei auch Erfahrungen außerhalb des normalen Ligaalltags sammelt, schweißt das zusammen. Das empfinde ich gerade für das neuformierte Team nach dem schlechten Saisonstart als extrem wichtig. Mein Eindruck ist: Die Mannschaft ist in dieser Woche noch enger zusammengerückt und wir kommen als Team stärker nach Darmstadt zurück.“
Was bleibt für dich persönlich von dieser Woche?
„Vor allem das Gefühl, dass aus einer Idee inzwischen etwas sehr Greifbares entstanden ist. Wir werden hier in San Antonio wie Freunde empfangen. Dass wir nun erstmals mit unserer Mannschaft hier waren und gegen unseren Partnerverein San Antonio FC spielen konnten, war der nächste große Schritt. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass diese Verbindung Menschen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zusammenbringt. Das kann in der Form nur der Sport.“