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09.10.2022 / Allgemein

Hessische Hürdenläufer

Nein, ein Offensivspektakel bot sich den 15.850 Fans am Samstagnachmittag im Merck-Stadion am Böllenfalltor nicht. Sowohl der SV Darmstadt 98 als auch die Düsseldorfer Fortuna waren im Vorfeld taktisch hervorragend auf ihren Kontrahenten eingestellt worden. Das Resultat: Starke Abwehrreihen, ein verdichtetes Mittelfeld, viele Zweikämpfe. Was für den einen oder anderen Außenstehenden langweilig erscheinen mag, verdeutlicht bei näherem Hinsehen aber die Reife, mit der sich zwei gut in die Saison gestartete Mannschaften präsentierten. Und die Bereitschaft, Herausforderungen anzunehmen und Dinge anzupassen. Dem SV 98 stellen sich in jüngerer Vergangenheit viele Hürden in den Weg, dennoch findet die Mannschaft um Trainer Torsten Lieberknecht Lösungen und Antworten.

Auch die Begegnung mit der Fortuna offenbarte einmal mehr den Reife- und Lernprozess bei den Lilien.

Stabilität bei Führungen

Hieß es vor wenigen Spieltagen noch, die Südhessen könnten keine Führungen mehr über die Zeit bringen, wurde nun in drei aufeinanderfolgenden Begegnungen das Gegenteil bewiesen. Gegen Nürnberg brachte der SVD einen Zwei-Tore-Vorsprung souverän nach Hause, bei formstarken Paderborner rettete man mit viel Fleiß, Leidenschaft und vereinten Kräften ein 2:1 über die Ziellinie und gegen Düsseldorf verteidigte man bis zum Schluss alle Angriffsversuche routiniert weg. Die Stabilität ist Ergebnis vieler Team- und Einzelgespräche, gemeinsamer Analysen und Erkenntnisse. Marcel Schuhen: „Bei uns ging es heute auch darum, dass sich die fußballerisch sehr guten Spieler aufopfern und extreme Defensivarbeit verrichten. Das hat sehr gut funktioniert.“ Der SV 98 ist bemüht, sich zu verbessern und weiterzuentwickeln. Das geht möglicherweise hier und da zu Lasten der Attraktivität, zeigt aber auch die Priorisierung bei der Truppe von Torsten Lieberknecht…

Die Lust am Verteidigen

Hatte man in der Phase zwischen Ende August und Mitte September noch sechs Gegentore in drei Spielen kassiert, ließ man in den vergangenen drei Begegnungen lediglich einen Treffer zu. Am Samstag sah Düsseldorfs Trainer Daniel Thioune im ersten Durchgang bei seiner Mannschaft „wenig bis gar keine Torchancen“, auch im zweiten Spielabschnitt hatte er „keine klaren, hundertprozentigen Torchancen“ bei den Gästen wahrgenommen. Lieberknecht: „Selbst die diejenigen in der Mannschaft, deren Kernkompetenz nicht das Verteidigen ist, finden auch Lust daran, solche Spiele ohne Gegentor und mit einem Sieg zu beenden.“ Und sein Torwart ergänzte: „Wir haben es geschafft, unseren Stiefel herunterzuspielen. Es wäre fatal gewesen, zu große Räume aufzumachen oder Harakiri zu spielen.“

Taktische Antworten auf Verletztenmisere

Andernorts wäre das Hadern mit den zahlreichen Ausfällen sicherlich unüberhörbar gewesen. Für das Düsseldorf-Spiel fielen beim SV 98 mit Oscar Vilhelmsson, Fabian Schnellhardt, Klaus Gjasula, Mathias Honsak, Alexander Brunst und André Leipold gleich sechs Akteure verletzungs- oder krankheitsbedingt aus. Im Mediengespräch vor dem Aufeinandertreffen am Donnerstag (6.10.) verkündete Lieberknecht aber nur nüchtern: „Wir bleiben positiv, lamentieren nicht und schenken den Jungs unser Vertrauen. Zudem müssen wir kreativ bleiben, wie wir ausfallende Spieler ersetzen.“ Wie, das zeigte sich am Samstagmittag: Darmstadt stellte auf eine Viererkette mitsamt Raute um, verdichtete damit die Zentrale und stärkte so die eigene Kompaktheit. Trotz teilweise namhafter Ausfälle waren die 98er gegen Düsseldorf die insgesamt aktivere Mannschaft, ohne aber Chancen am Fließband zu erspielen. Wer angesichts der derzeitigen Ausfälle aktuell aber erwartet, dass die Lilien spielerisch durch die Partien gleiten wie das warme Messer durch die Butter, muss sich fragen, ob man diese eine Hürde in der aktuellen Situation nicht doch ein paar Meter zu weit in die Höhe getürmt hat.

Nüchternheit und Gelassenheit

All das führt dazu, dass der SV 98 nach nun elf Spieltagen bereits 24 Saisonzähler angehäuft hat. Die Lilien sind damit gut aus den Startblöcken gekommen – und wie bei einem Hürdenlauf auch war man zunächst darauf konzentriert, sich auf den eigenen Start zu fokussieren. Nach den ersten absolvierten Saisonmetern besteht nun die Möglichkeit, kurz den Kopf hochzunehmen und nach links und rechts zu blicken, um zu schauen, wo im Feld man sich positioniert hat. Ergebnis: Durch die hervorragende Punktausbeute mischt man in den vorderen Tabellenregionen mit. Logisch, dass bereits nach knapp einem Drittel die üblichen, vorhersehbaren Fragen nach Ambitionen, Anwärtern und anderen A-Wörtern kommen. Die Lilien wehren sich nicht gegen externe Zuschreibungen und Attribute, das wurde auf der Pressekonferenz nach Spielende klar. Gelassenheit mit dem tabellarischen Umgang herrscht am Böllenfalltor vor. Man weiß um die hervorragende Punktezahl, den Kopf davon verdrehen lässt man sich aber nicht. Das ausbleibende verbale auf die Brust trommeln wird zwar in manchem Funkhaus oder Zeitungsverlag süffisant als Tiefstapelei interpretiert, aber auch in der Saison 2022/23 gibt es keine tabellarischen Extra-Punkte für knallige Zitate.

Vielmehr richtete Lieberknecht den Fokus bereits auf den kommenden Gegner: Der Karlsruher SC ist an den ersten drei Spieltagen zwar noch nicht in den Tritt gekommen, hat seitdem aber ordentlich Meter gutgemacht. Die Badener gestalteten die beiden jüngsten Partien siegreich, empfangen den SV 98 also mit viel Selbstvertrauen. Doch auch diese knifflige Hürde wollen die Lilien bezwingen.

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