„Eine hochverdiente Niederlage“
Wir haben die Stimmen nach der deutlichen Auswärtsniederlage beim KSC zusammengefasst.
"Es ist ein ordentlicher Punkt. Und eine ordentliche Defensivleistung." Mit diesen beiden Sätzen fasste Torsten Lieberknecht nach Spielende das torlose Unentschieden seiner Mannschaft in Mönchengladbach zusammen. Nun kann das Wort "ordentlich" in der deutschen Sprache in unterschiedlichen Zusammenhängen und mit verschiedenen Bedeutungen genutzt werden. Lieberknecht dürfte das Adjektiv ganz bewusst gewählt haben. Denn eine Vielzahl der Verwendungsmöglichkeiten passte sehr gut zu dem Auftritt der Lilien im Borussia-Park. Und zu den zahlreichen Dingen, die der SV 98 mit auf die Rückfahrt nach Südhessen nehmen konnte.
„Positiv den Erwartungen entsprechend, anständig“, lautet eine der Bedeutungen dieses zunächst unscheinbaren, aber doch so inhaltsstarken Wortes. Der Punktgewinn der Lilien bei der Borussia aus Mönchengladbach fällt sicherlich in diese Kategorie. „Ein Punkt ist ein Punkt. Den musst du in der Bundesliga erstmal holen. Insbesondere auswärts“, erklärte daher auch Klaus Gjasula, bevor er anfügte: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Das war wichtig für uns.“
Grundlage für das erst zweite Zu-Null-Spiel der Saison war dabei insbesondere die Defensivleistung aller Lilien. Geordnet, systematisch und strukturiert. Diese Adjektive werden als sinnverwandt zu ordentlich geführt. Und alle drei lassen sich hervorragend nutzen, um das Abwehrverhalten der Darmstädter in Gladbach zu beschreiben. Selbst die frühzeitige verletzungsbedingte Auswechslung von Bartol Franjic sorgte für keine Unordnung bei den Südhessen, Andreas Müller fügte sich nahtlos ein.
Ein Punkt ist ein Punkt. Den musst du in der Bundesliga erstmal holen
Überhaupt fiel es im Nachgang schwer, eine Lilie aus dem Kollektiv hervorgehoben. Speziell angesprochen wurde Lieberknecht aber zumindest auf Startelf-Debütant Sebastian Polter und Marvin Mehlem, der erstmals nach seinem Wadenbeinbruch wieder in der Anfangsformation stand. Die Antwort des Cheftrainers? „Beide haben einen sehr ordentlichen Auftritt hingelegt.“
Da war es also wieder. Unser Lieblingswort des Tages. „Tüchtig sein“, ist laut Internet eine weitere Bedeutung von ordentlich. Ein Attribut, das sowohl Polter als auch Mehlem während ihrer Einsätze absolut verkörperten. Das Wort ordentlich lässt aber auch Luft nach oben. Sonst wäre es ein „sehr gut“ oder ein „hervorragend“. Dass die Lilien dieses Prädikat am 21. Spieltag nicht erreichten, lag speziell an der offensiven Durchschlagskraft, wie auch die Protagonisten nach Spielende betonten. „Wir hätten noch mehr und bessere Abschlüsse erspielen können“, bilanzierte Lieberknecht und Gjasula gab zu: „Wir hatten die eine oder andere Halbchance, dazu die gute Möglichkeit für Oscar Vilhelmsson. Das ist noch ausbaufähig.“
Grundsätzlich lässt der Punktgewinn von Mönchengladbach die Lilien aber positiv nach vorne blicken. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen“, erklärte Gjasula angesichts von nun 12 Zählern, Kapitän Fabian Holland nannte das 0:0 einen „Schritt in die richtige Richtung“. Natürlich wissen die Lilien, dass es weiterhin ein ganz weiter Weg bis zu einem möglichen Klassenerhalt ist. „Wir brauchen noch deutlich mehr Punkte“, resümierte Holland treffend, orakelte aber auch: „Was der heutige wert sein wird, werden wir dann am Saisonende sehen.“
Ausreichend. Auch mit dieser Bedeutung kann ordentlich verwendet werden. Mit Blick auf die Tabelle wäre „ausreichend“ am Saisonende gleichbedeutend mit einem Klassenerhalt. Doch um dieses Ziel zu erreichen, wird es viele weitere ordentliche Auftritte brauchen. Und einige, die sogar mehr als ordentlich sind. Solche, die schlussendlich für drei Punkte sorgen werden. Die nächste Aufgabe heißt VfB Stuttgart. Der Tabellendritte kommt am kommenden Samstag ins Merck-Stadion. Ein ordentliches Brett, das die Lilien dennoch bohren wollen.