Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
„Das Ergebnis ist in Ordnung. Auch, wenn ich das nicht gerne sage.“ Es waren diese zwei Sätze des Freiburger Cheftrainer Christian Streich, die perfekt zusammenfassten, was die Lilien an diesem Samstag im Breisgau erreicht hatten. Einen verdienten Punkt beim Sportclub, verbunden mit einer Weiterentwicklung in verschiedenen Bereichen und dem erneuten Beweis, wie wichtig jeder einzelne Spieler im Kader des SV 98 ist.
Frankfurt, Union Berlin, Leverkusen, Leipzig, Bayern. Gegen fünf international vertretene Teams hatten die Lilien in der bisherigen Saison und vor ihrem Gastspiel bei Europa-League-Teilnehmer Freiburg bereits gespielt. Alle fünf Begegnungen gingen schlussendlich verloren. Häufig begleitet von einem Lob der Gegenseite, das die Südhessen in der Tabelle aber selbstredend nicht voran bringt. Lob gab es nun auch in Freiburg (Streich: „Darmstadt ist fußballerisch gut und hat richtig Qualität“), aber eben auch einen wichtige Zähler, einen „guten Punkt“, wie es Torsten Lieberknecht nannte.
Gegen den Ball hatte der SV 98 die Freiburger mit einer kompakten Formation erwartet und das Anlaufverhalten gegenüber den vorherigen Spielen ein wenig nach hinten verlagert. Entsprechend verzeichneten die Südhessen im Schwarzwald vergleichsweise wenig hohe Ballgewinne, legten aber eine stabile Kompaktheit im Defensivverbund an den Tag und verteidigten mit Ausnahme des Gegentreffers sehr konzentriert und konsequent. „Wir haben es geschafft, die optische Überlegenheit der Freiburger in Schach zu halten“, bilanzierte Lieberknecht, während Fabian Holland die Weiterentwicklung der Darmstädter hervorhob: „Für Freiburg war es heute extrem schwer, sich klare Torchancen zu erspielen. In vielen Spielen zuvor hatte man das Gefühl, dass wir zwar gut stehen, es aber trotzdem nicht viel braucht, um gegen uns zu Möglichkeiten zu kommen. Das war heute viel besser.“
Insbesondere in den Luftzweikämpfen überzeugten die Lilien beim SCF, gewannen 57 Prozent dieser Duelle und gerieten so trotz der extrem hohen Anzahl an Flanken (18) und Ecken (11) nie in größere Gefahr, wie auch Lieberknecht feststellen durfte: „Wenn man die Vielzahl der Standards sieht und weiß, dass wir am Saisonbeginn gegen Union Berlin nur aufgrund der Standards verloren haben, dann sieht man, dass wir uns auch dort stabilisiert haben.“ Wieder so eine Form der Weiterentwicklung.
Dennoch gab es diese eine Szene in der 93. Minute. Freiburgs Eggestein kam nach einer der zahlreichen Flanken dann doch einmal zum Kopfball und bugsierte diesen gefährlich auf das Tor der Gäste. Die Fingerspitzen von Alexander Brunst verhinderten einen späten SCF-Treffer. Womit wir bei den personellen Geschichten des Spieltags angelangt wären. Im Kasten der Lilien feierte Brunst sein Bundesliga-Debüt („Ein wahrgewordener Kindheitsraum“) und vertrat den verletzten Marcel Schuhen nicht nur in der Nachspielzeit hervorragend. Und vorne erzielte Mathias Honsak seinen ersten Treffer im Fußball-Oberhaus. Mit Ausnahme von Morten Behrens und der Nachwuchsspieler Max Wendt und Fabio Torsiello haben alle Spieler in dieser Saison bereits den Bundesliga-Rasen betreten. 27 Lilien sind nach 12 Spieltagen zum Einsatz gekommen. Nahezu mantraartig wiederholt Lieberknecht immer wieder die Wichtigkeit eines jeden einzelnen Akteurs. Brunst, Honsak oder auch Seydel waren in Freiburg die neuesten Beispiele für den hohen Wahrheitsgehalt, der hinter den Aussagen des Cheftrainers steckt. „Bei uns sind alle Jungs heiß auf Einsätze, ob auf der Torhüterposition oder sonst wo auf dem Feld“, so Holland, der es zuvor gemeinsam mit seine Teamkollegen auch geschafft hatte, die verletzungsbedingte Auswechslung von Christoph Zimmermann (siehe Extrameldung) im Verbund aufzufangen und zu kompensieren.
Auch weit nach Abpfiff wurde dieses besondere Teamgefühl der Lilien noch einmal deutlich. Geschlossen wartete die Mannschaft in den Freiburger Katakomben auf die Rückkehr Zimmermanns aus dem Krankenhaus, um mit voller Mannstärke die Rückreise nach Südhessen anzutreten. Mannschaftlich geschlossen. Auf, aber auch abseits des Spielfelds. Der SV 98 wird diese Tugenden auch in den kommenden Wochen brauchen. Bereits am Freitagabend (1.12./20.30 Uhr) empfängt das Lieberknecht-Team den 1. FC Köln im Merck-Stadion. „Dann wird es darauf ankommen, welche Mannschaft es unbedingt will“, prophezeite Brunst mit Blick auf den anstehenden Flutlichtabend. Das Spiel in Freiburg hat aber definitiv gezeigt, dass der SV 98 mit breiter Brust in die Partie gehen kann.