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05.03.2023 / Profis

Standhaft

Als die Lilien zuvor letztmalig ein Liga-Spiel verloren hatten, war noch T-Shirt-Wetter angesagt. Christoph Zimmermann kickte für Norwich City und an der Haupttribüne waren zum damaligen Zeitpunkt nicht alle Sitze angebracht. Frankreich durfte sich noch Fußball-Weltmeister der Herren nennen, während die Fußball-WM der Frauen in vollem Gange war. Der Samstagabend in Heidenheim fühlte sich daher irgendwie ungewohnt an. Der SV 98 bekam erstmals seit knapp acht Monaten wieder das Gefühl einer Niederlage in der 2. Bundesliga zu spüren. Dennoch wurde deutlich: Die Darmstädter, sie wurden zwar besiegt und doch längst nicht umgehauen.

Foto: Stefan Holtzem

“Das Gefühl ist nicht wirklich gut. Die Enttäuschung ist natürlich da”, gestand Marcel Schuhen kurz nach Abpfiff. Die Lilien hatten sich selbstverständlich mehr erhofft. Doch fanden die Heidenheimer schließlich einen Weg, dieses komplizierte Spiel zu gewinnen und den Abwehrverbund der Südhessen in diesem einen entscheidenden Moment zu durchbrechen. Eine Spezialität der Mannschaft aus Baden-Württemberg in dieser Saison, die vor allem durch ihre Effektivität und noch mehr durch ihre enorme Heimstärke zu überzeugen weiß. 27 Punkte sammelte der FCH vor heimischer Kulisse, die Ausbeute wuchs nach den 90 Minuten gegen den SV 98 auf 30 Zähler an. In dieser Spielzeit noch ohne Niederlage in der Voith-Arena, haben die Heidenheimer ohnehin seit über 300 Tagen zuhause nicht mehr verloren. Und fast hätten die Südhessen die massiven Verletzungssorgen (nur 18 Spieler standen im Kader) erneut kompensieren können.

Umkämpft. Umkämpfter. Spiele in Heidenheim.

Wie schwierig diese Duelle an der Ostalb sind, bekäme alle zwei Wochen jedes Zweitliga-Team hier zu spüren, betonte Fabian Holland. “Obwohl man in Heidenheim auch einmal verlieren kann, ist das späte Gegentor sicherlich besonders bitter”, führte der Kapitän der 98er weiter aus. Und doch nahmen er und seine Darmstädter Kollegen den Kampf an. Sie zeigten Einsatz und Leidenschaft, legten zudem die nötige Intensität an den Tag. Dinge, die auch Schuhen lobend anmerkte: “Wir haben auch heute alles rausgehauen, die Einstellung hat gepasst.” Was jedoch fehlte, war die Durchschlagskraft in der Offensive. Falsche Entscheidungen rund um den gegnerischen Sechzehner führten dazu, dass sich die Lilien nur wenig Tormöglichkeiten erspielen konnten. Das erkannten auch die Spieler in den blau-weißen Trikots auf dem Feld und “wollten daher auf jeden Fall die Null halten”, wie Schuhen erklärte. “Das hat leider nicht funktioniert. Heidenheim hat es aber auch gut gemacht, das muss man dann auch anerkennten”, bilanzierte der Torhüter, der auf fremden Platz erstmals seit dem vergangenen Oktober wieder ein Gegentor schlucken musste.

Serie gerissen: Trauer? Fehlanzeige!

Damit ist sie nun gerissen, diese unglaubliche Serie des SV Darmstadt 98. 21 Ligaspiele blieben die Lilien in Folge ungeschlagen. Eine längere Erfolgsserie suchte man in dieser Spielzeit in allen drei deutschen Profiligen vergeblich. Zudem gelang es den Südhessen, in all diesen 21 Duellen immer mindestens einen Treffer zu erzielen. Lange musste sich die Mannschaft mit dieser aufgetürmten Serie auseinandersetzen – und doch punktete sie Wochenende für Wochenende. Bis Samstagabend. Doch diesen beeindruckenden Zahlen lange nachtrauern? Das passt nicht zur Natur dieser Darmstädter Mannschaft. Genau wie sie die erfolgreichen Spiele schnell hinter sich ließ, so wollte sie sich auch am Samstagabend nicht länger als nötig mit der Niederlage aufhalten.

Schon in den Katakomben der Voith-Arena merkte man den Worten der Darmstädter Protagonisten an, dass sie die Pleite in Heidenheim nicht aus der Bahn werfen werde. “Das Spiel wird uns überhaupt nicht umhauen. Wir werden nächste Woche wieder da sein”, verdeutlichte Kapitän Holland stellvertretend für die gesamte Mannschaft. Denn Mut macht ihm dabei vor allem der Umgang mit Niederlagen in der laufenden Saison: Einem 0:2 in Regensburg folgte die richtige Antwort inklusive des Aufbaus dieser langen Ungeschlagen-Serie. Dem Ausscheiden im DFB-Pokal schloss sich ein Heimsieg gegen Braunschweig an. Torsten Lieberknecht: “Wir haben nach Regensburg und nach Frankfurt eine gute Reaktion gezeigt. Das wird meine Mannschaft sicherlich wieder tun.“

Standhaft bleiben

Die Köpfe also hängen lassen? Fehlanzeige. Auch der Cheftrainer des SV 98 richtete den Blick sofort wieder nach vorne: “Wir haben jetzt ein Spiel verloren, aber weiter geht’s.” Gute Mannschaften zeichnet es schließlich aus, im Falle der Niederlage anschließend die richtige Reaktion zu zeigen und eben im Spiel danach wieder zu punkten. Genau das wollen die Lilien nächstes Wochenende. Der Weg dieser 2. Bundesliga führt sie am kommenden Samstag (11.3./13 Uhr) zum Bundesliga-Absteiger Arminia Bielefeld. Dort will der SV Darmstadt 98 zeigen, dass er in Heidenheim zwar besiegt, doch längst nicht umgehauen wurde.

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