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04.02.2024 / Profis

Waagschale

Kurz vor Anpfiff. Heimkabine im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Spieler und Trainerteam stehen vereint zusammen, formen einen großen Mannschaftskreis. Sie blicken sich in die Augen, schwören sich ein. Und sie sagen sich, dass sie nach den 90 Minuten gegen Bayer 04 Leverkusen genau so wieder zusammenkommen wollen – draußen aufm Platz, sich dann erneut in die Augen schauen. “Haben wir alles, was in unserer Macht steht, getan?” Diese Frage mit “Ja” zu beantworten, ist das Ziel, was sich die Lilien schon in der Heimkabine im Mannschaftskreis setzen.

Foto: Stefan Holtzem

Die gesamte Bundesliga probierte es – Leipzig und Mönchengladbach sogar schon zweimal in dieser Saison. Teutonia Ottensen sowie Sandhausen und Paderborn versuchten es im DFB-Pokal. Auf europäischer Ebene forderten sowohl das aserbaidschanische Team von Qarabag Agdam als auch die Norweger vom FK Molde und BK Häcken aus Schweden die Werkself gleich in Hin- und Rückspiel heraus. Doch niemandem gelang es: Seit 28 (!) Pflichtspielen war Bayer Leverkusen vor dem Duell im Merck-Stadion am Böllenfalltor unbesiegt, spielte dabei nur viermal Unentschieden (gegen Bayern München, Dortmund, Stuttgart, Gladbach) und gewann die restlichen 24 Partien.

Und auch der SV Darmstadt 98 konnte die Truppe von Cheftrainer Xabi Alonso nicht stoppen. Das 2:0 aus Leverkusener Sicht war am Samstagnachmittag das 29. ungeschlagene Spiel in Folge für die Werkself. “Wir haben heute wahrscheinlich gegen den neuen Deutschen Meister verloren”, sagte daher auch Torsten Lieberknecht nach der Niederlage gegen das bisherige Nonplusultra dieser Bundesliga-Spielzeit. Das 0:2 aus Darmstädter Sicht sieht vor all diesen Gesichtspunkten standesgemäß aus, wenn das aktuelle Schlusslicht der Tabelle gegen den Spitzenreiter antritt. “Aber das ist nicht die komplette Wahrheit des Spiels”, betonte Christoph Zimmermann.

Die Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen. Ich werde kein schlechtes Wort über meine Mannschaft verlieren. Dafür hatten wir heute zu viele gute Situationen und taktische Dinge, die mir gefallen haben.

Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem Leverkusen-Spiel

Zurück in den Mannschaftskreis – in diesen nach Abpfiff, in welchem sich Spieler und Trainerteam wieder in die Augen schauten. Und dort die eingangs gestellte Frage mit “Ja” beantworteten. “Die Mannschaft hat alles in die Waagschale geworfen”, erklärte Lieberknecht auf der anschließenden Pressekonferenz, um dann weiter klarzustellen: “Ich werde kein schlechtes Wort über meine Mannschaft verlieren. Dafür hatten wir heute zu viele gute Situationen und taktische Dinge, die mir gefallen haben.” Gerade in der ersten Halbzeit bespielte der SV 98 dank guten Ballgewinnen immer wieder die tiefen Räume, die die Leverkusener Hintermannschaft ihnen anbot. “Wir hatten gute Möglichkeiten”, unterstrich auch Zimmermann in seinem Fazit über die ersten 45 Minuten am Böllenfalltor. Die Lilien investierten viel, hielten gegen den Liga-Primus gut dagegen und legten einen mehr als ordentlichen Auftritt hin.

Das alles warfen die Darmstädter also in die Waagschale des 20. Bundesliga-Spieltags. Doch überwog die Qualität der mit Nationalspielern gespickten Mannschaft von Bayer Leverkusen und ließ das Pendel zugunsten der Werkself ausschlagen. Den Südhessen fehlte dagegen wie schon in der Vorwoche bei Union Berlin der letzte Punch in der Offensive sowie in der Defensivarbeit das letzte Quäntchen, um auch die beiden Gegentreffer gegen Tella, Grimaldo, Wirtz und Co. zu verhindern. “Insgesamt hätten wir an so einem Tag gegen so eine Mannschaft einfach noch mehr überstehen und vorne die Dinger, die wir hatten, besser nutzen müssen”, bilanzierte Fabian Holland.

Noch ist alles drin - aber es müssen Punkte her

Nach der Niederlage von Mainz 05 (punktgleich mit dem SV 98) und dem Sieg des 1. FC Köln trennen den Sportverein aus Darmstadt nun vier Zähler vom Relegationsplatz. Ein Abstand, der schaffbar ist – wenn man denn nun damit beginnt, dem Gegner nicht nur Paroli zu bieten und alles abzuverlangen. Sondern diese Leistungen auch in Zählbares ummünzt. Lieberknecht unterstrich: “Wir bleiben optimistisch und beharrlich.” Denn schon im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach (10.2./15.30 Uhr) wollen die Lilien die angesprochenen Kritikpunkte besser machen, um sich ob ihrer Leistung nicht nur ins Gesicht schauen zu können, sondern auch um Zählbares einzufahren.

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