Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
Er gehört normalerweise zum festen Ablauf eines jeden Lilienspiels. Der geschlossene Mannschaftskreis nach Abpfiff. Nach Siegen. Nach Unentschieden. Nach Niederlagen. In München wurde allerdings auf dieses Oval aus Spielern, Trainern und Staffmitgliedern verzichtet. Weil Torsten Lieberknecht sofort alle Darmstädter in die Kurve schickte. Zu den mehr als 6000 mitgereisten Fans. Und ihrer Botschaft, die singend aus dem Oberrang der Allianz Arena auf den Rasen trugen.
„Ich habe gemerkt, dass die Fans den wichtigeren Teil hatten heute“, erklärte Lieberknecht später seinen Verzicht auf die eigene Ansprache und den damit verbundenen direkten Gang zu den Supportern. „Es war sehr wertschätzend, was sie gemacht haben. Sie haben uns den Zuspruch gegeben, den wir auch gebraucht haben.“
Auch Marcel Schuhen hob die Reaktion der Anhängerschaft hervor, sprach von einem „sehr guten Fingerspitzengefühl“ und fügte einordend hinzu: „Die Fans haben gesehen, was wir in der ersten Halbzeit gemacht haben und auch, dass es mit unseren Mitteln in der zweiten Halbzeit sehr schwierig war. Auch, wenn acht Tore viel zu viele sind.“ Natürlich schmerzte das Ergebnis von 0:8 nicht nur die beteiligten Akteure, sondern auch die südhessischen Unterstützer auf den Rängen. Doch es ist ein Teil des Darmstädter Weges, in der Niederlage auch das Positive zu erkennen. In München waren das zweifelsohne die ersten 45 Minuten.
„Wir waren sehr mutig“, fasste Lieberknecht passend zusammen, was seine Elf von Beginn an dem Rekordmeister entgegengebracht hatte. Der Platzverweis gegen Joshua Kimmich nach nur vier Minuten und als Folge einer Balleroberung Marvin Mehlems war nur die erste von zahlreichen Situationen, in denen dem SV 98 hohe Ballgewinne gelangen. Immer wieder störten die blaugekleideten Gäste erfolgreich den Spielaufbau der Bayern und waren auch in Gleichzahl nach der Roten Karte gegen Klaus Gjasula streckenweise spielbestimmend und das aktivere Team. Eine unerwartete Spielentwicklung, die nach der weiteren Roten Karte gegen Matej Maglica allerdings eingebremst wurde. „Ich hätte das Spiel gerne in Gleichzahl weitergespielt“, lautete das wenig überraschende Statement Schuhens zur veränderten Personenanzahl auf dem Rasen, in deren Folge der Schlussmann und seine Vorderleute eine „grausame“ zweite Spielhälfte durchleben mussten. „Trotz Unterzahl darf so ein Ergebnis nicht passieren“, so Schuhen, der aber auch den Kontrahenten nicht außer Acht lassen wollte: „Die Bayern waren der mit Abstand beste Gegner, gegen den ich jemals gespielt habe und sie hatten heute bis zum Schlusspfiff die Gier, weitere Tore zu erzielen.“ Und so musste Darmstadts Nummer eins satte acht Mal hinter sich greifen.
„Ich habe mit meiner Mannschaft mitgelitten“, verriet daher auch Lieberknecht, schlug gleichzeitig aber schon zukunftsorientierte Töne an: „Wir sind selbstbewusst herkommen, und werden trotz der Niederlage auch selbstbewusst nach Hause fahren.“ Weil sich trotz der Klatsche eben einmal mehr die Erkenntnis mitnehmen lässt, dass die Lilien mit ihrer mutigen Spielweise jedem Gegner Probleme bereiten können. „Wir werden den Weg weitergehen“, versprach Schuhen und fügte an: „Mit Bochum wartet nun ein ganz anderes Spiel.“
Generell entsteht im bisherigen Saisonverlauf ein wenig der Eindruck einer „Liga innerhalb der Liga“ (Schuhen), angesichts der regelmäßigen, teilweise deutlichen, Erfolge der Topteams gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte. Nun empfangen die Lilien also mit Bochum einen Gegner auf tabellarischer Augenhöhe, ein Kontrahent, den der SV 98 als große Gemeinschaft besiegen möchte. Der Darmstädter Schlussmann betonte daher: „Gegen Bochum und auch gegen Mainz werden wir unsere Fans zu einhundert Prozent brauchen.“
Dann hoffentlich wieder als antreibende Unterstützer während des Spiels und nicht als aufbauende Tröster nach Spielende.