Widget
03.03.2025 / Profis

Analyse: Das 60:30-Verhältnis in Magdeburg

Über 60 Minuten bot der SV Darmstadt 98 eine überzeugende Auswärtsleistung. Weil die Lilien in den letzten 30 Zeigerumdrehungen der Partie aber einen ganz schwachen Auswärtsauftritt hinlegten, reichte eine halbe Stunde für starke und konsequente Elbestädter aus, um aus einem 0:1 noch ein 4:1 zu machen. Wir blicken in unserer Analyse auf den Knackpunkt der Partie sowie die Gründe der Niederlage des SV 98 beim 1. FC Magdeburg.

Foto: SV 98

Szene des Spiels:

Das 1:1 und dessen Folgen. Ja, irgendeiner im orangenen Trikot hätte es ziehen müssen. Das taktische Foul. Irgendwo in Höhe der Mittellinie, spätestens vor dem eigenen Sechzehner. Möglichkeiten, den Angriff des 1. FC Magdeburg vor dem Ausgleich durch Xavier Amaechi in der 56. Minute zu unterbinden, gab es zuhauf. Denn nach einer eigenen Offensivaktion der Darmstädter kam es zum Knackpunkt der Partie: Livan Burcu nahm bereits in der Magdeburger Hälfte das Dribbling auf, konnte nahezu ungehindert bis zur Strafraumgrenze des SV 98 durchbrechen, um den Ausgleichsschützen zu bedienen. Dabei hätten mindestens drei, vier Lilien den Dribbler stoppen können. Aber: die Konsequenz in dieser Szene war leider nicht vorhanden. Und eine Gelbe Karte aufgrund eines taktischen Fouls wurde nicht in Kauf genommen.

Ein Gegentor mit Folgen. Ein Gegentor, welches die Lilien aus der Bahn warf und den FCM mit reichlich Oberwasser versorgte. Während die Lilien die Ordnung verloren, blieb Magdeburg auf dem Gaspedal und in der Konsequenz. „Warum wir am Ende so auseinanderfallen, ist schwer zu erklären“, ärgerte sich Andreas Müller. Nach dem Ausgleichstreffer fingen sich die Darmstädter schließlich noch drei weitere und viel zu einfache Gegentore, die eine deutliche 1:4-Niederlage besiegelten, welche jedoch nach den ersten 60 Minuten wohl weder die Darmstädter Gäste noch die Magdeburger Gastgeber für möglich hielten.

Das lief gut:

Die ersten 60 Minuten. Brutal und wirklich gut. Herausragend. So ordneten die südhessischen Protagonisten eben jene Stunde in Magdeburg ein. Schon im ersten Durchgang legten die Darmstädter einen bärenstarken Auftritt hin. Sie zeigten sich nach Standardsituationen gefährlich, auch aus dem Spiel heraus konnten die Lilien immer wieder gefährlich vor den gegnerischen Kasten durchspielen. Der perfekt herausgespielte Treffer zum 1:0 durch Fraser Hornby (29.) war dabei nur folgerichtig. Für weitere Tore hatten die Südhessen genügend Chancen– sowohl in der ersten Halbzeit als auch in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel.

Defensiv ließen die Darmstädter derweil wenig bis gar nichts anbrennen. Die sonst so spielstarken Magdeburger, die vor dem Anpfiff bereits 48 Saisontore auf dem Konto hatten und damit die zweitstärkste Offensive der Liga stellten, ließ der SV 98 nicht zur Entfaltung kommen. „Wir haben bis zum 1:1 wirklich gut und kompakt verteidigt und die Magdeburger auch ein wenig zur Weißglut getrieben“, lobte Marcel Schuhen den Defensivverbund seiner Mannschaft. Magdeburg gehöre zu den offensivstärksten Mannschaften der Liga, sagte Kohfeldt: „Und wir verteidigen 60 Minuten lang eigentlich alles weg.“

Zitat des Tages

Wir haben 60 Minuten eine herausragende Auswärtsleistung geboten. Dann haben wir 30 Minuten eine ganz schwache Auswärtsleistung gezeigt. Die letzte halbe Stunde war richtig schlecht. Und ein Fußballspiel dauert eben 90 Minuten.

Florian Kohfeldt

Das lief nicht gut:

Die fehlende Ordnung in den letzten 30 Minuten. Vieles, was der SV Darmstadt 98 in den ersten 60 Minuten im Defensivverbund richtig machte, ließ er nach dem Ausgleichstreffer schmerzlich vermissen. „Wir wollten keinen wilden Fußball spielen“, erklärte Marcel Schuhen: „Aber nach dem 1:1 wurde es wild. Das war nicht der Plan. Und zwar zurecht, weil wir dann ja gesehen haben, was passiert.“ Der SV 98 habe die Ordnung verloren, so der Schlussmann. Dadurch ließ man dem FCM große Räume für dessen gefährliches und schnelles Kombinationsspiel. Auch Kohfeldt unterstrich dies: „Der Mannschaft muss ich den Vorwurf machen, dass wir nach dem 1:1, das bereits ein individueller Fehler war, die Ordnung verloren haben. Und dann ist eine Mannschaft wie Magdeburg in der Lage, so etwas auch zu bestrafen.“   

Dass der 1. FC Magdeburg in seiner aktuellen Verfassung ein klarer Aufstiegsfavorit ist, betonte Kohfeldt schon auf der Pressekonferenz vor dem Duell. Mit nun 41 Punkten sind die Elbestädter im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg voll dabei und liegen auf dem Relegationsplatz. Vier Heimtore gegen die Lilien ließen die Magdeburger zudem zur besten Offensive der Liga werden. Ja, der 1. FC Magdeburg hat enorme Qualitäten. Doch die Darbietung der Lilien in der letzten halben Stunde machte es dieser Mannschaft auch viel zu einfach. „Wenn du so ein Team ins Rollen kommen und es machen lässt, wird es extrem schwierig.“ So der Tenor der Darmstädter nach Abpfiff. Denn leider genau das taten die Lilien in den letzten 30 Minuten: Die Ordnung verloren, ein wildes Spiel zu- und dem FCM ein großes Feld überlassen. Die Schuld suchten die Darmstädter daher bei sich, auch wenn das 1:4 am Ende natürlich sehr hoch ausfiel. „Doch das haben wir uns aufgrund der letzten halben Stunde selbst zuzuschreiben“, monierte Cheftrainer Kohfeldt.

Die fehlende Konsequenz in den ersten 60 Minuten. 14 eigene Torschüsse – davon gleich so einige Hochkaräter. Auf der Gegenseite 16 Abschlüsse des FCM. Eine Statistik, die aus Lilien-Sicht nicht gerade wie eine 1:4-Niederlage ausschaut. Ja, in dem folgenden Satz ist viel Konjunktiv dabei: Aber hätten die Darmstädter ihre Chancen konsequent genutzt, hätte es gut und gerne auch 3:0 oder 4:0 stehen können. Vor allem nach dem Seitenwechsel kamen die in Orange gekleideten Gäste gleich mehrmals gefährlich vor den gegnerischen Kasten. „Wenn du da das 2:0 machst und den Gegner damit killst, wird es für Magdeburg schwierig, nochmal zurückzukommen“, betonte Andreas Müller sichtlich enttäuscht in den Katakomben der Magdeburger Arena. Den Lilien fehlte aber genau diese Konsequenz, die jedoch die Hausherren auf der Gegenseite zum Darmstädter Leidwesen an den Tag legten. Der FCM spielte seine Angriffe konsequent aus, blieb auf dem Gaspedal und machte die Tore. „Wir hätten das Spiel auch für uns entscheiden können, das haben wir nicht gemacht“, so Kohfeldt. Genau darin lag am Sonntag der große Unterschied.

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Magdeburg-Spiel
29.10.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Magdeburg-Spiel

Anlässlich des 10. Spieltag empfangen die Lilien den 1. FC Magdeburg im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Während die Lilien vor heimischer Kulisse ihre Punkte sammeln, überzeugen die Gäste vor allem mit ihrer Offensivstärke und gefährlichen Kontern. Welche Zahlen vor dem Duell besonders interessant sind und was beide Teams auszeichnet, erfahrt Ihr in unseren Zahlen & Fakten.

Überzeugung und Pokal-Magie
28.10.2026

Überzeugung und Pokal-Magie

Florian Kleinhansl musste ein wenig schmunzeln, als er nach dem Spiel auf die Statistiken des vorherigen Pokalfights angesprochen wurde. „Für uns hat heute nur eine Statistik gezählt. Und in der haben wir gewonnen“, so der 26-Jährige nach dem überraschenden 2:0 des SV 98 beim Tabellenachten der Bundesliga. Ein Coup, der den Lilien viel abverlangte. 18 Ecken verbuchten die Gastgeber, 26 Torschüsse und 74 Prozent Ballbesitz. Und doch prangte am Ende ein Auswärtssieg der Südhessen auf der Anzeigetafel im Saarland.

„Das war ein Sieg der Leidenschaft“
27.10.2026

„Das war ein Sieg der Leidenschaft“

Kampf, Hingabe, Effizienz, ein überragender Marcel Schuhen und auch die nötige Portion Glück. Das waren die Zutaten für den Pokal-Coup der Lilien gegen die SV Elversberg. Die Protagonisten waren hinterher überglücklich, sich gegen den favorisierten Bundesligisten das Weiterkommen erkämpft zu haben.

Achtelfinale! Lilien erkämpfen sich Weiterkommen
27.10.2026

Achtelfinale! Lilien erkämpfen sich Weiterkommen

Mit großer Hingabe das Ticket für die nächste Runde gelöst! Die Lilien belohnen sich für einen riesigen Kampf und unfassbare Defensivarbeit mit dem Achtelfinale. 2:0 (1:0) heißt es bei der SV Elversberg nach 90 intensiven Minuten, in denen die Südhessen leiden mussten, aber sich mit aller Macht gegen das Elversberger Powerplay stemmten. Kehl und Smit vergoldeten effektive Darmstädter für ihre Leistung.

Fünf Änderungen im Team
27.10.2026

Fünf Änderungen im Team

In der 2. Runde des DFB-Pokals gastieren die Lilien bei der SV Elversberg. Florian Kohfeldt verändert sein Team auf fünf Positionen. Christopher Lannert, Florian Kleinhansl, Nicolas Verkooijen, Lance Duijvestijn und Hojae Lee starten für William Mikelbrencis, Noah Weißhaupt, Hiroki Akiyama, Marco Richter und Fynn Lakenmacher. Richter fehlt mit leichten Oberschenkelproblemen im Kader.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Pokalspiel gegen Elversberg
27.10.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Pokalspiel gegen Elversberg

Am Dienstagabend gastiert der SV 98 in der 2. Runde des DFB-Pokals bei der SV Elversberg. Was sagen die beiden Cheftrainer vor dem Anpfiff? Wer leitet die Partie und wo könnt Ihr das Pokalduell live verfolgen? Alle wichtigen Infos zum Spiel gegen die Saarländer haben wir Euch wie gewohnt in unserem Format „Matchday kompakt“ zusammengestellt.

Elversberg im Gegnercheck
27.10.2026

Elversberg im Gegnercheck

DFB-Pokal, Runde zwei: Am Dienstagabend (27.10.) ist der SV Darmstadt 98 beim SV Elversberg gefordert. Die Gastgeber haben in wenigen Jahren einen bemerkenswerten Weg zurückgelegt. Wo an der Kaiserlinde einst Regionalliga-Fußball gespielt wurde, ist inzwischen der Bundesliga-Alltag angekommen. Der Aufstieg durch die Ligen gelang der SVE in kürzester Zeit. Nun wartet mit dem DFB-Pokal die nächste Bühne, auf der sich die Elversberger beweisen wollen.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Elversberg-Spiel
26.10.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Elversberg-Spiel

Die 2. Runde im DFB-Pokal steht an! Am Dienstag (27.10.) gastiert der SV Darmstadt 98 bei der SV Elversberg. Welche Gemeinsamkeiten die beiden Teams haben, worin sie sich unterscheiden und welche Zahlen vor dem Pokalduell besonders interessant sind, erfahrt Ihr in unseren Zahlen & Fakten.

„Alles andere macht keinen Sinn“
26.10.2026

„Alles andere macht keinen Sinn“

Nach dem Ligaalltag wartet auf den SV 98 die nächste Herausforderung im DFB-Pokal. In der zweiten Runde sind die Lilien am morgigen Dienstag (27.10., 20.45 Uhr) bei der SV Elversberg gefordert. Unser Cheftrainer sprach unter anderem über den Gegner, die eigene Herangehensweise und die Bedeutung des Pokalwettbewerbs.

Mit Basics und Stabilität
24.10.2026

Mit Basics und Stabilität

Die Lilien zeigen eine Reaktion auf die Niederlage von Karlsruhe und trennen sich torlos von Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli. Insbesondere defensiv bot der SV 98 eine starke Leistung. Wir blicken mit unserer Analyse auf den 9. Spieltag zurück.

„Als Team gezeigt, dass wir voll da sind“
23.10.2026

„Als Team gezeigt, dass wir voll da sind“

Die Lilien bleiben im dritten Heimspiel in Folge ungeschlagen und teilen sich am Freitagabend mit dem Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli die Punkte. Die Stimmen zum Spiel:

Punkteteilung am Freitagabend
23.10.2026

Punkteteilung am Freitagabend

Kein Sieger im Duell mit dem Bundesliga-Absteiger aus Hamburg: Nach umkämpften, intensiven 90 Minuten heißt es 0:0 (0:0) gegen den FC St. Pauli. Die Lilien sammeln damit den achten Saisonzähler.