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07.12.2025 / Profis

Analyse: Dominanz, Entertainment und unnötiges Zittern

Mit einem mitreißen Offensivfeuerwerk katapultierten sich die Lilien am Samstagabend gegen den Karlsruher SC zu drei weiteren Punkten. Trotz Nikolaustag bewies das Merck-Stadion am Böllenfalltor einmal mehr, dass in dieser Saison die Punkte kaum die eigenen vier Wände verlassen. Beim verdienten Heimsieg ließen sich die Südhessen auch vom zwischenzeitlichen Rückstand nicht aus der Bahn werfen und verteidigten zudem kollektiv nach hinten. Warum das zu keinem Widerspruch zu den überflüssigen Gegentoren steht, lest Ihr in der Analyse.

Foto: SV 98

Das lief gut:

Comeback-Qualitäten: Bereits 12 Punkte nach Rückstand haben die Lilien gesammelt. Ligabestwert. Umso beeindruckender ist die Statistik, wenn man bedenkt, dass nur drei Teams überhaupt seltener in Rückstand geraten als der SV 98. „Das ist ein richtig geiler Spirit vom Team“, beschrieb es Marco Richter treffend nach der Partie. In der bisherigen Saison hat sich die Mannschaft eine Ruhe und Selbstsicherheit erarbeitet, die sie auch in Negativmomenten nicht aus der Fassung bringen lässt. Etwa nach dem 0:1, welches sich überhaupt nicht angedeutet hatte. Oder dem Karlsruher Ausgleichstreffer, bei dem die Lilien in der Entstehung kräftig mithalfen.

Die Defensive: Viel wird nach dem packenden Samstagabend vermutlich über die Offensive gesprochen und geschrieben werden, die sich insgesamt sage und schreibe 25 Torschüsse erspielte. Und ja, der SV 98 spielte druckvoll, schnörkellos und kreativ nach vorne und sorgte so für ein Chancenfeuerwerk. Was dabei aber – auch aufgrund der zwei Gegentore und insbesondere ihrer Entstehung – etwas herunterfallen dürfte, ist die Defensivarbeit. Die Lilien erstickten Karlsruher Angriffe im Keim, indem sie früh Ballgewinne provozierten und konsequent nach hinten mitarbeiteten. Die Folge: Der KSC erarbeitete sich wenig bis gar keine Chancen. Umso kurioser, dass am Ende dennoch zwei Gegentore zu Buche stehen, die allerdings unter kräftiger Mithilfe der Südhessen entstanden. Beim 0:1 bugsierten sich die die Boys in Blue den Ball ins eigene Tor, den 2:2-Ausgleichstreffer bereitete man mit einer misslungenen Ballannahme mustergültig vor.

Auftritte im Merck-Stadion am Böllenfalltor: Der Trumpf des SV 98 war bereits in der vergangenen Spielzeit das Bölle, doch in dieser Saison legen die Lilien noch mal eine Schippe drauf. Neun Pflichtspiele wurden 25/26 an der Nieder-Ramstädter Straße gespielt, in keinem gingen die Hausherren als Verlierer vom Platz. In acht Liga-Partien sammelte man 18 Zähler, nur der FCK sammelte im Fritz-Walter-Stadion einen Punkt mehr. Die Symbiose zwischen Mannschaft und Fans funktioniert, das belegten die Erfolge vor heimischer Kulisse. Wie passend, dass am kommenden Sonntag gleich das nächste Heimspiel folgt. Gegen Preußen Münster gilt es, diese Bilanz noch weiter auszubauen.

 

Das lief nicht gut:

Die Chancenverwertung: Dieser Kritikpunkt liegt natürlich auf der Hand, denn die Lilien machten es unnötig spannend. Die Lilien hatten mehrfach aussichtsreiche Chancen, gegen Karlsruhe den Nikolaussack zuzumachen und sich für ihre ansprechende Leistung mit einer entspannten Schlussphase zu belohnen. Taten sie aber nicht. „Ich glaube das Einzige, das wir uns heute vorwerfen können, ist das, dass wir viele Torchancen liegen gelassen haben“, analysierte auch Maglica in den Katakomben des Merck-Stadion am Böllenfalltors. Schon im ersten Durchgang hätte der SV 98 in Führung gehen müssen, ehe es die Badener waren, die urplötzlich das 1:0 erzielten. Und auch nach dem Seitenwechsel waren Lidberg, Marseiler, Corredor & Co. am Drücker, erzielten aus ihrem spielerischen Übergewicht aber „nur“ zwei weitere Treffer. Es spricht für die Lilien, dass nicht nur Maglica und Kohfeldt diese Thematik hinterher ansprachen. Auch Richter blies ins selbe Horn: „Wir hatten noch die eine oder andere hochkarätige Chance, über die wir reden müssen.“ Sein Trainer sah dann aber dennoch das Positive aus diesem Umstand. „Wir haben den Beweis, dass wir eine Mannschaft sind, die auch ohne Fraser Hornby sehr offensivstark sein kann“, so Kohfeldt, der ob des Chancenwuchers anmerkte: „Es gibt so Tage, und wir haben trotzdem einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen. Deswegen bin ich zufrieden.“

Zitat des Tages

"Der Entertainment-Faktor war heute groß.“

Florian Kohfeldt

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