Widget
20.12.2025 / Profis

Analyse: Zwei unterschiedliche Halbzeiten

Die Lilien beenden eine beeindruckende Hinrunde mit einem 2:2 beim SC Paderborn. Damit überwintert der SV 98 auf dem dritten Tabellenplatz. Nach einer überzeugenden ersten Halbzeit schnupperte die Mannschaft von Florian Kohfeldt lange sogar am Auswärtssieg, doch die Gastgeber verdienten sich nach dem Seitenwechsel den Punktgewinn. Wir blicken in unserer Analyse auf zwei unterschiedliche Halbzeiten und ziehen zudem ein kurzes Hinrunden-Fazit.

Szene des Spiel:

In der letzten Analyse 2025 verlegen wir die „Szene des Spiels“ zeitlich ein wenig nach hinten. Denn die Momente nach Abpfiff fassten sehr viel von dem zusammen, was zuvor in den 90 Minuten von Paderborn, aber eben auch in der kompletten Hinrunde passiert ist. Den Lilien stand teilweise die Enttäuschung über die zweiten 45 Minuten an diesem Freitagabend ins Gesicht geschrieben, Worte und Gesten des Ärgers darüber, das extrem hohe Niveau der ersten Halbzeit nach dem Seitenwechsel nicht mehr beibehalten zu haben.

Begleitet wurden diese Emotionen vom Dauergesang aus dem lautstarken Gästeblock, die Lilienfans bedankten sich auf diese akkustische Art und Weise für eine starke Hinrunde ihres Herzensvereins, der in 17 Spielen nur zwei Mal als Verlierer vom Feld gehen musste, insgesamt 33 Punkte einsammelte und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf dem dritten Tabellenplatz überwintern wird.

Und so schlich sich bei dem einen oder anderen Akteur des SV 98 auf dem gemeinsamen Weihnachtsfoto mit der eigenen Anhängerschaft wieder ein Lächeln auf das erschöpfte Gesicht.  

„Nach einer 2:0 Führung hängen die Köpfe nach so einem Spiel natürlich zunächst ein wenig, die zweite Halbzeit bleibt schon ein wenig hängen. Insgesamt haben wir aber eine sehr vernünftige Hinrunde gespielt.“ Die Worte Fabian Hollands passten zu den Eindrücken nach Spielende, doch insbesondere der Stolz auf diese Hinserie wird in den kommenden Tagen weiterhin wachsen. Die durchaus vorhandene Unzufriedenheit der Mannschaft nach einem Auswärtspunkt beim Tabellenvierten unterstrich zudem eine Message, die Cheftrainer Florian Kohfeldt zuvor an den TV-Mikrofonen mit Blick auf seine bisherige Amtszeit gesendet hatte: „Als wir im September letzten Jahres angefangen haben, da ist die Mannschaft mit dem Ziel zu Spielen gefahren, dieses nicht zu verlieren. Das ist das Falsche im Sport. Diese Kultur hat sich komplett gedreht.“

Aus den Lilien ist eine selbstbewusste, extrem ehrgeizige Mannschaft geworden, die sich selbst und ihren Anhängern bislang viel Freude in dieser Saison bereitet. Stellvertrentend für diesen textlichen Abschnitt steht das gemeinsame Abschlussfoto 2025.

Das lief gut:

Die erste Halbzeit: Die Lilien spielten eine beeindruckende erste Halbzeit. Nicht, weil sie die Paderborner im Ballbesitz dominierten und sich Chance um Chance erspielten. Nein, die Südhessen zeigten einen extrem reifen, konzentrierten und effektiven Auftritt. „Wir standen auch vor der Pause schon teilweise tief, aber wir waren ruhig im Ballbesitz“, resümierte Holland, um weiter auszuführen: „Wir haben uns im Ballbesitz immer wieder gute Chancen erspielt und hatten nicht nur aufgrund der beiden Tore ein gutes Gefühl.“

Marco Richter (4.) und Killian Corredor (37.) nutzen zwei der Möglichkeiten vor dem Pausenpfiff, Richter und insbesondere Isac Lidberg hätten sogar einen dritten Treffer erzielen können. „Die erste Halbzeit war super, alles lief in unsere Richtung“, erklärte daher Richter, Florian Kohfeldt sprach von einer „sehr guten Struktur“. Ähnlich wie schon beim Heimspiel gegen Münster bewiesen die Lilien im ersten Abschnitt, dass sie in der Lage sind, Spiele flexibel zu gestalten. Im tiefen Block stabil zu bleiben und im eigenen Ballbesitz sehr zielorientiert nach vorne zu spielen. Das Beherrschen von verschiedenen Systemen und die Bereitschaft, Spiele mit unterschiedlichen Herangehensweisen zu bestreiten – auch darin liegt eine Entwicklung, die der SV 98 in den vergangenen Monaten durchlaufen ist. Dass dennoch weiterhin viel Arbeit vor dem Team liegt, das bewies hingegen der zweite Durchgang. Aber dazu später mehr. 

Die Hinrunde: Die Lilien nutzen verschiedene Begriffe, um die Hinrunde der Saison 2025/26 einzuordnen. Marcel Schuhen nannte sie „sehr erwachsen“, Fabian Holland „sehr vernünftig“ und Florian Kohfeldt betitelte sie als „herausragend“. Wenig überraschend war der Tenor aller Südhessen positiv.

„Wenn wir einen Strich druntersetzen, dann stehen wir mit 33 Punkten nach 17 Spieltagen auf dem dritten Platz. Und dafür hat sich diese Mannschaft ein dickes Lob verdient.“ Der Einrodung von Florian Kohfeldt bleibt an dieser Stelle nicht viel hinzuzufügen. Im heimischen Merck-Stadion am Böllenfalltor sammelte der SV 98 bärenstarke 21 Punkte und blieb ungeschlagen, in der Auswärtstabelle rangieren die Lilien auf einem mehr als ordentlichen sechsten Platz. Dazu kommt der Teamgedanke und ein Gerüst, in dem die Spieler ihre Rollen akzeptieren und ausfüllen. Ohne sich dabei zufrieden zu geben und stattdessen mit Ehrgeiz den internen Konkurrenzkampf zu befeueren. „Wir sind eine richtig gute geschlossene Einheit“, lobte Richter, während sein Cheftrainer bereits Lust auf das neue Jahr versprühte: „Ich habe jetzt schon Bock auf eine geile Rückrunde.“ 

Das lief nicht gut:

Die zweite Halbzeit: Bei aller Freude über diese Hinrunde und durchaus auch den Zähler am Freitagabend (Kohfeldt: „Ein Auswärtspunkt in Paderborn ist schon okay.“) muss festgehalten werden, dass die letzte Lilien-Halbzeit im Jahr 2025 keine gute gewesen ist. „Vor der Pause waren wir richtig gut, nach der Pause haben wir uns komplett hinten reindrücken lassen.“ Marco Richter beschrieb, was alle Zuschauer zuvor beobachten konnten.

Fabian Holland wurde in seinen Ausführungen noch detailierter: „Mit Ball ist uns nicht mehr viel gelungen. Es war fast eine Erleichterung, wenn der Ball weg war. Ohne Ballbesitz wurde der Druck natürlich extrem hoch, Paderborn hat allerdings auch eine enorme Qualität.“

Damit lag der Routinier auf einer Wellenlänge mit seinem Cheftrainer, der bemängelte: „Nach der Pause haben wir ein wenig das Spiel mit dem Ball eingestellt, das war unser Problem. Wir hatten keine Entlastung mehr, das war definitiv nicht der Plan.“

Entsprechend einig waren sich alle Lilien darüber, dass sich der SC Paderborn mit der Leistung nach Wiederanpfiff das 2:2 verdiente, obwohl der Ausgleichstreffer erst in der 85. Minute durch einen berechtigten Handelfmeter fiel. Wer Kohfeldt und sein Team kennt, der weiß, dass diese zweite Hälfte im neuen Jahr noch einmal einer dataillierten Analyse unterzogen werden wird. Bis dahin ist aber zunächst einmal Durchschnaufen angesagt. Am 3. Januar läutet der SV 98 mit einer öffentlichen Trainingseinheit (15 Uhr) die Vorbereitung auf die Rückrunde ein. 

Zitat des Tages

Diese Kabine hat mir die Freude am Trainerberuf gegeben. Es ist ein Traum, mit dieser Mannschaft zu arbeiten.

Florian Kohfeldt

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Hannover-Spiel
27.08.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Hannover-Spiel

Am Sonntag (30.8.) geht es für die Lilien in der Liga weiter. Der Gast? Hannover 96! Gegen kein Team verloren die 96er in der 2. Bundesliga häufiger als gegen den SV 98. Alle weiteren Zahlen und Fakten rund um die Partie gibt es hier.

Das Gefühl des Sieges
24.08.2026

Das Gefühl des Sieges

Es war ein hartes Stück Arbeit, das der SV 98 in Jena schlussendlich erfolgreich erledigen konnte. Das 2:1 in der ersten Runde des DFB-Pokals sorgte nicht nur für das Weiterkommen in diesem Wettbewerb, sondern auch für des ersehnte Gefühl des Sieges. Unsere Analyse zum Erfolg.

Maglica wechselt in die Türkei
24.08.2026

Maglica wechselt in die Türkei

Nach insgesamt 81 Pflichtspielen endet die Zeit von Matej Maglica bei den Lilien. Der 27-jährige Innenverteidiger wechselt zum türkischen Erstligisten Kocaelispor.

„Pokalfight, den wir angenommen und gewonnen haben“
23.08.2026

„Pokalfight, den wir angenommen und gewonnen haben“

Die Lilien erreichen nach einem Pokalfight in Jena die zweite Runde. Wir haben für Euch die Stimmen nach der Partie zusammengefasst.

Lilien erreichen 2. Pokalrunde
23.08.2026

Lilien erreichen 2. Pokalrunde

Der SV 98 hat das Ticket für die nächste Runde im DFB-Pokal gelöst. Die Lilien siegten beim FC Carl Zeiss Jena mit 2:1 (2:1). Milan Smit (11.) und Lance Duijvestijn (41.) sorgten für den Sieg gegen den Regionalligisten.

Startelfdebüt für Merx
23.08.2026

Startelfdebüt für Merx

Pokalmodus für die Lilien. In der ersten Runde des DFB-Pokals gastiert der SV 98 beim FC Carl Zeiss Jena (23.8./15.30 Uhr). Gegenüber der Partie in Dresden verändert Florian Kohfeldt seine Anfangsformation auf zwei Positionen. Manolo Merx beginnt für Yosuke Furukawa, Raoul Petretta startet anstelle von Florian Kleinhansl. Hiroki Akiyama fehlt nach einem krankheitsbedingten Rückfall im Kader.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Jena-Spiel
22.08.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Jena-Spiel

Der Pokal ruft! Am Sonntag (23.8./15.30 Uhr) treten die Lilien in der ersten Runde des DFB-Pokals an. Die Reise führt in die ad hoc arena im Ernst-Abbe-Sportfeld in der thüringischen Lichtstadt Jena. Was sagen die beiden Cheftrainer vor dem Anpfiff? Wer leitet die Partie? Und wo könnt Ihr das Duell verfolgen? Alle wichtigen Infos zum Spiel gegen Carl Zeiss Jena haben wir Euch wie gewohnt in „Matchday kompakt“ zusammengetragen.

„Ich liebe diesen Wettbewerb“
21.08.2026

„Ich liebe diesen Wettbewerb“

Vor dem Pokalspiel beim FC Carl Zeiss Jena (23.8., 15:30 Uhr) stand Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz den anwesenden Journalisten Rede und Antwort. Wir haben die wichtigsten Aussagen des Lilien-Coaches vor der ersten Runde des DFB-Pokals für Euch zusammengefasst.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Jena-Spiel
20.08.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Jena-Spiel

Am Sonntag steht für den SVD beim FC Carl Zeiss Jena die erste Runde der DFB-Pokal-Saison 2026/27 an. Es wartet das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams in diesem Wettbewerb. Alle weiteren Zahlen und Fakten rund um die Partie gibt es hier.

Jena im Gegnercheck
19.08.2026

Jena im Gegnercheck

Das Flutlicht strahlt über den Rasen des Düsseldorfer Rheinstadions, als die Spieler des FC Carl Zeiss Jena am 13. Mai 1981 den Platz betreten. Hinter ihnen liegt eine Europapokalreise, die längst Fußballgeschichte geschrieben hat: AS Rom, der FC Valencia, Newport County und Benfica Lissabon hat die Mannschaft von Trainer Hans Meyer auf ihrem Weg durch den Europapokal der Pokalsieger hinter sich gelassen. Nun fehlen nur noch 90 Minuten zum ganz großen Triumph. Auf der anderen Seite wartet Dinamo Tiflis. Es ist der größte europäische Abend der Jenaer Vereinsgeschichte – und auch wenn er mit einer 1:2-Niederlage endet, bleibt diese außergewöhnliche Reise bis heute untrennbar mit dem FC Carl Zeiss Jena verbunden.

Nicht zwingend genug
17.08.2026

Nicht zwingend genug

Keine Punkte in Dresden. In einer chancenarmen Partie unterlagen die Lilien der SG Dynamo Dresden mit 0:1. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die 90 Minuten zurück.

„Ein verdienter Sieg für Dynamo“
16.08.2026

„Ein verdienter Sieg für Dynamo“

Die Lilien verlieren ihr erstes Auswärtsspiel der neuen Saison. Wir haben die Stimmen zum Spiel für Euch zusammengefasst.