Lilien verpflichten Weißhaupt
Offensive Verstärkung für den SV 98. Noah Weißhaupt wird zukünftig das Trikot der Lilien tragen. Der 24-Jährige wechselt vom SC Freiburg nach Darmstadt.
Warum werden die Spieler des 1. FC Kaiserslautern „Rote Teufel“ genannt? Haben die Pfälzer etwa einen teuflischen Pakt geschlossen? Oder liegt es daran, dass das Fritz-Walter-Stadion im übertragenen Sinne in Flammen steht, wenn die Ränge beben und die Stimmung überkocht? Die Wahrheit ist weniger mystisch, dafür umso traditionsreicher: Der Spitzname hat historische Wurzeln, die eng mit Vereinslegende Fritz Walter verbunden sind.
Während des Zweiten Weltkriegs spielte Walter in der Mannschaft der „Roten Jäger“. Diese prägende Erfahrung brachte ihn später auf die Idee, auch beim FCK Rot als dominierende Trikotfarbe einzuführen. Zuvor spielten die Lauterer vernehmlich in weißen Shirts und weißen Hosen. Die auffälligen roten Trikots aber, sie setzten sich rasch durch – und schon bald verbreitete das Team in seinen roten Jerseys auf den Plätzen der Republik Angst und Schrecken. Der Begriff „Rote Teufel“ etablierte sich vor über 50 Jahren zunächst in den Sportteilen südwestdeutscher Zeitungen wie der „Rheinpfalz“. Von dort aus eroberte er, auch dank der Bekanntheit der Brüder Fritz und Ottmar Walter, die Schlagzeilen im ganzen Land – und wurde zum Markenzeichen des 1. FC Kaiserslautern.
Seit 125 Jahren ist der Verein fester Bestandteil der deutschen Fußballlandschaft. Mit den deutschen Meisterschaften 1951 und 1953 sowie den DFB-Pokalsiegen 1990 und 1996 erlebten die „Roten Teufel“ ihre größten Triumphe. Tragisch war der Erfolg von 1996: Während man den Pokal in den Himmel reckte, musste der Club gleichzeitig den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten. Nachdem man es zwischenzeitlich immer mal wieder ins deutsche Oberhaus schaffte, liegt die letzte Spielzeit in der Bundesliga mittlerweile 14 Jahre zurück. Wir haben den Gegner der Lilien am kommenden Sonntag (31.8./13.30 Uhr) etwas genauer unter die Lupe genommen.
| Top-Zugänge | Top-Abgänge |
| Naatan Skyttä (Mittelfeld, von USL Dunkerque) | Ragnar Ache (Stürmer, zum 1. FC Köln) |
| Semih Sahin (Mittelfeld, von SV Elversberg) | Filip Kaloc (Mittelfeld, zu Ludogorets) |
| Ivan Prtajin (Stürmer, von Union Berlin) | Aaron Opoku (Linksaußen, zu Kayserispor) |
| Ji-soo Kim (Verteidiger, vom FC Brentford) | Jan Gyamerah (Verteidiger, zu SV Elversberg) |
| Fabian Kunze (Mittelfeld, von Hannover 96) | Daisuke Yokota (Rechtsaußen, Leih-Ende zu KAA Gent) |
Torsten Lieberknecht
Cheftrainer beim 1. FC KaiserslauternInteressant: Bei den Lilien war Torsten Lieberknecht zwischen 2021 und 2024 über drei Jahre lang Cheftrainer und schaffte mit den Südhessen in der Saison 2022/23 den Aufstieg in die Bundesliga. Nach seinem Rücktritt im November 2024 übernahm Florian Kohfeldt als Trainer des SV Darmstadt 98.
In dieser noch jungen Zweitliga-Saison sind die Pfälzer momentan die Könige der Lüfte. Mit 85 gewonnenen Luftzweikämpfen thronen sie auf Platz eins der 2. Bundesliga in dieser Kategorie. Platz zwei belegt der FC Schalke 04 mit 77 gewonnen Luftduellen, gefolgt von Dynamo Dresden (72).
Es ist Hochsommer, 30 Grad im Schatten, Trinkpausen gehören beim Profifußball längst zum Standard. Alle Spieler versuchen, sich irgendwie abzukühlen und niemandem würde wohl auch nur in den entferntesten Träumen einfallen, jetzt ein langes Shirt unter dem Trikot zu tragen – niemandem bis auf einen: Marlon Ritter. Der Mittelfeldspieler des 1. FC Kaiserslautern trägt selbst an heißen Tagen stets ein langärmeliges Shirt unter seinem Trikot. Doch dabei handelt es sich weder um eine Modefrage noch um Aberglauben. Der gebürtige Essener leidet an einer Rasenallergie – eine Ironie des Schicksals für einen Profifußballer. „Die Rasenallergie beeinträchtigt mich eigentlich gar nicht. Das Einzige ist, dass ich seit gefühlt zehn Jahren mit Langarm-Shirt trainiere. Und im Sommer lege ich mich im Freibad eben nicht auf den Rasen“, erklärte Ritter 2021 in einem Interview mit Magenta Sport.
Ritters Weg zum Profifußball war beinahe vorgezeichnet. Aufgewachsen in der Fußballstadt Essen, begann er bei der SpVg Schonnebeck. Schon mit sieben Jahren wechselte er zum FC Schalke 04. Doch im Jugendalter, mit 15, schien die Karriere ins Stocken zu geraten: Ritter verlor den Spaß am Fußball, er meldete sich ab und widmete sich stattdessen dem Handball. Lange hielt die Auszeit jedoch nicht. Der Spaß am Fußball kehrte zurück und Ritter startete in Essen neu durch.
Über Rot-Weiss Essen führte sein Weg zu Borussia Mönchengladbach, wo er erstmals mit den Profis trainierte – unter keinem Geringeren als Lucien Favre. „Die Zeit bei Gladbach war für mich unvergesslich. Damals spielte der Verein Champions League und in der Bundesliga immer oben mit. Es hat sehr viel Spaß gemacht, aber rückblickend hätte ich mir mehr Gier gewünscht, auch auf dem Platz zu stehen“, erinnert sich Ritter. Nach Gladbach folgten Stationen bei Fortuna Düsseldorf und beim SC Paderborn. Mit den Ostwestfalen marschierte er einst von der 3. Liga bis in die Bundesliga.
2020 wechselte Ritter zum 1. FC Kaiserslautern – ein goldrichtiger Schritt. In fünf Jahren bestritt er 176 Partien für die „Roten Teufel“, erzielte 33 Tore und bereitete 26 Treffer vor. In der vergangenen Saison stand er in 30 Zweitligaspielen auf dem Platz. Seine kämpferische Art, die Bereitschaft, keinem Zweikampf aus dem Weg zu gehen, und seine Präsenz auf dem Feld machen ihn beim Anhang besonders beliebt. Ritter verkörpert das, was am Betzenberg als „echtes Betze-Feeling“ gilt. Deshalb setzt auch Cheftrainer Torsten Lieberknecht weiterhin voll auf Marlon Ritter als Kapitän der Pfälzer: „Ich habe Marlon schon letztes Jahr als Kapitän kennengelernt. Er ist jemand, der den FCK mit sportlichen Leistungen geprägt hat. Außerdem bin ich überzeugt, dass ich ihm noch Dinge mitgeben kann, die ihn zu einem noch besseren Kapitän machen.“ Ob mit oder ohne Langarmshirt spielt am Ende keine Rolle. Für die Fans des 1. FC Kaiserslautern zählt vor allem, dass ihr Kapitän auf dem Platz alles gibt.