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26.09.2024 / Profis

Der 1. FC Magdeburg im Gegnercheck

Die magische Nacht von Rotterdam. 1974. Europapokal der Pokalsieger. Und der blau-weiße Fußballclub aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik mittendrin. Im Stadion De Kuip traf der 1. FC Magdeburg damals auf den AC Mailand und sicherte sich dank eines 2:0-Erfolgs den Triumph im Europapokal. So hoch der FCM damals flog, so tief sank er in den Jahrzehnten danach wieder ab. Vom „schlafenden Riesen“ war in der Elbestadt gern die Rede. Ein Fußballclub, der lange in den unteren Ligen der Republik gefangen war und auch mal am Abgrund stand. Ein „schlafender Riese“ aber, der wieder zum Leben erweckt wurde.

Foto: DFL/Getty Images/Oliver Hardt

Einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung des 1. FC Magdeburg stellte die Saison 2014/15 dar. Als Tabellenerster der Regionalliga Nord-Ost mussten die Blau-Weißen in der Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga und damit um die Rückkehr in den Profifußball kämpfen. In Hin- und Rückspiel setzte sich der FCM damals gegen Kickers Offenbach durch und feierte schlussendlich im Stadion am Bieberer Berg den langersehnten Aufstieg in die dritthöchste deutsche Spielklasse.

Es folgten insgesamt drei Spielzeiten in Liga 3, ein einjähriger Ausflug in die 2. Bundesliga und erneut drei Saisons in der 3. Liga. Seit 2022 aber sind die Magdeburger nun fester Bestandteil des deutschen Fußball-Unterhauses und befinden sich aktuell in ihrem dritten Zweitliga-Jahr in Folge. Und das sehr erfolgreich. Nach dem 6. Spieltag steht die Mannschaft aus Sachsen-Anhalt auf Platz 3. Das Duell im Merck-Stadion am Böllenfalltor am kommenden Samstag (28.9.) wird also ein harter Brocken – und zwar für beide Teams. Denn mit dem SV 98 trifft der FCM auf eine Mannschaft, gegen die er in den bisherigen sechs Partien immer verlor. Das siebte Aufeinandertreffen steht nun unmittelbar bevor…

Transferfenster

Top-Zugänge Top-Abgänge
Marcus Mathisen (Verteidiger, SV Wehen Wiesbaden) Daniel Elfadli (Hamburger SV)
Martijn Kaars (Angriff, Helmond Sport) Amara Conde (SC Heerenveen)
Lubambo Musonda (Verteidiger, AC Horsens) Luca Schuler (Hertha SC)
Robert Leipertz (Angriff, SC Paderborn 07) Leon Bell Bell (Eintracht Braunschweig)
Aleksa Marusic (Angriff, Voska Sport) Ahmet Arslan (Rot-Weiss Essen)

Der Trainer

Mehr als 50 eigene Bücher? Ja, richtig gelesen. Der Mann kann nicht nur coachen, sondern auch texten: „Perfekte Schusstechniken“ sowie „Dribbeln und Finten“ oder „Zweikampfschulung“ sind nur einige seiner fußballspezifischen Fachwerke. Christian Titz darf sich Autor nennen. Er hat außerdem ein abgeschlossenes BWL- und Sportmanagement-Studium in der Tasche und gründete einst eine eigene Fußballschule. Und Trainer ist er ja auch noch. Wenn man ein Adjektiv sucht, um den gebürtigen Mannheimer zu beschreiben, dann landet man schnell beim Wort „vielseitig“. Seit Februar 2021 ist Titz der Cheftrainer des 1. FC Magdeburg.

Seine eigene Profikarriere musste der heute 53-jährige derweil schon früh beenden. Doch weil stets die Leidenschaft für den Trainerberuf in ihm loderte, war sein Weg wohl vorgezeichnet. Bereits mit 15 Jahren trainierte er einst die Spieler einer D-Jugend, mit 29 übernahm er die A-Junioren von Alemannia Aachen. Nach etlichen weiteren Stationen landete er 2017 beim Hamburger SV, wo er erst im Nachwuchs arbeitete und dann die zweite Mannschaft trainierte sowie später sogar Cheftrainer der Profis wurde. Der wahre Durchbruch aber, der gelang Titz zwar auch an der Elbe, allerdings flussaufwärts. Nicht in Hamburg, sondern in Magdeburg. Die Blau-Weißen führte er mit seiner ballbesitz-geprägten Spielweise, die von Mut und offensiv gedachten Fußball geprägt ist, von der 3. Liga in die 2. Bundesliga. „Als wir hier begonnen haben, standen wir in der 3. Liga auf einem Abstiegsplatz“, erklärte Titz einst in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Nun steht der FCM aktuell auf dem dritten Platz des deutschen Fußball-Unterhauses.

Foto: DFL/ Getty Images/Reinaldo Coddou H.

Prunkstück

Den 1. FC Magdeburg zeichnen in dieser Saison mindestens zwei entscheidende Merkmale aus: Unberechenbarkeit und Auswärtsstärke. Die Mannschaft von Christian Titz marschiert aktuell ungeschlagen durch die Liga. Vor allem auf fremden Plätzen trumpfen die Blau-Weißen bis dato auf: Alle drei Auswärtsspiele der laufenden Spielzeit entschied der FCM für sich – zuletzt das in Köln (2:1), davor die Partien in Nürnberg (4:0) und Braunschweig (3:1). Zudem weiß man nie, wer sich in die Torschützenliste der Magdeburger eintragen wird. Ihre 13 Saisontore wurden von neun unterschiedlichen Spielern erzielt. Kein anderes Team der Liga hat so viele unterschiedliche Torjäger in seinen Reihen.

All Eyes on ...

„Ich kann Tore schießen, das ist meine Qualität.“ Ein Mann, ein Wort. Und Martijn Kaars versprach nicht zu viel, als er diesen Satz im Sommer im Interview mit dem MDR sagte. In seinen ersten sechs Ligaspielen hat der Neuzugang des 1. FC Magdeburg bereits dreimal geknipst, zudem zwei weitere Treffer vorbereitet. Überhaupt kam der Niederländer mit der Empfehlung von 35 Toren und sieben Vorlagen in 75 Zweitliga-Spielen für seinen alten niederländischen Arbeitgeber Helmond Sport in die Elbestadt. Der 25-Jährige versteht die Kunst des Toreschießens also wie kaum ein anderer im Kader des FCM.

Der gebürtige Niederländer stammt aus einer Kleinstadt nordöstlich von Amsterdam: Monnickendam. Als Kind prägte ihn zunächst der Verein seiner Heimatstadt, dann ging es zum FC Volendam und später setzte er seine fußballerische Ausbildung beim niederländischen Rekordmeister Ajax Amsterdam fort. Und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Ehrgeiz, Wille und Zielstrebigkeit zeichnen ihn aus. Bereits mit 18 Jahren feierte Kaars sein Profidebüt für die erste Mannschaft des FC Volendam. Damit begann auch sein erfolgreicher Weg als Torjäger: Seit der Spielzeit 2018/19 hat er mit Ausnahme der Saison 2021/22 immer mehr als zehn Saisontore in der Liga geknipst. So viel Torgefahr ließ auch die Blau-Weißen aus Magdeburg aufhorchen. Als „Wunschspieler“ bezeichneten sie ihn in der Elbestadt. Ein Stürmer, auf den die Lilien am Samstag besonders Acht geben müssen.

Foto: DFL/ Getty Images/ Oliver Hardt

Titelbestand der Magdeburger

  • Sieger des Europapokals der Pokalsieger: 1973/74
  • Deutscher Drittligameister: 2017/18, 2021/22
  • DDR-Meister: 1971/72, 1973/74, 1974/75
  • DDR-Pokalsieger: 1963/64, 1964/65, 1968/69, 1972/73, 1977/78, 1978/79, 1982/83
  • Meister Regionalliga Nordost: 2014/15
  • Landespokalsieger Sachsen-Anhalt: 1992/93, 1997/98, 2000/01, 2002/03, 2005/06, 2008/09, 2012/13, 2013/14, 2016/17, 2017/18, 2021/22

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