Lilien verabschieden sechs Spieler
Der SV 98 wird rund um das abschließende Heimspiel gegen den SC Paderborn (17.5./15.30 Uhr) insgesamt sechs Spieler verabschieden.
Wie steht es um einen Einsatz von Fabian Holland? Was macht die Nummer 32 zu einer wahren Lilien-Legende? Wie blickt Florian Kohfeldt auf das Duell am Sonntagnachmittag (17.5./15.30 Uhr) gegen den SC Paderborn? Und welche Schulnote vergibt er an die Saison 2025/26? Viele Fragen, ausführliche Antworten. Wir haben die wichtigsten Aussagen des Darmstädter Cheftrainers auf der Pressekonferenz am Freitag (15.5.) für Euch zusammengetragen.
Personalupdate: Es fehlen Luca Marseiler, Merveille Papela, Fraser Hornby, Fabian Nürnberger, Matthias Bader und Patric Pfeiffer (alle verletzt).
Wir stehen am Sonntag noch einmal voll im Fokus. Für den SC Paderborn geht es um den direkten Aufstieg in die Bundesliga oder eine mögliche Relegation. Für sie ist alles noch möglich. Dementsprechend werden wir das tun, was das fairste überhaupt ist: Wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen und dafür werden wir alles tun. Und genau das spüre ich auch bei der Mannschaft.
Bei Fabi müssen wir das morgige Training abwarten. Er hat die beiden letzten Einheiten zu großen Teile mitgemacht. Einen Einsatz wird er sehr sicher bekommen. Die Frage ist noch, wie lang dieser sein wird. Wir als Verein und als Trainerteam wollen gemeinsam mit der Mannschaft alles dafür tun, Fabi den richtigen Abschied zu geben. Wir verabschieden eine Lilien-Legende, die über 300 Pflichtspiele für einen Verein im Profibereich gemacht hat. Das ist etwas Außergewöhnliches, was die allerwenigsten Profis in ihrer Karriere schaffen. Wir wollen alles für einen würdigen Abschied tun – mit dem entsprechenden Rahmen im Stadion, mit der entsprechenden Leistung und dem richtigen Ergebnis sowie dem richtigen Timing seiner Spielzeit. Er soll den Abschied bekommen, den er sich mehr als verdient hat. Wenn Fabi beginnen sollte, wird er auch als Kapitän auflaufen. Das Gespräch zwischen mir und Schuh darüber hat drei Sekunden gedauert (lacht). Allein das zeigt, welche Bedeutung Fabi für den Verein und in der Kabine hatte und welch außergewöhnlicher Fußballer und Mensch er war und immer bleiben wird.
Ich durfte Fabi in allen Facetten eines Profifußballers kennenlernen. Als ich gekommen bin, war er verletzt und in der Reha. Und häufig zu Zeiten am Bölle, wo noch nicht viele andere Spieler da waren. Wir haben viele gute Gespräche über die Mannschaft und das Mannschaftsklima geführt, was ihm stets unglaublich wichtig war. Wir haben aber auch viel über Fußball und darüber gesprochen, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Zudem wohnen unsere beiden Familien nicht weit auseinander. Fabis Sohn ist ein guter Freund meines Sohns geworden. Über Fabis Verletzungszeit war die Beziehung intensiver als mit einem Spieler, bei dem es ab Tag eins darum geht, ob er spielt oder nicht. Im zweiten Teil unserer Arbeitsbeziehung war Fabi dann wieder einsatzfähig und hat in hohem Maße gezeigt, dass er seine Werte auch dann gelebt hat, wenn es nicht zu seinem Vorteil war. Eine herausragende Eigenschaft eines Spielers und Menschen ist es, Charakterzüge und Werte nicht nur dann zu zeigen, wenn es einem gut geht. Sondern auch, wenn mal nicht alles in seine eigene Richtung läuft. Das weiß ich an Fabi sehr zu schätzen.
Wir gehen selbstkritisch mit unseren letzten Wochen um. Beim Thema Verfügbarkeit von Spielern hatten wir seit März viel zu wenig Spieler dauerhaft zur Verfügung. Dadurch wurden unsere Handlungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt. Trotzdem hatten wir in jedem Spiel der letzten Wochen die Möglichkeiten, die Partien zu gewinnen. Ich erlebe die Mannschaft aktuell so, dass sie eine Zusatzmotivation neben dem Abschied von Fabi hat, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Das haben die Jungs trotz schwieriger Rahmenbedingungen auch die letzten Wochen gezeigt. Willen und Leidenschaft kann ich dieser Mannschaft nicht absprechen.
Ich würde uns eine 2+ geben – aufgrund des Spielstils, der Spielidee und des Erlebnisfaktors. Gerade das Erlebnis mit dieser Mannschaft war herausragend in diesem Jahr. Genauso wie der Teamgeist, Zusammenhalt und das Innenleben. Unsere Ergebnisse waren nur bis März herausragend, danach schlecht. Dementsprechend komme ich bei einer 2 raus, bei der noch Luft nach oben ist – gerade was die Konstanz zum Ende der Saison und die Personalverfügbarkeit betrifft. Wenn wir alle auf die Saison in Ruhe zurückblicken werden, werden wir feststellen, dass schon sehr viele richtig coole Erlebnisse dabei waren. Es ist viel Positives passiert in dieser Saison, auf dem wir aufbauen wollen.
Bei Fabian Nürnberger sind wir in guten Gesprächen. Jeder kennt meine Wertschätzung für ihn. Wir sind froh, dass Gespräche zwischen Paul und der Spielerseite stattfinden. Ich hoffe, dass wir bei ihm um eine Verabschiedung herumkommen.
Wir haben die klare Absicht, mit Grayson Dettoni weiterzuarbeiten. Er ist ein charakterstarker Spieler mit einem enormen Arbeitswillen. Er hat gezeigt, dass er lernfähig ist und Entwicklungsschritte gehen kann. In beiden Spielen hat er gezeigt, dass er seinen Mann stehen und auf diesem Niveau bestehen kann. Natürlich gibt es aber mehrere Themen, die er noch verbessern kann. Wir wollen daran weiter mit ihm arbeiten und glauben daran, dass er sich bei uns weiterentwickeln kann.
So eine Saison ist zehneinhalb Monate lang, in denen man sich täglich sieht. Egal, wer am Sonntag verabschiedet wird: Ein Abschied tut immer weh, weil man eine Beziehung aufgebaut hat. Ich habe mit jedem Spieler unfassbar gerne zusammengearbeitet. Die menschliche und persönliche Beziehung war und ist mit jedem sehr intakt. Manchmal muss man sich als Spieler verändern, um mehr Spielzeit zu bekommen. Manchmal treffen wir als Verein unsere Entscheidungen. Jeden dieser Jungs werde ich am Sonntag mit einem großen Stück Wehmut in den Arm nehmen. Ich kann jedem nur das Allerbeste wünschen.