Duijvestijn verstärkt Offensivbereich
Kreativität und Torgefahr für das offensive Mittelfeld des SV 98: Die Lilien haben Lance Duijvestijn verpflichtet. Der 27 Jahre alte Niederländer wechselt von Sparta Rotterdam nach Südhessen.
„Fahrrad fahren, nichts ist so schön wie Fahrrad fahren“, ist der Text aus einem Lied von Max Raabe. Ein Lied, das er wohl auch auf seinem Konzert am Sonntag in Münster spielen wird. Wo passt der Text auch besser hin als in Deutschlands Fahrradhauptstadt: Münster? In die Stadt, in der es mehr Drahtesel als Menschen gibt und Fußball auch auf dem Zweirad gespielt wird.
Runtergerechnet besitzt jeder Münsteraner 1,3 Fahrräder, denn es gibt mehr Leezen (münsterisch für Fahrräder) als Menschen in dieser Stadt. Kein Wunder also, dass sich über 75 Prozent der Einwohner mehrfach in der Woche auf ihr Zweirad schwingen. Sicher können sich die Westfalen auf ihrem Stahlross im Straßenverkehr auch fühlen, denn die Heimat der Preußen ist die Fahrradhauptstadt Deutschlands und laut Copenhagenize Index die siebtfahrradfreundlichste Stadt der gesamten Welt.
Des Münsteraners bester Freund ist die Leeze nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Turnhallenboden, denn den Ball spielt man in Münster nicht nur mit dem Fuß. Auch mit dem Rad hat man dort gelernt, Tore zu erzielen. In der Sportart Radball stellt der RSV Münster, im Jahr 1895 gegründet, einen der traditionsreichsten Radball-Vereine Deutschlands.
So sicher, wie sich die Münsteraner auf dem Fahrrad fühlen, so sicher beherrschen die Spieler des SC Preußen Münster auf dem Feld das Passspiel. Mit 14.601 Pässen hat die Mannschaft von Cheftrainer Alois Schwartz die zweitmeisten der Liga gespielt. Insgesamt setzen sie vor allem auf kurze Kombinationen, ehe sie den langen Ball nach vorne suchen. Das machen sie aber mit Überzeugung. Denn 84 Prozent ihrer Pässe bringen sie auch an den Mann, nur Hannover weist eine noch bessere Quote auf. Wir haben hier den kommenden Gegner der Lilien genauer unter die Lupe genommen.
Aus den letzten acht Spielen konnten die Münsteraner keinen Dreier einfahren, in den letzten fünf Spielen sammelten sie drei Punkte. Auch dieser Tatsache geschuldet rangieren sie im Moment mit 29 Zählern auf Platz 18. Dennoch haben sie erst kürzlich gegen das spielstarke Hannover gezeigt, dass sie auch gegen das obere Tabellendrittel punkten können. Nach dem 32. Spieltag ist das rettende Ufer aber ganze fünf Punkte entfernt. Das bedeutet, es müssen im Saisonfinale zwei Siege her, sonst ist der Klassenerhalt nicht mehr möglich. Das nächste Ziel auf dieser Mission ist am Sonntag also die maximale Ausbeute gegen den SV Darmstadt 98.
| Gegnerische Mannschaft | Endergebnis | Punkteausbeute |
| Hannover 96 (A) | 3:3 | 1 |
| Arminia Bielefeld (H) | 2:3 | 0 |
| FC Schalke 04 (A) | 4:1 | 0 |
| SpVgg Greuther Fürth (H) | 0:0 | 1 |
| Holstein Kiel (A) | 0:0 | 1 |
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Etienne Amenyido – 6 Tore | Oliver Batista Meier – 4 Assists |
| Oliver Batista Meier – 6 Tore | Jano ter Horst – 4 Assists |
| Jorrit Hendrix – 4 Tore | Lars Lokotsch – 3 Assists |
| Jannis Heuer – 3 Tore | Marvin Schulz – 3 Assists |
| Yassine Bouchama- 2 Tore | Luca Bolay – 3 Assists |
Alois Schwartz
Cheftrainer vom SC Preußen MünsterBesser spät als nie wird sich die Elf von Alois Schwartz denken, wenn sie auf ihre Torstatistik blicken. Denn die Adlerträger lassen sich gerne Zeit. Neun ihrer 37 Buden erzielte Preußen Münster in der Schlussviertelstunde, sage und schreibe ein Viertel ihrer Tore erzielen sie folglich erst ab der 75. Spielminute. Nach dem Motto „wer zuletzt lacht, lacht am besten“ gehörte den Münsteranern auch in Hannover mit einem sehenswerten Tor zum 3:3 die Schlusspointe.
“Ich freu mich, wenn man mich Straßenfußballer nennt“, sind die Worte von Yassine Bouchama, der mittlerweile seit vier Jahren für Preußen Münster aktiv ist. Sein Weg in den Profifußball führte allerdings über viele Hürden. Als Kind ist der mittlerweile 28-jährige in Essen auf dem Bolzplatz groß geworden und in der Ober- und Regionalliga zum Fußballer herangereift, doch wirklich glücklich machten ihn seine Stationen nie. Unter anderem bei Phönix Lübeck lief Bouchama auf, aber lediglich für sechs Spiele. Denn der Wohlfühlfaktor spielt für ihn nämlich eine große Rolle. So groß, dass er deshalb bereits Anfang 20 über ein Karriereende nachdachte, wie er im Podcast „Preußen Privat“ preisgab.
Nach seinem Abgang bei Phönix Lübeck 2021 setzte er sich selbst für das Folgejahr ein Ultimatum: „Hätte ich da nichts bekommen, hätte ich mit dem Fußball aufgehört.“ Doch der gebürtige Essener bekam ein Angebot. Über den VfB Homberg fand er seinen Weg zu den Preußen. Klar kommuniziert wurde ihm, dass er im Team nicht die erste Wahl sei, die Chance konnte sich der ehrgeizige Straßenkicker trotzdem nicht entgehen lassen.
Und das hat sich gelohnt: Vier Jahre später ist Bouchama zu einem Stammspieler geworden und kommt auf 110 Einsätze mit dem Adler auf der Brust – und das auf verschiedensten Positionen. Allein in der aktuellen Saison fand man ihn in fast jeder Rolle im Mittelfeld wieder, vornehmlich kommt er über das rechte Mittelfeld, aber auch auf der Acht oder der Zehn sowie auf Linksaußen zeigte er, was er kann. Das ist die „Malocher-Mentalität“ des Jungen aus dem Ruhrgebiet. Alles kein Problem für Bouchama, der entscheidende Faktor für ihn ist, dass er sich wohlfühlt und das tut er offenbar in Münster. In bester „Münster-Manier“ verriet er auch: „Im Sommer komm ich mit dem Fahrrad zum Training.“