Ein Spiel Sperre für Pfeiffer
Das DFB-Sportgericht hat Patric Pfeiffer nach dessen Platzverweis gegen die SV Elversberg für eine Partie gesperrt.
Bevor das große Stadion und Flutlichtmasten das Bild bestimmten, jagten Nürnberger Schüler mit einem Ball über die Wiesen. Unter den wachsamen Augen der Turnlehrer spielten die Jungs auf zwei Tore bei Wind und Wetter. Was bisher aber noch keinem bewusst war, dass sich aus dem damaligen Schulhofkick der 1. FC Nürnberg entwickeln würde.
Seit 1888 wurde an Nürnberger Gymnasien und der Kreisrealschule das sogenannte „deutsche Fußballspiel“ gespielt, angelehnt an das englische Vorbild. Unter Aufsicht traf man sich auf der Deutschherrenwiese oder der Peterheide – pünktlich, diszipliniert und mit großer Hingabe. Für den Kick mit dem Ball wurde auf das Frühstück verzichtet, Spiele wurden am nächsten Tag in der Schule leidenschaftlich nachbesprochen. Aus dieser Begeisterung entstand 1900 die Idee, den Fußballsport in Nürnberg dauerhaft und besser zu organisieren. Im April des Jahres 1900 erhielten alle ehemaligen Spielkameraden ein Einladungskärtchen zu einer Versammlung. Ganze 18. „Männlein“ trafen sich am 4. Mai in der Wirtschaft „Burenhütte“ angrenzend am damaligen Spielort der Deutschherrenwiese. Zweck der Versammlung war es, den Fußballsport in Nürnberg wieder aufleben zu lassen.
Das sollte der Anfang einer großen Geschichte werden. Der 1. FC Nürnberg entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Vereine des Landes, gewann neun Deutsche Meisterschaften, feierte DFB-Pokalsiege und vertrat Deutschland auf europäischer Bühne. Heute steht der FCN für Tradition, Leidenschaft und Identität – getragen von derselben Hingabe, die einst Schüler auf staubigen Wiesen zusammenführte. Inzwischen spielt der 1. FC Nürnberg im deutschen Unterhaus der Bundesliga. Aktuell sind die Rot-Schwarzen auf dem achten Platz. Den Gegner des SV Darmstadt 98 am kommenden Freitag (23.1./18.30 Uhr) für das erste Heimspiel der Hinrunde haben wir im Gegnercheck genauer unter die Lupe genommen.
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Rafel Lubach – 5 Tore | Julian Justvan – 6 Assists |
| Mohamed Ali Zoma – 4 Tore | Berkay Yilmaz – 5 Assists |
| Julian Justvan – 3 Tore | Mohamed Ali Zoma – 2 Assists |
| Finn Becker – 3 Tore | Finn Becker – 2 Assists |
| Piet Scobel – 2 Tore | Luka Lochoshvili – 1 Assist |
Miroslav Klose
Cheftrainer des 1. FC NürnbergDer 1. FC Nürnberg überzeugt vor allem durch seine Präsenz im direkten Eins-gegen-Eins. Kaum eine Mannschaft sucht so häufig den Zweikampf, im Schnitt sind es 222 Duelle pro Partie – einzig Münster liegt hier noch darüber. Diese hohe Anzahl spiegelt die intensive und körperbetonte Spielweise wider. Gleichzeitig zeigt sich der Club dabei äußerst effizient. Mit einer Zweikampfquote von 51 Prozent gehört Nürnberg zu den stärksten Teams der Liga in dieser Kategorie. Nur zwei Mannschaften weisen in dieser Statistik bessere Werte auf.
Der ursprüngliche Plan war klar: Studium abschließen, Perspektiven prüfen, dann entscheiden, wie es weitergeht. Für Piet Scobel stand lange nicht der Profifußball im Mittelpunkt, sondern die Ausbildung. Während andere früh auf eine Karriere im Leistungssport setzten, hielt sich der gebürtige Norddeutsche stets eine Alternative offen. Er selbst sagte gegenüber dem Clubmagazin des FCN: „Ich studiere Wirtschaftsmathematik. Bis vor Kurzem war das immer noch Plan A. Erst in den letzten Tagen hat sich gezeigt, dass es auch mit dem Fußball klappen könnte. Vor zwei Jahren habe ich das Studium begonnen und bei einem Abstiegskandidaten in der Hamburger Oberliga gekickt. Jetzt ging es relativ schnell – und es kam doch alles anders.“
Scobel stammt aus Pinneberg in Schleswig-Holstein und durchlief keinen klassischen Werdegang über ein Nachwuchsleistungszentrum. Seine fußballerische Ausbildung fand überwiegend im norddeutschen Amateur- und Jugendbereich statt. Stationen bei Vereinen wie dem SV Halstenbek/Rellingen, Blau-Weiß 96 Schenefeld, SG Lieth/Sparrieshoop und zeitweise auch im Nachwuchs des FC St. Pauli prägten seine Entwicklung. Später im Herrenbereich fand er Fuß bei Union Tornesch bis es für ihn zum Eimsbüttler TV in die Oberliga Hamburg ging – fernab großer Stadien, dafür mit viel Eigenverantwortung und ohne den Druck des Profifußballs. Parallel dazu blieb das Studium der Wirtschaftsmathematik ein zentraler Bestandteil seines Alltags.
Der Wechsel zum 1. FC Nürnberg markierte schließlich den Wendepunkt. Zunächst für die U23 eingeplant, nutzte Scobel seine Chance konsequent im Regionalliga-Team der Franken. Auf dem Platz verkörpert er den Typ Zielspieler. Er sucht konsequent den Strafraum, arbeitet körperlich robust gegen Innenverteidiger und ist besonders bei Hereingaben und zweiten Bällen gefährlich. Die Klarheit in seinen Aktionen macht ihn schwer zu verteidigen. Mit Toren (11) und Assists (5) sowie Präsenz und hoher Einsatzbereitschaft machte er in der laufenden Saison schnell auf sich aufmerksam und rückte schneller als erwartet in den Profikader auf. Insgesamt zehn Minuten auf vier Einsätze verteilt sammelte er seit November für den FCN. Und dann kam das Duell am vergangenen Spieltag gegen die SV Elversberg: Startelfdebüt, Doppelpacker, Matchwinner. „Das war eine Achterbahn der Gefühle“, erklärte Scobel nach dem Elversberg-Spiel noch sichtlich aufgewühlt: „Es war einfach pure Freude, die Emotionen sind übergeschwappt.“
Was für eine Geschichte. Aus der Oberliga binnen einen Jahres in 2. Fußball-Bundesliga. Kann der 20-Jährige das alles überhaupt schon realisieren? „Ich muss alles noch ein bisschen verarbeiten“, so Scobel in der Mixed-Zone, ergänzte: „Das ist schon unglaublich. Ich brauche sicher noch eine Nacht, um zu realisieren, was passiert ist.“ Weniger geplant, mehr erarbeitet. Piet Scobel: Vom Hörsaal in den Profikader, vom Amateurfußball auf die große Bühne.
Piet Scobel
Mittelstürmer des 1. FC Nürnberg