Als Kind träumte Julian Pollersbeck nicht von vollen Stadien oder Flutlichtspielen – zumindest nicht ausschließlich. Denn genauso gern wie er Bälle aus dem Winkel fischte, schwang er auch den Tennisschläger. Sein Vater, selbst Tennistrainer, förderte den jungen Julian früh – aber sein Herz schlug sowohl für Tennis als auch für das Tor. Dumm nur, dass in Emmerting lange der Sohn des eigenen Trainers im Kasten stand. Also musste Pollersbeck auf dem Feld aushelfen, während der Traum vom Torhüterdasein in der Warteschleife hing.
Durch Umwege und Umstellungen führte ihn sein Weg dann doch dorthin, wo er immer sein wollte: zwischen die Pfosten. Über seinen Heimatverein DJK Emmerting, der Jugend bei Wacker Burghausen (2010 bis 2013) und schließlich den Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern reifte Pollersbeck langsam, aber stetig. Sven Höh, sein damaliger Torwarttrainer in Lautern und heutiger Keeper-Coach beim HSV, wurde zum prägenden Förderer. „Ohne ihn wäre ich nicht zu den Profis gekommen“, sagt Pollersbeck auf der vereinseigenen Website von Jahn Regensburg. In der Zweitliga-Saison 2016/17 erhielt er dann unverhofft beim 1. FC Kaiserslautern seine Chance: Nach einer Roten Karte für Stammkeeper André Weis stand Pollersbeck im Tor – und blieb dort. Seine starken Leistungen brachten ihn in die U21-Nationalmannschaft, mit der er 2017 Europameister wurde. Zur Krönung wurde er zum besten Torwart des Turniers gewählt.
Es folgte im Sommer 2017 der Wechsel zum HSV, doch dort lief es nicht wie erhofft. Abstieg, mentale Belastung, viel Kritik. Pollersbeck bereut die Zeit in Hamburg dennoch nicht: „Es war keine leichte Zeit. Aber diese Erfahrungen haben mich als Mensch wachsen lassen und es bleibt auch sehr viel Positives.“ Der nächste Schritt folgte in der Saison 2020/21, er wechselte zu Olympique Lyon – große Namen wie Depay, Lacazette und Boateng im Training, aber kaum Einsätze. Nach seinem Wechsel nach Magdeburg im Jahr 2023 stoppte ihn dann eine Verletzung – der Neustart verpuffte.
Jetzt steht Pollersbeck beim SSV Jahn Regensburg zwischen den Pfosten und möchte dort ein neues Kapitel mit alten Zielen aufschlagen. Und vielleicht ein bisschen das zurückholen, was er einst auf dem Tennisplatz gelernt hat: Ruhe, Präzision – und den Mut, sich immer wieder an die Linie zu stellen.