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14.05.2025 / Profis

Der SSV Jahn Regensburg im Gegnercheck

Warum heißt der SSV Jahn Regensburg eigentlich „Jahn“? Um das zu verstehen, braucht es einen kurzen Ausflug in die Geschichte. Wir schreiben das Jahr 1810: Deutschland ist zersplittert in viele Kleinstaaten und steht unter napoleonischer Fremdherrschaft. In dieser Zeit setzt sich ein Mann besonders für eine gemeinsame deutsche Identität ein – Friedrich Ludwig Jahn, besser bekannt als „Turnvater Jahn“. Nach der Niederlage Napoleons 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig erschien 1816 sein Grundlagenbuch „Die deutsche Turnkunst“. Aber was hat das alles nun mit einer deutschen Fußball-Mannschaft zu tun?

Foto: Reinaldo Coddou H./Getty Images

Die Wurzeln des SSV Jahn Regensburg liegen – anders als der heutige Fußballfokus vermuten lässt – im Turnsport. Bereits 1886 wurde der Turnerbund Jahn gegründet, aus dem in den 1920er Jahren der Sportbund Jahn hervorging. 1934 folgte die Fusion mit dem Schwimmverein 1889 und dem Sportverein von 1920 – der heutige SSV Jahn Regensburg war geboren.

Zeitsprung. Seit 2008 gehört der SSV Jahn regelmäßig dem deutschen Profifußball an. In der Saison 2023/24 gelang nach dem Abstieg in Liga drei der direkte Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga – doch vor dem letzten Spieltag der Saison 2024/25 ist schon klar: Zur kommenden Saison wird Regensburg erneut den Gang in die 3. Liga antreten müssen. Im letzten Heimspiel der Saison treffen die Lilien auf den Traditionsklub von der Donau – wir haben den kommenden Gegner für euch genauer unter die Lupe genommen.

Top Scorer - Pokal & Liga

Top-Torjäger Top-Vorlagengeber
Noah Ganaus – 5 Tore Bryan Hein – 3 Vorlagen
Christian Kühlwetter – 3 Tore Christian Viet – 2 Vorlagen
Eric Hottmann – 3 Tore Eric Hottmann – 2 Vorlagen
Rasim Bulic – 2 Tore Tim Handwerker – 2 Vorlagen

Der Trainer

Vom Libanon in die 2. Liga – Munier Raychounis hat einen eher ungewöhnlichen Lebenslauf auf dem Weg zum Zweitliga-Trainer genommen. Und gerade das könnte ihm viele Vorteile bringen. Aber erstmal alles der Reihe nach:

Internationale Erfahrung? Davon bringt Munier Raychouni mehr als genug mit. Bevor er als Interimstrainer beim SSV Jahn Regensburg an der Seitenlinie übernahm, führte ihn seine aktive Spielerkarriere rund um den Globus – fernab der klassischen Fußballnationen. Zwischen 2011 und 2017 spielte Raychouni unter anderem in Singapur (Woodlands Wellington), im Libanon (Safa SC Beirut), in Thailand (Lamphun Warrior) und in Bahrain (Isa Town Club). Zwar sind das alles etwas ungewöhnliche Stationen, aber genau das macht seinen Weg so besonders.

Zurück in Deutschland startete der gebürtige Berliner seine Trainerlaufbahn beim CFC Hertha 06 in der Oberliga, ehe er von 2018 bis 2020 als Co-Trainer beim Regionalligisten Berliner AK arbeitete. Es folgten weitere Jahre als Co-Trainer in der Regionalliga Nordost beim FC Carl Zeiss Jena, wo er unter Dirk Kunert und Andreas Patz wirkte. 2022 übernahm Raychouni die U19 des FCC und sammelte weitere wichtige Erfahrungen im Nachwuchsbereich.

Im November 2024 wechselte er gemeinsam mit Andreas Patz zum SSV Jahn Regensburg und übernahm die Rolle des Co-Trainers. Nach der Trennung zwischen Regensburg und Patz am 08. Mai diesen Jahres übernahm Raychouni nun interimsmäßig die Verantwortung als Cheftrainer. Dabei zeigt sich Raychouni sehr selbstlos: „Meine persönliche Lage ist in dieser Situation jetzt erst einmal sekundär. Primär ist vor allem der Verein und die Mannschaft im Vordergrund“, sagte der Coach auf seiner ersten Pressekonferenz als Interimstrainer des SSV Jahn.

Munier Raychouni

Interimstrainer SSV Jahn Regensburg
  • Geburtsdatum (Alter): 29.12.1986 (38)
  • Geburtsort: Berlin
  • Nationalität: Deutschland/Libanon
  • aktueller Verein: SSV Jahn Regensburg
  • erste Trainerstation: CFC Hertha 06

Das Prunkstück

Wer am Wochenende ein intensives Duell erwartet, könnte wohl goldrichtig liegen: Der SSV Jahn Regensburg zählt zu den zweikampfstärksten Teams der Liga. Mit in Summe 3.554 gewonnenen Zweikämpfen belegt der Jahn Platz zwei hinter Elversberg (3.599). Auch in der Luft sind die Oberpfälzer präsent: 722 gewonnene Luftduelle – nur Preußen Münster liegt in der 2. Bundesliga mit 749 knapp davor.

All Eyes on ...

Als Kind träumte Julian Pollersbeck nicht von vollen Stadien oder Flutlichtspielen – zumindest nicht ausschließlich. Denn genauso gern wie er Bälle aus dem Winkel fischte, schwang er auch den Tennisschläger. Sein Vater, selbst Tennistrainer, förderte den jungen Julian früh – aber sein Herz schlug sowohl für Tennis als auch für das Tor. Dumm nur, dass in Emmerting lange der Sohn des eigenen Trainers im Kasten stand. Also musste Pollersbeck auf dem Feld aushelfen, während der Traum vom Torhüterdasein in der Warteschleife hing.

Durch Umwege und Umstellungen führte ihn sein Weg dann doch dorthin, wo er immer sein wollte: zwischen die Pfosten. Über seinen Heimatverein DJK Emmerting, der Jugend bei Wacker Burghausen (2010 bis 2013) und schließlich den Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern reifte Pollersbeck langsam, aber stetig. Sven Höh, sein damaliger Torwarttrainer in Lautern und heutiger Keeper-Coach beim HSV, wurde zum prägenden Förderer. „Ohne ihn wäre ich nicht zu den Profis gekommen“, sagt Pollersbeck auf der vereinseigenen Website von Jahn Regensburg. In der Zweitliga-Saison 2016/17 erhielt er dann unverhofft beim 1. FC Kaiserslautern seine Chance: Nach einer Roten Karte für Stammkeeper André Weis stand Pollersbeck im Tor – und blieb dort. Seine starken Leistungen brachten ihn in die U21-Nationalmannschaft, mit der er 2017 Europameister wurde. Zur Krönung wurde er zum besten Torwart des Turniers gewählt.

Es folgte im Sommer 2017 der Wechsel zum HSV, doch dort lief es nicht wie erhofft. Abstieg, mentale Belastung, viel Kritik. Pollersbeck bereut die Zeit in Hamburg dennoch nicht: „Es war keine leichte Zeit. Aber diese Erfahrungen haben mich als Mensch wachsen lassen und es bleibt auch sehr viel Positives.“ Der nächste Schritt folgte in der Saison 2020/21, er wechselte zu Olympique Lyon – große Namen wie Depay, Lacazette und Boateng im Training, aber kaum Einsätze. Nach seinem Wechsel nach Magdeburg im Jahr 2023 stoppte ihn dann eine Verletzung – der Neustart verpuffte.

Jetzt steht Pollersbeck beim SSV Jahn Regensburg zwischen den Pfosten und möchte dort ein neues Kapitel mit alten Zielen aufschlagen. Und vielleicht ein bisschen das zurückholen, was er einst auf dem Tennisplatz gelernt hat: Ruhe, Präzision – und den Mut, sich immer wieder an die Linie zu stellen.

Foto: Eibner-Pressefoto/Alexander Neis

Blick in die Jahn-Vitrine

  • Meister Regionalliga Bayern: 2015/16
  • Landespokal-Bayern-Sieger: 1946/47, 1947/48, 2001, 2005, 2009/10, 2010/11

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