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26.03.2025 / Profis

Der SSV Ulm im Gegnercheck

„Lieber den Spatz auf der Hand, als die Taube auf dem Dach.“ Das Sprichwort sollte vielen Menschen ein Begriff sein. Es bedeutet, dass man sich lieber mit dem zufrieden gibt, was man hat, ehe man das Risiko eingeht, sich von etwas zu trennen und mit etwas Neuem zu starten. Die Ulmer Spatzen sind aber genau diesen Weg nicht gegangen und haben sich vor gut zwei Wochen (11.3.) dazu entschieden, ihren Erfolgscoach Thomas Wörle, mit dem sie den Durchlauf von der Regionalliga in die 2. Liga schafften, freizustellen und die laufende Saison mit U19-Trainer Robert Lechleiter fortzuführen.

Foto: Eibner/Daniel Reinelt

Dabei konnte Lechleiter direkt einen soliden Einstand mit dem abstiegsgefährdeten SSV Ulm feiern. Auswärts beim Karlsruher SC holten die Spatzen ein Unentschieden. Zudem gewann man letzten Donnerstag (20.3.) ein Testspiel zuhause gegen 1860 München. Die Ulmer setzen darauf, dass Lechleiter das Umfeld, den Verein und die Spieler schon kennt. Es brauche in der aktuellen Situation „keinen klassischen Feuerwehrmann, der alles umkrempelt“, erklärte der Geschäftsführer Markus Thiele seine Entscheidung.

Am Freitag (28.3./18.30 Uhr) tritt der SV Darmstadt die Auswärtsreise zum SSV Ulm an. Im Hinspiel gab es zuhause gegen die Donauschwaben ein 1:1. Wir durchleuchten den kommenden Gegner der Darmstädter für Euch ganz genau. 

Top-Scorer

Top-Torjäger 
Top-Vorlagengeber
Semir Telalovic – 9 Tore Maurice Krattenmacher – 7 Assists 
Felix Higl – 4 Tore Dennis Chessa – 3 Assists 
Aaron Keller – 3 Tore Max Brandt – 2 Assists
Maurice Krattenmacher – 2 Tore Tom Gaal – 2 Assists 
Philipp Strompf – 2 Tore Oliver Batista Meier – 2 Assists

Der Trainer

Die Verpflichtung von Robert Lechleiter könnte sich für die Ulmer als Trumpf herausstellen. Der ehemalige Stürmer ist allerdings im Trainerbusiness der Profis ein unbeschriebenes Blatt und der SSV Ulm die erste Cheftrainer-Station im Profifußball für Lechleiter. Erfahrung bringt der 44-Jährige trotzdem mit: Auf seinem Lebensweg durfte er schon von Trainer-Legende Jürgen Klopp oder auch von Ex-Lilie und momentanem DFB-Co-Trainer Sandro Wagner lernen.

Die Trainerkarriere von Robert Lechleiter begann 2015 beim TSV Aßling. Bei Unterhaching war er von 2018 bis 2020 Trainer der U19, bevor Lechleiter anderthalb Jahre Co-Trainer von Sandro Wagner war. „Sandro ist ein total positiver Typ, der im Umgang mit der Mannschaft eine tolle Art hat. Vor allem auf junge Spieler kann er sehr gut einwirken. Auch von Trainern, unter denen ich selbst gespielt habe, nimmt man Eindrücke mit“, sagte Lechleiter in einem Interview mit dem DFB.

Nach der Zeit mit Wagner übernahm er wieder die U19 von Unterhaching, bevor es ihn letztlich im Jahr 2024 zum Nachwuchs des SSV Ulm zog. Seit März diesen Jahres ist er nun das erste Mal in seiner Karriere der Cheftrainer eines Profivereins. Mit den Spatzen möchte Lechleiter offensiven und mutigen Fußball spielen, der die Ulmer in der Zweitklassigkeit halten soll.

Lechleiter legt weiter sehr viel Wert auf das Teamgefüge und darauf, dass die Spieler zusammenpassen. Seine mutige Spielidee des offensiven Fußballs könnte auch von Ex-Liverpool-Trainer Jürgen Klopp inspiriert sein. Bei Klopp und den Reds durfte Lechleiter nämlich für eine Woche hospitieren. Die Fans der Ulmer hätten bestimmt nichts dagegen, künftig einen Hauch von Liverpool in ihrem Donaustadion zu spüren…

Foto: Eibner-Pressefoto/Jan Prihoda

Prunkstück

Die Stärken der Ulmer liegen vor allem im Kampf und im Einsatz. Im Bereich der gewonnenen Zweikämpfe haben die Spatzen mit 2.832 den drittbesten Wert der 2. Bundesliga. Nur Elversberg (2.835) und der SSV Jahn Regensburg (2.883) haben mehr Zweikämpfe gewonnen. Zudem spulten die Donauschwaben mit insgesamt 3.039 Kilometern bisher die fünftmeisten Kilometer der 2. Bundesliga ab. Aber nicht nur in kämpferischen Bereichen können die Ulmer überzeugen: Stolze fünfmal erzielten sie schon per Elfmeter ein Tor bei keinem Fehlschuss. Damit teilen sie sich in dieser Kategorie den zweiten Platz mit Hertha BSC hinter Fortuna Düsseldorf (7).

All Eyes on ...

Als am 04. Mai 2024 der Schlusspfiff ertönte, wurde gejubelt, gefeiert, gelacht und geweint. Der SSV Ulm hatte es wirklich geschafft: Den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga. Christian Ortag, dem Torwart des SSV Ulm, war an diesem Tag allerdings nur noch eines wichtig: So schnell wie möglich runter vom Platz, weg von der Mannschaft und raus aus dem Donaustadion. Der Grund dafür war besonders: Seine Frau Laura befand sich in den Wehen.

„In der ersten Halbzeit ging es los, aber in der zweiten dann so richtig“, berichtete Ortag. Doch auf dem Platz bekam er davon kaum etwas mit. Glücklicherweise informierte ihn später sein Torwartkollege Lorenz Otto darüber. Der 2:0-Sieg gegen Viktoria Köln und die anschließende Aufstiegsparty interessierten Ortag zu diesem Zeitpunkt kaum noch: „Mein Kopf war sofort auf das Thema Familie fokussiert – wie komme ich jetzt schnell zu meiner Frau? (…) Wir waren überglücklich, dass es zeitlich so gut gepasst hat, dass wir es zusammen ins Krankenhaus geschafft haben“, erklärte er. Dort dauerte es nur 45 Minuten, bis ihr zweiter Sohn, Nick, das Licht der Welt erblickte.

Die Aufstiegsfeier holte er etwas später nach. „Als ich aus dem Krankenhaus kam, habe ich mich den Jungs noch in der Stadt angeschlossen. Aber in Sachen Alkohol hatten die Jungs schon einen Vorsprung“, schmunzelte Ortag.

Gegenwart. In der 2. Bundesliga gehört der Keeper fest zum Stammpersonal der Spatzen – er verlängerte seinen Vertrag in dieser Saison bis 2028, obwohl er drei Monate wegen einem Schlüsselbeinbruch pausieren musste. Jetzt ist er jedoch wieder topfit und hilft seinem Team mit wichtigen Paraden. „Chris Ortag ist für uns ein immens wichtiger Spieler und Charakter. Er verkörpert die Werte unseres Vereins und der Mannschaft und hat in den letzten Jahren herausragende Leistungen gebracht. An den Erfolgen, die wir gemeinsam feiern konnten, hat er einen sehr großen Anteil.“, kommentierte SSV-Geschäftsführer Markus Thiele die Bedeutung des Torhüters im Rahmen seiner Vertragsverlängerung.

Foto: Eibner-Pressefoto/Oliver Schmidt

Blick in die Vitrine des SSV Ulm

  • Deutscher Drittliga Meister: 2023/24
  • Meister Regionalliga Südwest: 2022/23
  • Landespokalsieger: 1956/57, 1981/82, 1982/83, 1991/92, 1993/93, 1994/95, 1996/97, 2017/18, 2018/19, 2019/20, 2020/21
  • Deutscher Amateurmeister: 1995/96

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