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21.01.2024 / Profis

Die erste Etappe

Seit dem Dezember 2020 wird in der TV-Übertragung eines Bundesligaspiels immer auch eine Statistik eingeblendet, die eine Übersicht über die jeweils schnellsten Spieler der Partie gibt. Zu diesem Zweck wird die Maximalgeschwindigkeit eines jeden Akteurs auf dem Spielfeld gemessen und ausgewertet. Leider sind die Cheftrainer nicht in diese Messung inkludiert. Denn es wäre mit Sicherheit interessant gewesen, in welchem Tempo Torsten Lieberknecht nach dem Ausgleichstreffer seines Teams in der 95. Minute zur blau-weißen Jubeltraube sprintete, um dieses Glücksgefühl gemeinsam zu feiern. Aber auch ohne statistische Auswertung war dieser Moment eine ganz besondere Szene zum Abschluss einer besonderen Begegnung. Die mit einem Punktgewinn für die Lilien endete und damit den Startschuss gab für den Rückrunden-Marathon, der vor Sprinter Lieberknecht und seiner Mannschaft liegt.

Foto: Holtzem

Energiequelle

„Moralisch muss das Kraft geben für alles, was noch kommt“, erklärte der Cheftrainer wenig später angesichts des Schlussakkords eines Derbys, das für die Südhessen deutlich mehr sein könnte als der eine Zähler, den sie sich durch das 2:2 auf ihr Konto gutschreiben konnten. Eine Energiequelle vor den anstehenden 16 weiteren Etappen. Auch der umjubelte Last-Minute-Torschütze Christoph Klarer blieb im symbolischen Bild der Lilien-Läufer und sprach von „einem wichtigen Schritt in die richtige Richtung.“ Die richtige Richtung? Für einen Tabellenletzten ist das selbstverständlich der Weg nach oben. Das Ziel? Eine Platzierung über dem ominösen Strich. „Für dieses Ziel brauchen wir ein paar Punkte mehr als in der Hinrunde“, bilanzierte Marcel Schuhen treffend, bevor er anfügte: „Heute haben wir damit angefangen, aber es wartet noch ein ganz langer Weg.“

Es wartet noch ein ganz langer Weg

Marcel Schuhen nach dem Derby

1/17 der Gesamtstrecke

Es war durchaus auffällig, dass alle Protagonisten mit der Lilie auf der Brust, trotz der positiven Emotionen des späten Ausgleichs, die Partie sofort in den Gesamtkontext einordneten. Als 1/17 der Gesamtstrecke. „Es fühlt sich zwar nach mehr an, aber es ist trotzdem nur ein Punkt“, resümierte auch Fabian Holland, sprach gleichzeitig aber auch von einem „guten Anfang“. Wieder so ein Wort, das für den Weg steht, den der SV 98 weiterhin gehen möchte.

Im südhessischen Rucksack für diese Strecke steckt neben den 11 Punkten dabei definitiv auch das gute Gefühl, welches jede Lilie am Samstag mit nach Hause nahm. „Speziell in einem Mannschaftssport ist so etwas sehr wichtig. Das Spiel hat uns gezeigt, dass im Fußball alles möglich ist, wenn die Energie da ist“, so Schuhen, der in diese Energie auch explizit die Fans mit einschloss: „Nach dem 1:2 ist das komplette Stadion explodiert. Und das war genau das, was wir gebraucht haben. Heute war das wahre Böllenfalltor zu sehen.“

Wie ein Marathonläufer, der die letzten Prozente aus den Anfeuerungen der Massen am Straßenrand zieht, ließen sich die Lilien nach ihrem Anschlusstreffer von den eigenen Anhängern nach vorne tragen. Auch Lieberknecht sprach später von der „Energie des Stadions“, während Klarer bilanzierte: „So laut habe ich das Stadion noch nie erlebt.“

Ein Marathon bis zum 18. Mai

Es war dieser Mix aus unbändigem Willen, dem absoluten Glauben und den motivierenden Einflüssen von außen, der den SV 98 auf den letzten Metern dieses Spiels noch einmal an den Kontrahenten heranbrachte und den zwischenzeitlich großen Rückstand aufholen ließ. Der Schlussspurt vom Böllenfalltor? Er markiert den Auftakt einer Rückrunde, die nun so richtig begonnen hat. Es wird Leidensfähigkeit brauchen auf dem langen Weg bis zum Zieleinlauf am 18. Mai. Momente des Schmerzes und des Überwindens. Doch mit einer Leistung wie vor allem iim zweiten Durchgang gegen Frankfurt können die Lilien diese Strecke auf jeden Fall bewältigen. Abschnitt 2/17 wartet am nächsten Sonntag in Berlin.  

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