„Eine hochverdiente Niederlage“
Wir haben die Stimmen nach der deutlichen Auswärtsniederlage beim KSC zusammengefasst.
Am Samstag (4.10./13.30 Uhr) reist der SV Darmstadt 98 zu Holstein Kiel. Wir haben die wichtigsten Informationen aus der Pressekonferenz vor dem Spiel für Euch zusammengefasst.
Personalupdate: Alle Spieler sind einsatzbereit
Kiel ist für mich eine Mannschaft, die ein ganz schweres Startprogramm hatte. Sechs der Sieben Mannschaften, gegen die sie gespielt haben, kommen aus dem oberen Tabellendrittel. Wir sind der dritte Tabellenführer, gegen den sie spielen. Sie haben nicht unbedingt davon gesprochen, dass sie einen Umbruch brauchen, sondern relativ offen davon gesprochen, dass sie wieder aufsteigen wollen. Sie haben dementsprechend auch vorige Saison investiert. Und das sieht man auch in den Spielen.
Sie haben seit langen Jahren einen Trainer, der für eine klare Idee steht. Sie sind eine Mannschaft, die sehr physisch ist, sie sind im Bereich intensive Läufe Erster in der Liga – sowohl was High-Speed-Runs als auch was Sprints angeht. Die Kieler laufen sehr viel – mit und gegen den Ball. Sie spielen in der Regel aus der Dreierkette heraus und haben rechts vor der Dreierkette mit Bernhardsson einen offensiven Spieler, der zu den Top-Spielern der Liga gehört. Kiel hat eine klare Idee, wie sie pressen wollen – gerade in Heimspielen gehen sie höher drauf als in Auswärtsspielen. Ich erwarte eine Mannschaft, die uns versuchen wird, physisch zu erdrücken, die sehr klar und schnell in die Spitze spielt und dabei sehr zielstrebig ist. Das ist ein harter Brocken, der da im Norden auf uns wartet.
Die Bilanz gegen Kiel interessiert mich überhaupt nicht, weil ich bei den Spielen nicht dabei war. Kiel ist jetzt nicht direkt neben Bremen, deswegen ist das auch keine Heimat für mich. Aber man kennt Kiel – es ist ein Traditionsverein im Norden. Sie haben in den letzten Jahren gute Arbeit gemacht. Da habe ich großen Respekt, auch vor der grundsätzlichen Entwicklung des Vereins. Ein netter, alter Bekannter von mir, Finn Bartels, hat dort seine Karriere beendet. Ein ehemaliger Spieler, Patrick Erras, spielt dort. Ein paar Anknüpfungspunkte gibt es, aber ich bin weit davon entfernt, dass ich unglaublich viel damit verbinde.
Du kannst in der Liga ganz schwer Ausgänge von Spielen voraussagen, weil jede Mannschaft Qualitäten hat, mit denen sie Spiele gewinnen kann. Was spannend ist: Wir haben schon gegen ganz unterschiedliche Gegner gespielt und sehr häufig unterschiedliche Lösungen gefunden.
Unsere Spielidee ist darauf ausgerichtet, dass wir, wenn es notwendig ist, einen Gegner ausspielen können, dass wir in der Lage sind, einem Gegner über Balleroberungen weh zu tun – und auch in der Lage sind, in gewissen Phasen des Spiels kompakt zu stehen. In der ersten Halbzeit hatten wir deutlich an die 55 % Ballbesitz, und dann gegen Ende der zweiten Halbzeit weniger. Was darauf hindeutet, dass wir in der Lage sind, ein Spiel kompakt zu Ende zu spielen. Was immer etwas aussagt, ist die Form der Mannschaft. Und da hatte Kiel häufig Gegner, die mit einem Formhoch kamen. Dahingehend muss man deren Tabellenplatz ein Stück weit relativieren.
Ich freue mich über jeden, der auf dem Trainingsplatz ist. Aber jeder, der spielfähig war, hatte in der Saison schon seinen Moment. Luca Marseiler kommt in Düsseldorf rein und hat drei Torbeteiligungen. Oder Matej Maglica gegen Braunschweig.
Das sind immer wieder wechselnde Spieler, die dann für Highlights sorgen. Damit sehen die Spieler auch, dass es sich lohnt, dranzubleiben. Wir sind im Oktober und es gibt noch keinen Spieler, der gesagt hat: Dann bin ich halt die Nummer 16–19 im Kader. Das hatte ich in meiner Trainerlaufbahn noch nie. Trotz unserer klaren Achse und klaren Struktur kratzen die anderen im positiven Sinne. Und trotzdem haben wir menschlich einen sehr guten Umgang. Wir müssen die Spieler abholen – nicht aus taktischen Gründen, sondern weil wir jeden brauchen. Eine der größten Stärken in diesem Jahr ist die Gruppe, und daran haben wir viel gearbeitet.
Auf der einen Seite ist es auch ein Quäntchen Glück, dass wir keine Verletzten haben. Das Spiel ist intensiver und belastender für die Spieler geworden.
Andersrum glaube ich auch, dass das ein Thema ist, das ich Paul Fernie auf die Fahne schreiben würde. Wir schieben das im Tandem sehr stark an. Wir haben unheimlich viele Strukturen verändert – seien es Meetingstrukturen oder das Athletenmanagement-System, das wir installiert haben.
Jeder weiß um die Spieler Bescheid: der Trainer, der Physio, genauso der Athletiktrainer. Wir müssen immer erst denken: Was ist wichtig und gut für den Spieler? Das wird nicht immer funktionieren. Aber ich glaube, dass wir die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht haben, dass wir weniger Verletzungen haben. Ich bin sehr zufrieden, dass wir auch diese Entwicklung in dem Bereich nachhaltig anschieben konnten.
Die beiden (Fraser und Lidberg) wissen sehr genau, dass sie auch hier Phasen hatten, in denen sie nicht so glänzen konnten wie zuletzt. Das ist auf der einen Seite total ihr Verdienst, weil sie absolut bereit sind, dafür alles zu geben. Die beiden – und Killian Corredor – sind die drei intensivsten Spieler des letzten Spiels.
Aber die drei wissen genau: All das geht nur, weil die Mannschaft aus einer sehr guten Organisation heraus die Dinge für sie vorbereitet. Und so geben sie sich intern. Da muss ich niemanden aus dem Rampenlicht holen.
Die Stimmung ist gut. Das ist auch in Ordnung, wenn man die Punkte geholt hat, wie wir sie geholt haben. Ehrlich gesagt spielt das für das Spiel in Kiel aber keine Rolle. Wir wissen, dass es ein sehr schweres Auswärtsspiel ist.
Wir haben bewusst eine lange Trainingswoche gemacht, weil wir spüren, dass wir konzentriert und mit Selbstvertrauen weiterarbeiten wollen. Das ist ein wirklich sehr schweres Spiel in Kiel – aber wir gehen auch mit dem Selbstvertrauen heran, dass wir in den letzten Wochen verschiedenste, aber immer wieder passende Lösungen gefunden haben.