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20.08.2025 / Profis

Hertha BSC im Gegnercheck

Wir schreiben das Jahr 1926. Der drittälteste Profiklub in Deutschland, Hertha BSC, steht im Endspiel um die deutsche Meisterschaft gegen die SpVgg Greuther Fürth. Am Ende heißt es 1:4 aus Berliner Sicht. Ein Jahr später folgt die nächste Chance, diesmal gegen den 1. FC Nürnberg, doch erneut reicht es nicht. Die Alte Dame verliert mit 0:2. 1928 steht Hertha BSC wieder im Finale, nun gegen den Hamburger SV. Es ist ein Spiel auf Augenhöhe, das mit 2:3 verloren geht. Und auch im vierten Anlauf, 1929, bleibt der Titel außer Reichweite, als die SpVgg Greuther Fürth erneut zum Stolperstein wird und die Berliner mit 3:2 besiegt. Doch diese Geschichte erzählt nicht nur von vier verlorenen Endspielen in Serie. Sie erzählt vor allem davon, wie Hertha BSC im fünften Anlauf allen Rückschlägen trotzt, erneut das Finale erreicht und dort gegen Holstein Kiel bei brütender Hitze vor 40.000 Zuschauern in Düsseldorf mit 5:4 triumphiert. Der ersehnte Meistertitel wird endlich nach Berlin geholt - ein Moment, der sich tief ins Gedächtnis des Vereins und seiner Anhänger eingebrannt hat. Am Sonntag (24.8./13.30 Uhr) empfängt der SV Darmstadt 98 die Alte Dame und wir stellen Euch den Verein noch etwas genauer vor.

Hertha BSC
Foto: DFL/Getty Images/Fabio Deinert

Allein diese Episode macht deutlich, wie sehr Hertha BSC von Höhen und Tiefen geprägt ist. Nach einer Phase der Unruhe und existenziellen Herausforderungen musste die Alte Dame im Mai 2023 nach zehn Jahren Erstklassigkeit den bitteren Weg in die zweite Bundesliga antreten. Nun versucht der Club mit neuer Führung, klaren Werten und einer nachhaltigen Strategie wieder an frühere Erfolge anzuknüpfen und seinen Platz im deutschen Fußball zu behaupten.

Transferfenster

Top-Zugänge Top-Abgänge
Dawid Kownacki (von Werder Bremen, Stürmer) Ibrahim Maza (zu Bayer 04 Leverkusen, Mittelfeld)
Paul Seguin (vom FC Schalke 04, Mittelfeld) Derry Scherhant (zum SC Freiburg, Linksaußen)
Niklas Kolbe (vom SSV Ulm, Verteidiger) Bradley Ibrahim (zu Plymouth Argyle, Mittelfeld)
Maurice Krattenmacher (Leihe vom FC Bayern München, Mittelfeld) Jonjoe Kenny (zu PAOK Saloniki, Verteidiger)
Leon Jensen (vom Karlsruher SC, Mittelfeld) Palkó Dárdai (zu Puskás AFC, Rechtsaußen)

Der Trainer

Stefan Leitl, Cheftrainer von Hertha BSC

Stefan Leitl

Cheftrainer von Hertha BSC
  • Geburtsdatum (Alter): 29.8.1977 (47)
  • Geburtsort: München
  • Nationalität: Deutschland
  • Im Amt seit: 17.2.2025
  • Erste Station als Cheftrainer: FC Ingolstadt
  • Weitere Trainerstationen: Greuther Fürth, Hannover 96

Prunkstück

Wenn man den ersten beiden Spieltagen bereits eine gewisse Aussagekraft zuschreibt, dann fällt bei der Hertha aus Berlin besonders eines ins Auge: Sie haben den Ball – und lassen den Gegner laufen. Mit durchschnittlich 54 Prozent Ballbesitz stellen die Berliner aktuell den drittbesten Wert der Liga. Mehr Ballkontrolle verzeichnen lediglich Preußen Münster (56 Prozent) und Dynamo Dresden (59 Prozent).

All Eyes on ...

Räucherstäbchen erfüllen die Wohnung mit einem leicht verbrannten Duft, während eine Klangschale schwingende und bewegende Töne erklingen lässt. Unter den Füßen sorgt eine Stachelmatte für eine bessere Durchblutung. Ergänzt wird dieses ungewöhnliche Programm durch Übungen mit dem Samurai-Schwert, die Koordination und Selbstbewusstsein stärken sollen.

Was klingt wie ein Ritual eines Schamanen, ist tatsächlich Teil der Spieltagsvorbereitung von Michael Cuisance – so berichtete es die BILD im Oktober 2024. Schon daran erkennt man, dass Cuisance ein Fußballer ist, der bereit ist, alles auszuprobieren, um erfolgreich zu sein. Und offenbar zahlt sich die Arbeit mit seinem Mentalcoach Benjamin Berg aus. „Ich merke, dass ich entspannt bin und den Kopf frei habe“, erklärte er.

Auch seine sportliche Laufbahn zeugt von großem Ehrgeiz. Entdeckt bei Borussia Mönchengladbach, wechselte er mit 20 Jahren zum großen FC Bayern München. Doch wie er selbst rückblickend einräumte, kam der Schritt zu früh: „Ich war sehr jung. Wenn du mit 18 oder 19 Jahren einen Vertrag bei Bayern hast, ist es schwer, den Fokus zu behalten. Manchmal habe ich gedacht: Ich spiele bei Bayern, jetzt kann ich weniger machen.“ Als sich seine Zeit dort dem Ende zuneigte, folgte eine Leihe zu Olympique Marseille, wo er viel Kritik einstecken musste: „Ich habe schwierige Dinge erlebt, bei denen manche aufgegeben hätten, wie mein Jahr in Marseille“, sagte Cuisance dem Portal transfermarkt.de.

Über mehrere Stationen in Italien fand er schließlich den Weg zum VfL Osnabrück. Dort ging es mit seiner Karriere wieder bergauf und Cuisance betonte, dass er den Spaß am Fußball zurückgewonnen habe. Im Sommer 2024 wechselte er zu Hertha BSC – und dort scheint er nun angekommen zu sein. In der Saison 2024/25 avancierte er zum Leistungsträger und steuerte in 32 Zweitliga-Spielen sechs Tore sowie sieben Vorlagen bei.

„Micka besitzt außergewöhnliche Qualitäten am Ball und hat unseren Fans mit seiner Spielweise und Kreativität schon viel Spaß bereitet. Darüber hinaus identifiziert er sich total mit dem Verein und der Stadt“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber im Rahmen der Vertragsverlängerung von Cuisance im Mai 2025. Die Herthaner freuen sich mit Sicherheit, dass Cuisance weiterhin die Fans mit seinem Fußball verzaubert. Wie ein echter Schamane eben.

Michael Cuisance (Hertha BSC, #10) am Ball, waehrend ein Becher aus den Zuschauerrangen auf dem Spielfeld liegt.
Foto: Eibner-Pressefoto/Scott Coleman

Blick in die Hertha-Vitrine

  • Deutscher Meister: 1929/30, 1930/31
  • Deutscher Zweitligameister: 1989/90, 2010/11, 2012/13
  • Deutscher Ligapokalsieger: 2001/02, 2002/03
  • Landespokalsieger: 1919/20, 1923/24, 1927/28, 1928/29, 1932/33, 1942/43, 1957/58, 1958/59, 1965/66, 1966/67, 1986/87

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