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14.02.2026 / Profis

Mentalitätsmonster

Anlässlich der derzeitigen närrischen Jahreszeit bildete der TV-Sender SKY die Lilien vor dem Anpfiff in Braunschweig graphisch in blau-weißen Kostümen ab. Als Mentalitätsmonster verkleidet wurden die Südhessen dargestellt, angesichts der zahlreichen Comeback-Momente in der bisherigen Saison. Die Darmstädter machten diesem Ruf auch in Braunschweig alle Ehre und sicherten sich nach einem 0:2-Rückstand einen weiteren Zähler. Und das trotz der Ausfälle ihrer Top-Scorer. Wir blicken in unserer Analyse auf eine unterhaltsame Partie zurück.

Szene des Spiels:

Der Ausgleichstreffer von Matej Maglica in der 78. Minute. Noch in der Halbzeitpause hatte vieles darauf hingedeutet, dass die Ungeschlagen-Serie der Lilien an diesem Samstagnachmittag reißen würde. Doch die Südhessen fanden auch in Braunschweig einen Weg zurück in die Partie, mit gleich zwei Treffern sorgte Innenverteidiger Maglica für das Comeback seiner Farben. 

„Die Tore freuen mich natürlich sehr“, so der 27-jährige Kroate, der beim Ausgleichstreffer eine Standardvariante des SV 98 veredelte. „Das war super herausgespielt“, erklärte Florian Kohfeldt mit Blick auf die Entstehung beider Tore im zweiten Durchgang. „Das war genauso geplant.“ Ein Sonderlob vom Cheftrainer erhielt daher Co-Trainer Darius Scholtysik, der unter der Woche ebendiese Varianten mit der Mannschaft einstudiert hatte. Eine gefühlvolle Lopez-Flanke verlängerte Killian Corredor auf den langen Pfosten, wo Maglica im Stile eines Torjägers vollendete. Dieser Treffer sorgte schlussendlich für einen weiteren Darmstädter Punktgewinn und für den verdienten Lohn nach einem wirklich starken Auftritt im zweiten Durchgang. 

Das lief gut:

Die Moral. Satte 15 Punkte sammelten die Lilien in dieser Saison bereits nach Rückstand. Einsamer Bestwert in der 2. Liga. Und das, obwohl die Südhessen überhaupt erst neun Mal ins Hintertreffen gerieten. Eine Zahl, die nur von drei anderen Teams unterboten werden kann. Als „Mentalitätsmonster“ titulierte Fernsehsender SKY die Kohfeldt-Mannschaft bereits vor dem Anpfiff, es folgte ein erneuter Nachweis für diese Bezeichnung. „Ich muss die Mannschaft brutal loben, dass sie unter diesen Umständen nach einem 0:2 nochmal zurückgekommen ist“, fasste Kohfeldt nach Abpiff zusammen. Nachfolgend konkretisierte der Cheftrainer ebendiese Umstände: „Die Voraussetzungen waren eigentlich katastrophal. Es war viel angerichtet für eine Niederlage. Der Gegner, die Rahmenbedingungen, dazu haben wir am Mittwoch mit nur elf Mann trainiert. Es waren viele Leute krank, bei denen wir heute nicht wussten, ob sie 90 Minuten durchhalten können. Gestern haben wir entschieden, dass Isac nicht mitfährt, dann wurde Fraser heute Nacht krank. Dazu kommen dann diese beiden Gegentore.“ 

Doch die Lilien schüttelten sich all diese Dinge in der Halbzeit aus den Klamotten, bestimmten den kompletten zweiten Durchgang das Spielgeschehen und belohnten sich mit einem Auswärtszähler. „Hier ein 0:2 aufzuholen, das finde ich herausragend“, so Marcel Schuhen und auch Doppeltorschütze Maglica machte seinen Teamkollegen für diesen Turnaround ein „Riesenkompliment.“ 

Selbstverständlich hätten die Lilien gerne auf den Pausenrückstand verzichtet. Der Umgang damit war dann aber aller Ehren wert. 

Das Herausspielen von Chancen. Auf seifigem Untergund und gegen einen sehr aggressiven und zweikampfstarken Gegner gelang es den Lilien auch in Abwesenheit von Lidberg und Hornby immer wieder, sich gefährliche Offensivaktionen zu erspielen. Insbesondere Killian Corredor hatte schon in der ersten Halbzeit nach schönen Spielzügen in zwei Szenen die große Möglichkeit auf einen Treffer, scheiterte aber jeweils am starken Eintracht-Keeper Hoffmann. Auch in vielen weiteren Momenten gelang es dem SV 98, den Ball im strukturierten Aufbauspiel in die gefährlichen Räume zu bringen, in einigen Situationen fehlte es dann jedoch an der richtigen Entscheidungsfindung. „Trotz der Ausfälle von Isac und Fraser waren wir offensiv sehr gefährlich“, resümmierte dann auch Marcel Schuhen und Kohfeldt betonte, dass seine Mannschaft sich immer wieder „Chancen kreieren“ konnte. Allein deren Verwertung ließ speziell vor dem Seitenwechsel zu wünschen übrig, mehr dazu im folgenden Abschnitt.  

Das lief nicht gut:

Die Chancenverwertung: „Wir stehen zwei Mal frei vor dem Tor, das ist viel für ein Zweitliga-Spiel. Da müssen wir Tore machen.“ Florian Kohfeldt fasste die Szenen des ersten Durchgangs prägnant zusammen. Eine Führung hätte den Lilien naturgemäß in die Karten gespielt, so kam es wie so häufig im Profifußball. Vorne ließen die Südhessen zwei dicke Gelegenheiten aus, hinten folgte kurz vor dem Pausenpfiff die doppelte Bestrafung. „Die Führung zur Pause war eher glücklich“, gestand Braunschweig-Trainer Heiner Backhaus ein, doch beim SV 98 wussten sie genau, dass sie selbst für den Rückstand verantwortlich zeichneten. Offensiv nicht effektiv genug, defensiv in zwei Momenten unaufmerksam.

Denn mindestens so ärgerlich wie die vergebenen Chancen waren die beiden Situationen, die zu den Gegentoren führten. Beide Treffer wurden durch lange Einwürfe der Gastgeber eingeleitet. Zunächst hielt Hiroki Akiyama seinen Gegenspieler ein wenig zu lange am Trikot fest, der folgende Elfmeterpfiff war gerechtfertigt. Und nur vier Minuten später ließen gleich mehrere Aktuere den Torschützen Johan Gomez aus den Augen, sodass dieser zum 2:0 erhöhen konnte. „So dürfen wir uns bei den Einwürfen natürlich nicht anstellen. Wir hatten vorher angesprochen, dass sie weite Einwürfe haben. Trotzdem waren wir zwei Mal nicht zu einhundert Prozent da, auf diesem Niveau passieren dann zwei Gegentore“, erklärte Maglica, während Kohfeldt zusammenfasste: „Da haben wir entscheidende Fehler gemacht.“

Fehler, die EIntracht Braunschweig eiskalt bestrafte und durch die sich der SV 98 eine weitesgehend gute erste Halbzeit kaputtmachte. 

Die erneuten Ausfälle. Es ist ein Thema, das den SV 98 nun schon seit einigen Wochen verfolgt. Kurzfristige Ausfälle. In der Vorwoche traf es den Top-Torschützen Isac Lidberg, der aufgrund von Oberschenkelproblemen in Braunschweig sein zweites Spiel in Folge verpasste. Doch dazu gesellte sich am Samstagmorgen auch noch Fraser Hornby, der krankheitsbedingt kurzfristig passen musste. Den Lilien fehlten in Braunschweig somit satte 28 Scorerpunkte. „Wir fangen das in der Gruppe auf“, so Marcel Schuhen, der aber auch anmerkte, „aber es ist klar, dass Fraser und Isac herausragende Spieler sind.“ Auch Maglica wurde auf das Fehlen der Top-Scorer angesprochen und gestand: „Das sind zwei sehr wichtige Spieler für uns. Natürlich verändert sich das Spiel, wenn Isac und Fraser fehlen.“

In Braunschweig startete Killian Corredor erstmals nach längerer Verletzungspause (womit wir wieder beim Thema wären) und zeigte in der Sturmspitze einen durchaus ansprechenden Auftritt, dem in zwei Momenten die Krönung in Form eines Treffers versagt blieb. Und auch Merveile Papela zeigte auf der offensiveren Position eine ordentliche Leistung. Die Lilien finden immer wieder Lösungen, um das Fehlen von Leistungsträgern zu kompensieren. Noch schöner wäre es natürlich, wenn sie zukünftig gar nicht erst nach solchen Lösungen suchen müssten. Positiv: Sowohl bei Lidberg als auch bei Hornby besteht eine gute Chance, dass sie im Heimspiel gegen Düsseldorf wieder auf dem Platz stehen können.

Zitat des Tages

Der Punkt kann noch wichtig sein.

Marcel Schuhen

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