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05.08.2024 / Profis

Ohne Fortune gegen Fortuna

Was für eine Szenerie, die sich in der 68. Spielminute im Merck-Stadion am Böllenfalltor abspielte. Eine Szenerie, die sinnbildlich für die gesamten 90 Minuten bei der 0:2-Niederlage des SV Darmstadt 98 gegen Fortuna Düsseldorf stehen konnte. Ein scharf getretener Eckball von Paul Will landete perfekt auf dem Schädel von Fraser Hornby, der das Spielgerät kraftvoll in Richtung des Düsseldorfer Tores drückte und Florian Kastenmeier zu seiner ersten von zwei Glanzparaden zwang. Denn für den direkt darauffolgenden Abpraller stand Kai Klefisch goldrichtig, aber auch er scheiterte mit seinem wuchtigen Abschluss am Keeper der Fortunen. Unglücklich. Genau das Adjektiv, welches sowohl diese Szenerie der 68. Spielminute als auch die Auftaktniederlage des SV 98 wohl am besten beschreibt.

Foto: DFL/Getty Images/Christian Kaspar-Bartke

„Die Niederlage ist unglücklich“, sagte Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach der Partie. Auch der Cheftrainer wählte dieses Adjektiv, um das 0:2 am ersten Zweitliga-Spieltag der Saison 2024/25 zu beschreiben. Paul Will und Klaus Gjasula entschieden sich derweil in ihren Zusammenfassungen für das Wort „bitter“, um den Spielverlauf und den Pflichtspielauftakt aus Lilien-Sicht zu bilanzieren. Es war zwar kein spielerisches Feuerwerk, das beide Seiten im ersten Pflichtspiel 2024/25 ablieferten. Verständlich, wenn man die runderneuerte Lilien-Mannschaft und das Relegations-Rückspiel der Fortuna berücksichtigt. Beide Teams waren in der Findungsphase. Aber insgesamt erlebten die Zuschauer im Merck-Stadion am Böllenfalltor eine Partie auf Augenhöhe.

Mindestens ebenbürtig

Weil die Darmstädter in einem ausgeglichenen Spiel lange gut mithielten und die individuelle Klasse von enorm reif wirkenden Fortunen lange einschränkten. Und das gegen einen Gegner wohlgemerkt, der in der vergangenen Saison denkbar knapp im Elfmeterschießen des Relegationsrückspiels den Bundesliga-Aufstieg verpasste und auch in diesem Jahr keinen Hehl daraus macht, wieder um die ganz oberen Plätze mitspielen zu wollen. „Düsseldorf ist sicherlich keine Laufkundschaft“, analysierte daher auch Gjasula kurz und knapp. Doch so richtig feldüberlegende Vorteile konnte sich am Sonntagmittag keine der beiden Mannschaften erspielen. Die gleiche Anzahl an Torschüssen (11:11), ein nahezu identischer Ballbesitzanteil mit leichten Vorteilen aufgrund der Überzahlsituation in der Schlussphase für Düsseldorf (47:53 Prozent).

Das Eigentor zum 0:1 von Aleksandar Vukotic, der mit einer Luftzweikampfquote von einhundert Prozent sowie einer ansonsten guten Leistung zu überzeugen wusste, leitete den unglücklichen Spielverlauf aus Lilien-Sicht ein. Dazu die vergebene Doppelchance durch Hornby und Klefisch sowie später die Rote Karte gegen den 17-jährigen Profidebütanten Othmane El Idrissi nach einem verunglückten Vukotic-Rückpass. Insgesamt dann aber doch zu viele unglückliche Szenen, um trotz leidenschaftlichen Auftretens gegen Fortuna Düsseldorf zu punkten. Klar, alles nur auf Unglück zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen: Nach einer absolut akzeptablen ersten Hälfte kamen die Hausherren nicht gut in den zweiten Durchgang rein. Und die vielen aussichtsreichen Gelegenheiten und Möglichkeiten resultierten noch zu selten in echte Chancen.

Foto: Stefan Holtzem

„Jeder Angriff wird gefeiert, jedes Kämpfen honoriert!“

Dieses Motto hatte die Südtribüne vor dem Spiel in ihrer Choreografie vor dem Anpfiff ausgerufen. Und die Lilien auf dem Platz, die mit fünf Neuzugängen in der Startelf aufwarteten und später noch drei weitere Pflichtspieldebütanten einwechselten, sorgten mit ihrer vor allem im ersten Spielabschnitt sehr ordentlichen Leistung auf dem Rasen dafür, dass die Fans auf den Rängen das Motto durch Applaus und lautstarker Anfeuerung mit Leben füllen konnten. Kampf und Einsatz stimmten im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Mit 55:45 Prozent zeigte die Zweikampfquote sowie die Luftzweikampfquote mit 76:24 Prozent sogar noch deutlicher in Richtung der Darmstädter. „Es war eine insgesamt leidenschaftliche Leistung meiner Mannschaft, die auch vom Publikum honoriert worden ist“, betonte Lieberknecht. Gjasula schlug mit seinen Worten in eine ähnliche Richtung und sagte: „Wir wären gerne mit Punkten vor unseren Fans, die uns fantastisch unterstützt haben, in die Saison gestartet.“

Mund abputzen, weiter geht’s

So lautet dann wohl das Motto für die neue Woche, an deren Ende das Auswärtsspiel beim SC Paderborn (11.8./13.30 Uhr) wartet. „Es gibt noch Potential nach oben“, erklärte Will an den Mikrofonen. Die Durchschlagskraft und das Ausnutzen von Torchancen in der Offensive zum Beispiel oder das noch konzentrierte Verteidigen im eigenen Sechszehner. Das gilt es, in dieser Trainingswoche anzupacken und sich in Paderborn mit einem ähnlich leidenschaftlichen Auftreten zu belohnen. Gjasula: „Nun wollen wir in Paderborn punkten, um so richtig in der Saison anzukommen.“ Und aus dem Adjektiv „unglücklich“ durch das Weglassen der ersten beiden Buchstaben für eine positivere Überschrift nach dem zweiten Spieltag zu sorgen.

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