SV 98: Sandro, vor zehn Jahren hast Du gegen Eintracht Frankfurt die vielleicht schönste Flanke deiner Karriere geschlagen und damit das Hessenderby entschieden. Die folgende Frage hast du wahrscheinlich schon unzählige Male gehört: War der Ball so gewollt?
Sandro Sirigu: Das hast Du schön beschrieben. Ich habe eigentlich nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Ball so nicht geplant war. Wobei die Geschichte auch immer ein bisschen von meinem Gemütszustand abhängt. Manchmal war es Absicht, manchmal eben eine Flanke (lacht). Wenn ich ehrlich bin, wollte ich den Ball eigentlich auf den zweiten Pfosten bringen. Wenn ich solche Tore bewusst hätte schießen können, hätte ich vermutlich einen ganz anderen Fußball gespielt (grinst). Umso schöner natürlich, dass der Ball reingeflogen ist. Am Ende gilt: Drin ist drin.
Was ging Dir nach diesem Tor durch den Kopf?
Das Spiel war für mich gleich in mehrfacher Hinsicht besonders. Es war mein erstes Bundesliga-Tor, dazu ein Heimspiel, ein Derby gegen die Eintracht und dann auch noch der Siegtreffer kurz vor Schluss. In diesem Moment selbst habe ich die ganze Bedeutung noch gar nicht richtig realisiert. Das kam erst nach dem Spiel. In der Kabine trudelten die ersten Nachrichten ein und langsam wurde mir bewusst, was da gerade passiert war. Was dieser Sieg und dieses Tor für die Fans und die Stadt bedeutet haben, habe ich wahrscheinlich erst am Abend im Bett so richtig verstanden. Und je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr habe ich mich darüber gefreut.
Du hast 135 Pflichtspiele für die Lilien bestritten und bist dem Verein bis heute verbunden. Was bedeutet Dir der SV 98 heute?
Darmstadt hat mein Leben komplett geprägt, sportlich, aber vor allem auch privat. Ich habe hier meine Frau kennengelernt, die sportlich beste Zeit meiner Karriere erlebt, unglaublich viele Freunde gefunden und meinen Lebensmittelpunkt in die Region verlegt. Deshalb werde ich dem Verein immer verbunden bleiben. Der SV 98 ist mein Herzensverein. Natürlich verfolge ich nach wie vor jedes Spiel der Lilien und versuche, so viel wie möglich zu schauen. Mit zwei Kindern ist das am Wochenende nicht immer ganz einfach, zumal mein Großer inzwischen selbst Fußball spielt. Aber wenn es irgendwie möglich ist, schaue ich die Spiele. Und dann freue ich mich, wenn es läuft, und ärgere mich genauso, wenn es nicht läuft.