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26.04.2026 / Profis

Bölle-Energie

Als sich Florian Kohfeldt in der Halbzeitpause der Mannschaftskabine näherte, da hörte der Cheftrainer der Lilien genau einen Satz: „It’s not finished“. Ausgesprochen hatte ihn Fraser Hornby und damit die Marschroute für seine Teamkollegen und sich selbst festgelegt. Was folgte, war eine besondere zweite Hälfte des SV 98 und ein Punkt gegen die SV Elversberg, der für die Aufstiegsträume in Südhessen zwar zu wenig sein dürfte, aber trotzdem für Stolz bei den Lilien sorgte.

"Geiler Bölle-Abend"

Mit einem massiven Nackenschlag endete die erste Hälfte aus Sicht der Darmstädter, nachdem zunächst Patric Pfeiffer in der 44. Minute des Feldes verwiesen worden war und der daraus resultierende Freistoß auf denkbar ungünstig abgefälschte Art und Weise den Weg in die Maschen fand. 2:3. Pausenpfiff. Florian Kohfeldt bezeichnete das Szenario später als „Worst-Case-Moment“ und nicht wenige Zuschauer im Merck-Stadion hätten in der Pause keinen Penny mehr auf den SV 98 gesetzt. Man konnte es ihnen nicht verübeln. Zu stark zeigten sich die Elversberger im ersten Abschnitt, zu sehr schmerzte der Schlussakkord der ersten Hälfte, zu groß wirkte die Bürde der Unterzahl gegen die Saarländer.

„Da kannst du wegbrechen“, bilanzierte auch Kohfeldt, der bei seiner Mannschaft aber das genaue Gegenteil beobachten konnte. Bereits in der 51. traf Hornby zum 3:3 und ließ damit seinem Ausspruch aus der Umkleide sofort Taten folgen. „Die Energie war eine besondere“, so Kapitän Marcel Schuhen mit Blick auf den zweiten Durchgang, in dem wirklich alle Lilien an einem Strang zogen. Auf den Platz rannten, grätschen und ackerten zehn Darmstädter im Sondertrikot – angetrieben von einem extrem lautstarken Publikum, das seinen Teil zu einem „geilen Bölle-Abend“ beitrug, wie Kohfeldt die Partie völlig zurecht titulierte.

"Eine Darmstadt-98-Leistung"

Natürlich wird man im Nachgang und in der Analyse des Spiels sehr kritisch auf den Verlauf der ersten Halbzeit blicken, in der die Lilien nach 15 Minuten bereits mit 2:0 führten, aber dennoch mit einem Rückstand in die Kabine gingen. Doch die Reaktion darauf wird die Geschichte dieses denkwürdigen Topspiels bleiben. „Ich bin unfassbar stolz darauf, wie sich die Mannschaft zurückgekämpft hat. Das war eine Darmstadt-98-Leistung“, resümierte Paul Fernie, der ergänzte: „Es ist nur ein Punkt, aber ein Sieg der Moral.“

Bei allem Stolz verschloss dennoch niemand die Augen vor der tabellarischen Realität, die den SV 98 drei Spieltage vor Saisonende mit sechs Zählern Rückstand auf Relegationsrang drei ausweist. „Die Wahrscheinlichkeit ist minimal“, erklärte Marcel Schuhen und Kohfeldt fasste zusammen: „Der Aufstieg war nie das Saisonziel, aber wenn man so lange oben dabei ist, dann schaut man natürlich, ob etwas geht. Und dieser Punkt ist zu wenig, um noch Druck auf die ersten drei Plätze zu machen.“

Lachendes Auge. Weinendes Auge.

Es ist fast ein wenig paradox, dass die Lilien an diesem Abend, an dem nahezu alle Aufstiegshoffnungen verschwanden, dennoch nicht am Boden lagen. Angesprochen auf diesen Wirrwarr aus Gefühlen an diesem Samstagabend sagte Cheftrainer Kohfeldt: „Als Fußballfan gehe ich glücklich nach Hause. Als Trainer von Darmstadt 98, der die langfristige Perspektive sieht, gehe ich glücklich nach Hause. Wenn ich nur an diese Saison denke, tut es trotzdem weh, dass mit dem Punkt der Abstand zu groß geworden ist.“

Ein Spiel als Paradebeispiel für eine lachende-Auge-weinende-Auge-Situation. Und für das, was den SV 98 und das Böllenfalltor auszeichnet. Die Power, um gemeinsam immer wieder aufzustehen. „It’s not finished.“ Realistisch gesehen trifft das auf die Aufstiegsträume in Darmstadt nicht mehr zu. Doch es könnte auch als Motto für die nächsten Schritte der Lilien herhalten. Noch warten in dieser Saison drei Spiele auf die Südhessen. Und wer die Mannschaft an diesem Abend gegen die SV Elversberg gesehen hat, der weiß: Es wird kein Austrudeln geben. Oder um es mit den Worten von Paul Fernie zu sagen: „Wir wollen noch so viele Punkte wie möglich holen.“  

Zitat des Tages:

Es ist nur ein Punkt, aber ein Sieg der Moral.

Paul Fernie

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