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20.08.2024 / Profis

Der 1. FC Nürnberg im Gegnercheck

Deutscher Rekordmeister. Wer diese beiden Wörter liest, dem schießt direkt und ohne großes Zögern der FC Bayern München in den Kopf. Deutscher Rekordmeister. Das ist der Klub aus der bayerischen Landeshauptstadt aber nicht seit jeher. Über 64 Jahre lang – bis 1987 – hatte diesen Titel der 1. FC Nürnberg inne. Mit insgesamt neun Meisterschaftserfolgen zählt der Club aus dem Frankenland noch immer zu den erfolgreichsten Mannschaften des Landes. Hinzukommen vier Titel im DFB-Pokal – den letzten Triumph feierte der FCN im Jahr 2007, als man die goldene Trophäe letztmals in den Berliner Nachthimmel strecken konnte.

Foto: DFL/Getty Images/Christian Kaspar-Bartke

Gegenwart. 2. Bundesliga. Am Ende der Saison 2018/19 stieg der 1. FC Nürnberg zum insgesamt neunten Mal in seiner seit 1900 andauernden Vereinshistorie aus der Bundesliga ab – Rekord. Seit 2020 also spielt der Club in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Rang 16, 11, 8, 14 und 12 waren die Platzierungen in der Endabrechnung der 2. Liga in den letzten Jahren. Und was geht in dieser Spielzeit? Ein konkretes Saisonziel habe der 1. FC Nürnberg nicht ausgegeben, schreibt der Bayerische Rundfunk. In dem Beitrag aus dem vergangenen Juni heißt es weiter: „Man wolle in erster Linie eine ruhige Saison spielen.“

Dafür ist der Club dann auch komfortabel in die neue Saison 2024/25 gestartet. Zwar verlor der FCN am ersten Spieltag trotz 2:0-Führung am Ende noch mit 2:3 beim Karlsruher SC. Doch konnten die Franken am zweiten Spieltag den Spieß umdrehen. Gegen den FC Schalke 04 siegte die Mannschaft von Cheftrainer Miroslav Klose nach 0:1-Rückstand noch mit 3:1. Auch im DFB-Pokal verbuchten die Clubberer ein Erfolgserlebnis. So konnten sich die Nürnberger gegen den 1. FC Saarbrücken mit 5:3 im Elfmeterschießen durchsetzen und somit in die 2. Pokalrunde einziehen.

Nun bekommt es der 1. FC Nürnberger also mit dem SV Darmstadt 98 zu tun. Vor dem Duell am Sonntag (25.8./13.30 Uhr) im Merck-Stadion am Böllenfalltor nehmen wir den Gegner der Lilien einmal genauer unter die Lupe.

Transferfenster

Top-Zugänge Top-Abgänge
Robin Knoche (Abwehr, Union Berlin) Can Uzun (Eintracht Frankfurt)
Danilo Soares (Abwehr, VfL Bochum) Jan Gyamerah (1. FC Kaiserslautern)
Michal Sevcik (Offensives Mittelfeld, Sparta Prag) Erik Wekesser (1. FC Kaiserslautern)
Julian Justvan (Offensives Mittelfeld, TSG Hoffenheim) Louis Breunig (Jahn Regensburg)
Oliver Villadsen (Abwehr, Nordsjaelland) Jannes Horn (Leihe, St. Louis City)

Der Trainer

Ein Stratege, der die Kunst des Spiels versteht, der nach Perfektion strebt und die richtigen Wege zum Erfolg kennt – das ist Miroslav Klose. Weltmeister von 2014 und WM-Rekordtorschütze. Von den Anfängen im Amateurfußball über eine der glanzvollsten Karrieren auf Vereinsebene und in der Nationalmannschaft bis auf die Trainerbank. Auf dem Spielfeld war er einst ein eiskalter Vollstrecker – er stürmte für Lautern, Werder, die Bayern und Lazio Rom. In insgesamt 668 Pflichtspielen erzielte er 258 Tore und bereite 137 weitere Treffer vor. Nun setzt “Miro“ sein Wissen auf der anderen Seite des Spielfeldes ein: Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn darf er sich nun Fußballlehrer nennen.

Den ersten Schritt machte er als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Es folgte die Arbeit im Nachwuchsbereich des FC Bayern München, wo er als U17-Trainer fungierte und seine Philosophie des dynamischen, aber disziplinierten Fußballs entwickelte. Später wurde er zum Co-Trainer der Profimannschaft im Team von Hansi Flick berufen. 

Im Sommer 2022 wagte Klose dann den nächsten Schritt und übernahm erstmals einen Cheftrainerposten – beim österreichischen Bundesligisten SCR Altach coachte er von 2022 bis 2023. Seit Juli 2024 steht der gebürtige Pole nun an der Seitenlinie des 1. FC Nürnberg. Kann Miroslav Klose, der als Spieler selbst so viele Herausforderungen meisterte und dessen Karriereweg mit so vielen Titeln gepflastert wurde, nun also auch als Trainer eine ähnlich erfolgreiche Laufbahn hinlegen?

Foto: eibner Pressefoto/Joerg Niebergall

Prunkstück

Variabilität in der Offensive. Das ist aktuell das Prunkstück des 1. FC Nürnberg. Die Franken haben aktuell fünf Saisontore auf dem Konto – nur Schalke erzielte noch einen Treffer mehr an den ersten beiden Spieltagen. Auffällig beim FCN: Alle fünf Tore knipsten fünf unterschiedliche Spieler. So durften sich bis dato sowohl Florian Pick, Lukas Schleimer und Kanji Okunuki als auch Caspar Jander sowie Rafael Lubach in den Spielberichtsbogen als Torschützen eintragen. Kein anderes Team der Liga kommt auf so viele unterschiedliche Torjäger zum Saisonstart.

All Eyes on ...

Europa- und Weltmeister mit den deutschen U17-Junioren. Und dann auch noch mit 17 Jahren in der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands debütiert. Die Rede ist von Finn Jeltsch. Ein Nachwuchstalent ohne Frage. Vielleicht der neue aufstrebende Stern des 1. FC Nürnberg? Mit seinen mittlerweile 18 Jahren beweist der talentierte Innenverteidiger, dass Träume wahr werden können – man müsse nur hart arbeiten und stets an sich glauben.

Der gebürtige Neuendettelsauer begann seine Karriere beim SV Raitersaich. Doch schon mit 9 Jahren zog es ihn in die Nachwuchsabteilung des 1. FC Nürnberg. Von da an ging es steil bergauf. Zwei Jahre lang führte er die U17 als Kapitän an, bevor im Sommer 2023 der nächste Schritt in die Richtung Herrenfußball folgte: Spiele in der A-Junioren-Bundesliga mit der U19 und erste Trainingseinheiten bei den Profis. Und das Vertrauen der sportlich Verantwortlichen war schnell gewonnen. Am 18. Februar 2024 gab Jeltsch sein Profidebüt gegen den 1. FC Kaiserslautern in der 2. Liga. „Den ersten Profivertrag bei meinem Jugendklub zu erhalten, ist für mich etwas ganz Spezielles“, sollte er später bei der Unterzeichnung seines ersten Profikontraktes mitteilen.

Während Jeltsch bei seinem Debüt auf „nur“ 45 Einsatzminuten kam, ist er seit diesem Tag aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Seit dem Lautern-Spiel hat der 18-Jährige immer gespielt – immer von Anfang an, immer über die volle Distanz. Das war ab dem 23. Spieltag der vergangenen Saison so und ist auch an den ersten drei Pflichtspieltagen der neuen Spielzeit der Fall – jeweils 90 Minuten gegen Karlsruhe und Schalke, dazu 120 Minuten gegen den FC Saarbücken. Finn Jeltsch. Das neue Abwehrjuwel des Clubs?

Foto: eibner Pressefoto/Jan Prihoda

Blick in die Vitrine

  • Deutscher Meister: 1919/20, 1920/21, 1923/24, 1926/27, 1935/36, 1947/48, 1960/61, 1967/68
  • Gründungsmitglied 1.Bundesliga: 1963/64
  • Deutscher Pokalsieger: 1935, 1939, 1962, 2007
  • Deutscher Zweitligameister: 1979/80, 1984/85, 2000/01, 2003/04
  • Intertoto-Cup-Sieger: 1968/69
  • UEFA-Cup-Teilnehmer: 1988/89, 2007/08

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