Lee wechselt nach Darmstadt
Der SV 98 hat die gesuchte Verstärkung für die Mittelstürmerposition gefunden. Hojae Lee wechselt vom südkoreanischen Erstligisten Pohang Steelers an das Böllenfalltor.
Keine Niederlage nach acht Spieltagen. 16 Punkte auf dem Konto. Ein dritter Platz in der Tabelle. Der SC Paderborn hätte wohl kaum besser in die Saison starten können. Schon am ersten Spieltag legten die Ostwestfalen einen beeindruckenden Start hin, indem sie die Hertha im Olympiastadion besiegten. Auch der Hamburger SV musste sich später im heimischen Volksparkstadion mit einem glücklichen Punkt gegen die Paderborner zufriedengeben. Es war eine Phase, in der die Mannschaft von Cheftrainer Lukas Kwasniok beinahe unaufhaltsam schien. Selbst auf die erste Saisonniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern reagierte das Team prompt mit einem 2:1-Erfolg über Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln – und auch Darmstadt mussten bereits am zweiten Spieltag in der Home-Deluxe-Arena in den sauren Apfel beißen.
Mittlerweile sind 18 Spieltage gespielt. Und der SCP rangiert mit insgesamt 28 Zählern auf dem achten Tabellenplatz in der dichtgedrängten 2. Bundesliga – mit nur drei Punkten Rückstand auf einen direkten Aufstiegsrang. Wohin führt der Weg des SCP in dieser Saison? Antworten könnte schon das Duell am kommenden Sonntag (26.1./13.30 Uhr) beim SV Darmstadt 98 liefern – auch wenn noch früh in der Rückrunde. Halten die Ostwestfalen den Anschluss an die oberen Plätze? Oder werden sie von den Lilien überholt? Bevor diese und weitere Fragen im Merck-Stadion am Böllenfalltor beantwortet werden, nehmen wir den kommenden Gegner einmal genauer unter die Lupe.
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Filip Bilbija – 5 Tore | Aaron Zehnter – 7 Assists |
| Raphael Obermair – 4 Tore | Filip Bilbija – 4 Tore |
| Ilyas Ansah – 3 Tore | Raphael Obermair – 3 Assists |
| Sven Michel – 3 Tore | Ilyas Ansah – 2 Assists |
| Koen Kostons – 3 Tore | Adriano Grimaldi – 2 Assists |
Ehrlich. Direkt. Authentisch. Wer im Fußballbusiness mit diesen drei Attributen versehen wird, wird schnell mit dem Stempel eines „echten Typen“ versehen. Ein Typ, der sich nicht zu schade ist, auch mal seine Meinung klar und deutlich auf den Punkt zu bringen. Geraderaus, ohne Floskeln. Einer, der diesem Bild gerecht wird, ist Lukas Kwasniok, der Cheftrainer des SC Paderborn. „Ich gehöre wahrscheinlich schon zu den Trainern, bei denen man sich Sorgen machen muss, dass ich mal einen raushaue“, erklärte der 43-Jährige einst gegenüber dem Verband Deutscher Sportjournalisten.
Auch seinen Humor lässt der gebürtige Pole gerne aufblitzen. Als weit vor der Saison die Gerüchte über die Trainersuche des FC Bayern München aufkamen, erteilte Kwasniok dem Rekordmeister prompt mit einem Augenzwinkern eine deutliche Absage. „Auf gar keinen Fall. Ich reihe mich proaktiv ein und sage einfach mal ab“, scherzte der SCP-Coach, der seit Sommer 2021 bei den Ostwestfalen an der Seitenlinie steht.
Die Paderborner lotsten den Fußballlehrer vom 1. FC Saarbrücken nach Nordrhein-Westfalen. Mit den Saarländern hatte es Kwasniok zuvor geschafft, die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest zu erringen und damit in die 3. Liga aufzusteigen. Auch beim SC Paderborn knüpft der 43-Jährige an seine erfolgreiche, vergangene Station an. So schaffte er es in den vergangenen Spielzeiten, den SCP stets im oberen Tabellenmittelfeld zu platzieren – stets in Reichweite der Aufstiegsplätze. Seit nun mehr 128 Spielen sitzt Kwasniok dabei im Paderborner Cheftrainersessel – nur Steffen Baumgart (166) und Günther Rybarczyk (209) kamen für Paderborn auf mehr Spiele.
Der SV Darmstadt 98 sollte besonders wachsam sein, sobald der Schiedsrichter zur zweiten Halbzeit anpfeift. Denn ab diesem Zeitpunkt zeigt sich der SC Paderborn ganz besonders in Torlaune. Von ihren 30 Saisontreffern erzielten die Ostwestfalen lediglich acht in den ersten 45 Minuten, während sie die anderen 22 Treffer in Hälfte zwei schossen. Augenmerk sollten die Lilien dabei vor allem auf die Schlussphase legen: In dieser kassierten die Darmstädter bereits acht Gegentore – von der 76. Minute bis zum Abpfiff. Der SC Paderborn war in dieser Phase bereits zehnmal erfolgreich – einzig Düsseldorf (11) kommt in diesem Spielabschnitt auf mehr Treffer.
Ohne Freude am Spiel gibt es keinen Fußball. Diese Erkenntnis prägt den Werdegang von Filip Bilbija. Schon mit fünf Jahren begann er beim Berliner SC. Dort verbrachte er nicht nur zehn Jahre seiner Jugend, sondern kickte auch unter seinem Vater und zusammen mit seinem älteren Bruder. Trotzdem war das Kicken mit den Freunden in der Schulpause aber oft das, was ihm mehr Spaß bereitete als das Training im Verein. Nach seinem Wechsel zu Tennis Borussia Berlin drohte der damals junge Spieler, seinen Traum vom Profifußball komplett aus den Augen zu verlieren. Erst ein Sichtungsturnier brachte den Wendepunkt und öffnete die Türen. Dabei war Bilbija eines klar: „Ich werde nicht zu Hertha oder Union wechseln. Ich muss raus aus Berlin, um nicht abgelenkt zu werden“, erzählte Bilbija in einem Interview auf dem YouTube-Kanal „EinfachSergen“.
Raus aus der Hauptstadt, ab nach Bayern. Der FC Ingolstadt wurde seine erste Profistation. Hier etablierte er sich im Herrenfußball. 2022 wechselte der Offensivspieler zum Hamburger SV. Doch mangelnde Einsatzzeiten zehrten an seinem Selbstvertrauen. „In Hamburg gab es zwei, drei Monate, in denen mein Selbstbewusstsein ziemlich weit unten war“, gestand der heute 24-Jährige. So folgte 2023 mit dem Wechsel zum SC Paderborn ein Neustart.
Hier in Ostwestfalen fand Bilbija zurück zu dem, was ihn als Kind begeisterte: Die pure Freude am Spiel. Mit fünf Toren und vier Vorlagen ist er aktuell der Top-Scorer seines Teams. Bilbija: „Paderborn ist die erste Mannschaft im Profifußball, bei der ich bin und mich noch fühle wie ein Jugendlicher. Dadurch habe ich wieder mehr Spaß am Fußball.“