Nicht zwingend genug
Keine Punkte in Dresden. In einer chancenarmen Partie unterlagen die Lilien der SG Dynamo Dresden mit 0:1. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die 90 Minuten zurück.
Das Flutlicht strahlt über den Rasen des Düsseldorfer Rheinstadions, als die Spieler des FC Carl Zeiss Jena am 13. Mai 1981 den Platz betreten. Hinter ihnen liegt eine Europapokalreise, die längst Fußballgeschichte geschrieben hat: AS Rom, der FC Valencia, Newport County und Benfica Lissabon hat die Mannschaft von Trainer Hans Meyer auf ihrem Weg durch den Europapokal der Pokalsieger hinter sich gelassen. Nun fehlen nur noch 90 Minuten zum ganz großen Triumph. Auf der anderen Seite wartet Dinamo Tiflis. Es ist der größte europäische Abend der Jenaer Vereinsgeschichte – und auch wenn er mit einer 1:2-Niederlage endet, bleibt diese außergewöhnliche Reise bis heute untrennbar mit dem FC Carl Zeiss Jena verbunden.
Die Geschichte des FC Carl Zeiss Jena reicht bis ins Jahr 1903 zurück. Am 13. Mai wurde der Verein als Fußball-Klub „Carl Zeiß“ Jena gegründet, ehe er im Laufe der Jahrzehnte mehrfach seinen Namen und seine Organisationsform wechselte. Seit 1939 trägt die traditionsreiche Spielstätte in Jena den Namen Ernst-Abbe-Sportfeld. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich der Fußball in der Stadt zunächst neu organisieren, über verschiedene Sportgemeinschaften führte der Weg schließlich zum SC Motor Jena. 1966 entstand daraus der FC Carl Zeiss Jena in seiner heutigen Namensform.
Seine erfolgreichste Zeit erlebte der FCC vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren. 1963 gewann Jena erstmals die DDR-Meisterschaft, zwei weitere Titel folgten 1968 und 1970. Hinzu kamen vier Pokalsiege sowie zahlreiche internationale Auftritte. Den größten Erfolg auf europäischer Bühne feierte Carl Zeiss 1981: Nach einem bemerkenswerten Lauf erreichte Jena das Finale im Europapokal der Pokalsieger, musste sich dort in Düsseldorf allerdings Dynamo Tiflis mit 1:2 geschlagen geben.
Auch nach der Wiedervereinigung blieb der FCC eine feste Größe im deutschen Fußball und spielte mehrere Jahre in der 2. Bundesliga. Ein weiteres Pokal-Highlight folgte in der Saison 2007/08, als Jena unter anderem den VfB Stuttgart ausschaltete und bis ins Halbfinale des DFB-Pokals einzog. Heute tritt der Traditionsverein in der Regionalliga Nordost an.
Marco Grote
Cheftrainer bei dem FC Carl Zeiss JenaDer FC Carl Zeiss Jena präsentiert sich zum Start in die neue Saison defensiv äußerst stabil. In den ersten fünf Partien der Regionalliga Nordost ließ die Mannschaft lediglich vier Gegentreffer zu und blieb dabei dreimal ohne Gegentor. Besonders auswärts steht die Defensive bislang sicher: Sowohl beim SV Babelsberg 03 als auch bei der BSG Chemie Leipzig setzte sich der FCC jeweils mit 1:0 durch. Auch beim deutlichen 4:0-Heimerfolg gegen den RSV Eintracht hielt Jena hinten die Null. Damit blieb Carl Zeiss in drei seiner bislang fünf Ligaspiele ohne Gegentreffer.
Marius Liesegang wird 2000 in Magdeburg geboren und wächst in einer ausgesprochen sportlichen Familie auf. Sein Vater Sven Liesegang ist erfolgreicher Handballer und gewinnt 2002 mit dem SC Magdeburg die Champions League. Marius entscheidet sich jedoch für den Fußball und früh für die besondere Rolle zwischen den Pfosten. Seine ersten Schritte macht er beim 1. FC Magdeburg, wo er sämtliche Nachwuchsmannschaften durchläuft. 2016 folgt der Wechsel in das Nachwuchsleistungszentrum des 1. FSV Mainz 05.
In Mainz entwickelt sich Liesegang kontinuierlich weiter. Er hütet zunächst in der U17 und U19 das Tor und schafft anschließend den Sprung in die zweite Mannschaft der Rheinhessen. Dort sammelt er in der Regionalliga Südwest seine ersten Erfahrungen im Herrenfußball. Seine Entwicklung wird auch vereinsintern honoriert: 2020 erhält der damals 20-Jährige einen Profivertrag beim Bundesligisten und trainiert fortan regelmäßig auf höchstem Niveau.
Im Januar 2022 verlässt Liesegang Mainz und schließt sich dem damaligen Zweitligisten Dynamo Dresden an. Bei der SGD gehört er zum Profikader, kommt in der Rückrunde allerdings zu keinem Pflichtspieleinsatz. Nach einem halben Jahr zieht es ihn weiter in den Norden: Im Sommer 2022 wechselt er zum FC Teutonia 05 Ottensen. In Hamburg erhält er die regelmäßige Spielpraxis, die ihm zuvor gefehlt hatte, und etabliert sich als Stammkeeper in der Regionalliga Nord. Insgesamt steht er 65-mal für Teutonia zwischen den Pfosten. Einen besonderen Auftritt erlebt er im August 2023, als er mit dem Außenseiter im DFB-Pokal auf den späteren Deutschen Meister Bayer Leverkusen trifft.
Zur Saison 2024/25 schließt sich Liesegang dem FC Carl Zeiss Jena an. Beim traditionsreichen Klub übernimmt er schnell die Rolle der Nummer eins und entwickelt sich zu einem verlässlichen Rückhalt. Mit seiner Ruhe, seiner Präsenz und seinen fußballerischen Qualitäten wird er zu einer festen Größe im Jenaer Tor. In seinen ersten beiden Spielzeiten für den FCC absolviert Liesegang 67 Pflichtspiele und bleibt dabei 23-mal ohne Gegentreffer.
Im Sommer 2026 setzt sich die gemeinsame Geschichte fort. Obwohl sich für Liesegang auch andere Optionen ergeben, verlängert er seinen Vertrag in Jena vorzeitig bis 2027. Für den inzwischen 26-Jährigen ist der Verbleib nach eigener Aussage eine „absolute Herzensentscheidung“. Der Verein wiederum beschreibt ihn als verlässliche Konstante und wichtigen Bestandteil der Mannschaft. Damit hat Liesegang in Jena ein sportliches Zuhause gefunden – und sich nach seinen Jahren in den Nachwuchsleistungszentren sowie den Stationen in Dresden und Hamburg endgültig als Stammkeeper im Herrenfußball etabliert.