Fotos: SV 98 16.08.2026 / Profis
Nicht zwingend genug
Keine Punkte in Dresden. in einer chancenarmen Partie unterlagen die Lilien der SG Dynamo Dresden mit 0:1. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die 90 Minuten zurück.
Szene des Spiels:
Das 0:1: Der Treffer des Tages? Er wäre zu verhindern gewesen. Zwar trifft diese Aussage auf einen Großteil der Gegentore im Fehlersport Fußball zu, doch beim 1:0 der Dresdner bestand aus Lilien-Sicht gleich in mehreren Momenten die Chance dazu. „Wir wollten das taktische Foul ziehen, das ist leider misslungen. Danach wurden wir im Zentrum auseinandergezogen und konnten den Tiefenlauf nicht aufnehmen“, analysierte Marcel Schuhen nach Abpfiff und Florian Kohfeldt ergänzte wenig später: „Wir haben zwei Momente, in denen wir zupacken müssen und danach öffnen wir einen Raum, den wir dann nicht mehr öffnen dürfen. Das wurde dann sofort bestraft.“
In einer Partie, in der beide Teams über die gesamte Spielzeit Schwierigkeiten hatten, sich Strafraumszenen zu erspielen, war das Tor von Jonas Sterner gleichbedeutend mit dem Treffer des Tages. Deutlich wurde dies auch an den xG-Werten beider Mannschaften: 0,64 für Dynamo und 0,38 für die Lilien. Es war ebendieser kleine Unterschied, der dafür sorgte, dass der Cheftrainer des SV 98 den Sieg der Gastgeber schlussendlich als „verdient“ bezeichnete.
Das lief gut:
Die Defensive: Es dauerte bis zur 87. Minute, ehe Dynamo Dresden in Person von Jakob Lemmer ihren ersten vielversprechenden Abschluss nach der Führung verzeichnete. Marcel Schuhen lenkte den Versuch des Mittelfeldspielers mit einer starken Parade an den linken Pfosten. Zwar hatte der Schlussmann der Lilien auch in der 47. Minute seine Hände im Spiel, der Schuss von Ben Bobzien brachte den Kapitän des SV 98 aber nicht wirklich in Gefahr. Darüber hinaus verichtete die Defensive der Südhessen einen grundsoliden Job und ermöglichte den Hausherren keine zwingenden Aktionen. Ein Aspekt, den Schuhen trotz der Niederlage als positive Erkenntnis mit zurück nach Darmstadt nahm: „Defensiv war es in Ordnung. Das Gegentor ärgert mich maßlos, aber danach sind wir ruhig geblieben und nicht wild geworden.“
Eine Stabilität, die auch deshalb hervorzuheben ist, weil mit Florian Kleinhansl und Christopher Lannert zwei Neuzugänge die Außenvertetigerpositionen besetzen und in Dresden mit Carlo Sickinger eine weitere Neuverpflichtung für den erkrankten Hiroki Akiyama auf der Sechs startete. Insgesamt sechs Zugänge begannen in Dresden für den SVD. Offensiv bleib auch durch diesen Umstand viel Luft nach oben. Doch der Defensivverbund funktionierte trotz Niederlage und der personellen Neuerungen bereits mehr als ordentlich.
Der nächste Lerneffekt: Nach dem Umbruch des Sommers hatten die Lilien bereits im Verlaufe der Sommervorbereitung immer wieder darauf verwiesen, dass es eine gewisse Zeit dauern dürfte, bis Feinabstimmung, Automatismen und Zusammenspiel auf hohem Niveau greifen werden. Auf diesem Weg helfen auch Spiele wie das 0:1 in Dresden. So schmerzhaft eine Niederlage auch in einer Phase des Zusammenwachsens ist. Die 90 Minuten in der sächsischen Hauptstadt enthielten viel Anschauungsmaterial für die die kommenden Traininsgwochen. Die Atmosphäre im gewohnt lauten Rudolf-Harbig-Stadion wird inbesondere den Neuzugängen aus dem Ausland dabei helfen, sich noch besser in der 2. Bundesliga zurechtzufinden. Und ganz banal hilft dieser Mannschaft jede Partie, in der sie geminsam auf dem Feld steht und alle Akteure ihre Mitspieler noch besser kennenlernen. Insbesondere unter den Einflüssen eines Pflichtspiels in diesem Wettbewerb. Punkte, die auch Kohfeldt in sein Gesamtfazit zum Spiel einfließen ließ: „Es wird auch in den kommenden Wochen auf den Willen und das Nicht-Aufgeben ankommen, genauso wie auf das tägliche Training. Die Dinge werden auch bald in den Spielen funktionieren, wenn wir dranbleiben. Verlieren ist richtig scheiße, aber trotzdem müssen wir in den Inhalten bleiben.“
Eine Kerbe, in die Marcel Schuhen ebenfalls einschlug: „Wir finden uns immer mehr, das wird auch immer besser werden. Wir haben gute Jungs dazubekommen, daran ändert die Niederlage auch nichts. Aber natürlich geht es im Fußball immer um Punkte, die wollen wir in den nächsten Wochen holen.“
Das lief nicht gut:
Feinabstimmung und Aktionen im letzten Drittel: Ein Punkt, den wir genauso bereits nach dem Spiel gegen Kiel in dieser Rubrik aufführen mussten. Und auch in Dresden hatten die Lilien Schwierigkeiten damit, ihren durchaus ordentlichen Spielaufbau im finalen Drittel des Spielfelds in gefährliche Aktionen umzumünzen. „Wir haben eine gute Raumaufteilung und bekommen den Ball in gute Zonen. Aber die Automatismen im letzten Drittel sind noch nicht da“; so Kohfeldt, um zu konkretisieren: „Nach vorne muss es schneller und zwingender werden, damit wir mehr Momente kreieren können.“
Christopher Lannert sprach diese Problematik nach dem Spiel ebenfalls offen an: „Es sind schon Räume entstanden, die wir allerdings besser ausnutzen müssen. Zudem konnten die Lilien an diesem Sonntag auch aus ihren Standardsituationen kein Kapital schlagen, sodass nur Milan Smit mit seinem Abschluss in der 68. Minute für ernstzunehmende Torgefahr sorgte.
Die ersten 20 Minuten: „Diese Phase haben wir verpennt“, resümmierte Lannert ehrlich. „Unser Pressing war nicht gut, Dynamo kam zu leicht aus ihrer Hälfte, wir hatten wenig Zugriff und haben so auch das Tor kassiert.“ In der Folge entwickelte sich dann ein ausgeglichenes Spiel ohne größere Torchancen, das die Südhessen allerdings bereits mit der Hypothek des Rückstandes bestreiten mussten.
Der Platzverweis: Ihre wohl beste Phase der Partie hatten die Lilien zwischen der 55. und 70. Spielminute. In dieser Viertelstunde gelang es dem SV 98, die Gastgeber in der eigenen Hälfte einzuschnüren und sich durch Smit auch einem möglichen Ausgelichstreffer anzunähren. Ein abruptes Ende fand dieses „Momentum“ (O-Ton Kohfeldt) mit dem Platzverweis für Kai Klefisch. „Dadurch wurde denrStecker gezogen“, erklärte Schuhen und auch sein Cheftrainer sprach davon, dass die Hinausstellung „mit Sicherheit nicht geholfen habe.“ Ärgerlich war auch das Zustandekommen der Ampelkarte. Gelb sah Klefisch für eine lautstarke Beschwere beim Schiedsrichter, der den Mittelfeldmann folgreichtig verwarnte. Eine unnötige Gelbe Karte, die Kohfeldt später deutlich kritisierte. Eine sehr harte Entscheidung hingegen war der schlussendliche Platzverweis, da Klefisch bei seinem Tackling hauptsächlich den Ball spielte. „Nach der Gelb-Roten Karte war es dann noch schwerer, zu Torchancen zu kommen“, bilanzierte Schuhen nach einem Nachmittag, an dem sicherlich einige Dinge nicht optimal gelaufen waren.
Zitat des Tages:
Wir finden uns immer mehr, das wird auch immer besser werden. Wir haben gute Jungs dazubekommen, daran ändert die Niederlage auch nichts. Aber natürlich geht es im Fußball immer um Punkte, die wollen wir in den nächsten Wochen holen.