Widget
27.04.2025 / Profis

Rechenspiele abgehakt – Das Münster-Remis in der Analyse

Er waren gemischte Gefühle, die bei allen Beteiligten mit der Lilie auf der Brust nach Abpfiff aufkamen. Das 1:1 am Samstagmittag (26.4.) beim SC Preußen Münster sorgte für den rechnerisch sicheren Klassenverbleib in der 2. Bundesliga. Planungssicherheit: Check! Darüber zeigten sich die Darmstädter Protagonisten auch zufrieden. Ganz und gar nicht zufrieden waren die Lilien aber mit ihrer Darbietung im Preußenstadion. Das Spiel des SV 98 war nicht schön, aber es sorgte trotzdem für einen ganz wichtigen Punkt. Die Analyse.

Foto: SV 98

Szene des Spieltags:

Falsches Pressing und ein Ausrutscher. Wir werden im weiteren Verlauf dieses Textes noch näher darauf eingehen, was an diesem Samstagmittag im Preußenstadion nicht gut lief. Doch lieferte bereits die “Szene des Spiels” einen kleinen Vorgeschmack: Der Gegentreffer zum Ausgleich. Nach 62 Zeigerumdrehungen zappelte der Ball plötzlich im Netz des SV Darmstadt 98. Ein vermeidbarer Treffer. Ein Gegentor zudem, welcher sich Augenblicke vor dem Einschlag weit entfernt der gefährlichen Zone bereits hätte vermeiden lassen. “Aber wir haben unser Pressing falsch ausgelöst”, erklärte Clemens Riedel. Eine falsche Entscheidung, die sinnbildlich für die 90 Minuten in Münster stand. Häufig verhielten sich die Lilien sowohl im eigenen Offensivspiel als auch gerade im zweiten Durchgang in der Defensive nicht gut. So konnte Münster vieles innerhalb der 90 Minuten wegverteidigen und gleichzeitig im zweiten Spielabschnitt für eigenen Druck sorgen. So eben auch in der 62. Minute. Der falsche Pressingauslöser sorgte dafür, dass der SCP auf der rechten Defensivseite der Lilien freie Bahn hatte und präzise in den Sechzehner flanken konnte. Dort stand Clemens Riedel zwar eigentlich richtig, um die Hereingabe per Kopf zu klären. Doch nur eigentlich. Weil der Kapitän des SV 98 wegrutschte, konnte Joshua Mees für die Münsteraner den Ausgleich erzielen.

Das lief gut:

Dagegengehalten, standgehalten. Und Widerstandsfähigkeit gezeigt. Eine wichtige Eigenschaft, mit welcher sich die Lilien diesen Punkt im Preußenstadion erkämpften. Aufgrund des 1:0-Auswärtssiegs des SSV Ulm am Freitagabend in Fürth rutschte der SC Preußen Münster über Nacht auf einen direkten Abstiegsplatz. Der Druck des SCP? Enorm. Die Gier und Motivation der Münsteraner vor dem Duell mit den Lilien? Mindestens genauso groß. Doch genau darauf bereiteten Florian Kohfeldt und sein Trainerteam die Mannschaft vor. Münster werde versuchen, uns emotional den Schneid abzukaufen, hatte der Darmstädter Cheftrainer bereits auf der Pressekonferenz vor der Partie gewarnt. Die Lilien müssten dafür bereit sein, betonte er weiter.

Die Mannen in blau-weiß ließen sich von der schon beim Warm-Up aufgeheizten Stimmung nicht beeindrucken. Sie holten ein Unentschieden in dieser speziellen Atmosphäre – und verloren eben nicht. Auch wenn die Leistung nicht gut und das Spiel nicht schön war, so blieben die Südhessen doch stabil. Natürlich erhöhte Münster im zweiten Durchgang den Druck. Doch wehrten sich die Lilien. Sie blockten und köpften die Kugel regelmäßig aus der Gefahrenzone und warfen sich in jeden Ball. Auch der Ausgleichstreffer sowie den Druck aufrechterhaltene Münsteraner konnten das nicht ändern. Dagegengehalten, standgehalten. 

Klassenerhalt fix gemacht. Als Florian Kohfeldt den SV Darmstadt 98 übernahm, hatten die Lilie nach vier Spieltagen gerade einmal einen Punkt gesammelt und fanden sich auf dem 17. Tabellenplatz wieder. Anfang September des vergangenen Jahres deutete nicht viel darauf hin, dass der SV 98 bereits drei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga fix machen würde. “Über allem steht heute, dass wir ganz sicher in der Liga bleiben”, verdeutlichte Kohfeldt daher im Gespräch mit den anwesenden Journalisten nach der Partie und führte weiter aus: “Dafür möchte ich der Mannschaft und dem Staff ein großes Lob aussprechen. Wir hatten eine ganz, ganz schwierige Saison mit einer Verletztenmisere im Winter, die bis heute anhält. Unter diesen Rahmenbedingungen die Klasse am 31. Spieltag zu halten, dafür sollte man die Mannschaft loben.”

Zudem ehrt es die Lilien, dass trotz des Klassenerhalts in Münster nicht nach Feiern zumute war. “Wir haben unsere Pflicht erfüllt”, betrachtete Clemens Riedel daher ganz nüchtern die Situation. Nicht mehr, nicht weniger. Das 1:1 in Münster war eben nicht schön und die Leistung auch nicht gut. Dennoch wars es ein wichtiger Punktgewinn, der den Verbleib in der zweithöchsten deutschen Spielklasse sowie die damit verbundene Planungssicherheit für ein weiteres Zweitliga-Jahr besiegelte.

Zitat des Tages

Die Hypothek der vergangenen Spielzeit, der schwache Saisonstart, das unglaubliche Verletzungspech. Die nicht einfache Saison hatte viele Zutaten für ein Worst-Case-Szenario. Trainerteam, Mannschaft und Staff haben gemeinsam mit den Fans diesen vielen Widrigkeiten getrotzt und dafür gesorgt, dass wir nun mehrere Spieltage vor Saisonende Planungssicherheit haben. Der Anspruch muss nun lauten, in den restlichen Partien alles aus sich herauszuholen, um das bestmögliche Finish zu erreichen.

Paul Fernie, Sportdirektor des SV Darmstadt 98

Das lief nicht gut:

Einiges. So ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein. Struktur, Passspiel und das Defensivverhalten in der zweiten Halbzeit: Das waren genau die Punkte, die Kohfeldt auf der Pressekonferenz aufzählte, weil sie ihm nicht gefielen. In der Offensive fehlte es den Lilien – der ansehnliche Führungstreffer von Luca Marseiler ausgenommen – an der Genauigkeit. Zu oft schlugen sie die Bälle ohne Druck ungenau nach vorne, zu oft fehlte es im letzten Drittel an der nötigen Präzision. “Wir müssen lernen, in solchen Spielen einfach und klar, aber eben nicht hektisch zu agieren”, forderte Kohfeldt von seiner Mannschaft. So war der Marseiler-Treffer kurz vor dem Pausenpfiff die erste und einzige wirklich gefährliche Aktion der Lilien. “Wir kamen einfach nicht in unsere Abläufe”, musste auch Riedel nach den ersten 45 Minuten feststellen.

Zwar bekamen die Darmstädter im zweiten Durchgang ihre Möglichkeiten. Doch hier trafen sie im Ausspielen der Angriffe ebenfalls zu häufig die falschen Entscheidungen. Mehr Genauigkeit hätte dem Offensivspiel der Lilien auch nach dem Seitenwechsel gut getan. “Insgesamt haben wir heute kein gutes Spiel gemacht”, resümierte Kohfeldt. Daran wollen und werden die Lilien arbeiten. Denn auch wenn der Klassenerhalt rechnerisch perfekt ist, sind an den verbleibenden drei Spieltagen doch noch zusammengerechnet neun Punkte zu vergeben. Die Saison austrudeln lassen? Mitnichten. “Wir wollten schon in Münster die drei Punkte mitnehmen”, sagte Luca Marseiler und ergänzte in aller Deutlichkeit: “Das gilt auch für die nächsten Spiele.”

Verletztenmisere setzt sich auch in Münster fort. Es ist leider ein leidiges Thema in dieser Saison. Die Ausfallliste der Lilien war auch vor dem Spiel im Preußenstadion wieder einmal ziemlich lang. Ohnehin konnte der SV 98 in dieser Saison auf teilweise bis zu zwölf Spieler nicht zurückgreifen – gegen Münster waren es derweil ebenfalls wieder acht Ausfälle inklusive der Gelbsperre von Merveille Papela. Und weil eben neben all den Langzeitverletzten auch noch Matej Maglica (Wadenprobleme, er war der neunte Ausfall für diesen Spieltag) kurzfristig ausfiel, reisten die Darmstädter mit nur zwei Innenverteidigern nach Münster. So schwanden die eigenen Optionen, während des Spiels von Außen einzugreifen und taktische Veränderungen vorzunehmen. Bei eigener Führung hätte Kohfeldt, wie er nach Abpfiff verriet, eigentlich gerne auf Dreierkette umstellen und so dem SCP seiner Möglichkeiten berauben wollen, gefährlich zu werden…

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Hannover 96 im Gegnercheck
27.08.2026

Hannover 96 im Gegnercheck

Ein Zweitligist auf dem Berliner Olymp: Hannover 96 gelang 1992, was bis heute einzigartig geblieben ist. Am 23. Mai besiegten die Niedersachsen Borussia Mönchengladbach im DFB-Pokalfinale und holten damit 38 Jahre nach der deutschen Meisterschaft von 1954 den nächsten großen Titel der Vereinsgeschichte. Als erster und bis heute einziger „echter“ Zweitligist gewann Hannover den DFB-Pokal und sorgte damit für eine der größten Überraschungen in der Geschichte des Wettbewerbs.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Hannover-Spiel
27.08.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Hannover-Spiel

Am Sonntag (30.8.) geht es für die Lilien in der Liga weiter. Der Gast? Hannover 96! Gegen kein Team verloren die 96er in der 2. Bundesliga häufiger als gegen den SV 98. Alle weiteren Zahlen und Fakten rund um die Partie gibt es hier.

Das Gefühl des Sieges
24.08.2026

Das Gefühl des Sieges

Es war ein hartes Stück Arbeit, das der SV 98 in Jena schlussendlich erfolgreich erledigen konnte. Das 2:1 in der ersten Runde des DFB-Pokals sorgte nicht nur für das Weiterkommen in diesem Wettbewerb, sondern auch für des ersehnte Gefühl des Sieges. Unsere Analyse zum Erfolg.

Maglica wechselt in die Türkei
24.08.2026

Maglica wechselt in die Türkei

Nach insgesamt 81 Pflichtspielen endet die Zeit von Matej Maglica bei den Lilien. Der 27-jährige Innenverteidiger wechselt zum türkischen Erstligisten Kocaelispor.

„Pokalfight, den wir angenommen und gewonnen haben“
23.08.2026

„Pokalfight, den wir angenommen und gewonnen haben“

Die Lilien erreichen nach einem Pokalfight in Jena die zweite Runde. Wir haben für Euch die Stimmen nach der Partie zusammengefasst.

Lilien erreichen 2. Pokalrunde
23.08.2026

Lilien erreichen 2. Pokalrunde

Der SV 98 hat das Ticket für die nächste Runde im DFB-Pokal gelöst. Die Lilien siegten beim FC Carl Zeiss Jena mit 2:1 (2:1). Milan Smit (11.) und Lance Duijvestijn (41.) sorgten für den Sieg gegen den Regionalligisten.

Startelfdebüt für Merx
23.08.2026

Startelfdebüt für Merx

Pokalmodus für die Lilien. In der ersten Runde des DFB-Pokals gastiert der SV 98 beim FC Carl Zeiss Jena (23.8./15.30 Uhr). Gegenüber der Partie in Dresden verändert Florian Kohfeldt seine Anfangsformation auf zwei Positionen. Manolo Merx beginnt für Yosuke Furukawa, Raoul Petretta startet anstelle von Florian Kleinhansl. Hiroki Akiyama fehlt nach einem krankheitsbedingten Rückfall im Kader.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Jena-Spiel
22.08.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Jena-Spiel

Der Pokal ruft! Am Sonntag (23.8./15.30 Uhr) treten die Lilien in der ersten Runde des DFB-Pokals an. Die Reise führt in die ad hoc arena im Ernst-Abbe-Sportfeld in der thüringischen Lichtstadt Jena. Was sagen die beiden Cheftrainer vor dem Anpfiff? Wer leitet die Partie? Und wo könnt Ihr das Duell verfolgen? Alle wichtigen Infos zum Spiel gegen Carl Zeiss Jena haben wir Euch wie gewohnt in „Matchday kompakt“ zusammengetragen.

„Ich liebe diesen Wettbewerb“
21.08.2026

„Ich liebe diesen Wettbewerb“

Vor dem Pokalspiel beim FC Carl Zeiss Jena (23.8., 15:30 Uhr) stand Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz den anwesenden Journalisten Rede und Antwort. Wir haben die wichtigsten Aussagen des Lilien-Coaches vor der ersten Runde des DFB-Pokals für Euch zusammengefasst.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Jena-Spiel
20.08.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum Jena-Spiel

Am Sonntag steht für den SVD beim FC Carl Zeiss Jena die erste Runde der DFB-Pokal-Saison 2026/27 an. Es wartet das erste Aufeinandertreffen der beiden Teams in diesem Wettbewerb. Alle weiteren Zahlen und Fakten rund um die Partie gibt es hier.

Jena im Gegnercheck
19.08.2026

Jena im Gegnercheck

Das Flutlicht strahlt über den Rasen des Düsseldorfer Rheinstadions, als die Spieler des FC Carl Zeiss Jena am 13. Mai 1981 den Platz betreten. Hinter ihnen liegt eine Europapokalreise, die längst Fußballgeschichte geschrieben hat: AS Rom, der FC Valencia, Newport County und Benfica Lissabon hat die Mannschaft von Trainer Hans Meyer auf ihrem Weg durch den Europapokal der Pokalsieger hinter sich gelassen. Nun fehlen nur noch 90 Minuten zum ganz großen Triumph. Auf der anderen Seite wartet Dinamo Tiflis. Es ist der größte europäische Abend der Jenaer Vereinsgeschichte – und auch wenn er mit einer 1:2-Niederlage endet, bleibt diese außergewöhnliche Reise bis heute untrennbar mit dem FC Carl Zeiss Jena verbunden.

Nicht zwingend genug
17.08.2026

Nicht zwingend genug

Keine Punkte in Dresden. In einer chancenarmen Partie unterlagen die Lilien der SG Dynamo Dresden mit 0:1. In unserer Analyse blicken wir noch einmal auf die 90 Minuten zurück.