Schee war’s
Die Lilien haben ihr Trainingslager in Bad Wörishofen erfolgreich beendet. Wir haben die Tage im Allgäu mit unserem Tagebuch begleitet.
Schon lange bevor Dynamo Dresden 1953 gegründet wurde, besaß der Fußball eine große Bedeutung in der sächsischen Landeshauptstadt. 1874 rollte erstmalig in Elbflorenz organisiert der Ball. Der erste Verein war damals der "Dresden English Football Club", der Arbeitern aus England gegründet wurde. Der Fußball begleite die Stadt stets eng und nach der Gründung der SGD beginnt eine absolute Erfolgsgeschichte, die den Verein heute auf einen sehr gut gefüllten Trophäenraum blicken lässt.
Insbesondere die 70er Jahre lassen reihenweise Pokal nach Dresden wandern. In diesem Zeitraum feiert Dynamo fünf DDR-Meistertitel und gewinnt zwei Mal den DDR-Pokal. Zudem feiert die SGD regelmäßig besondere Nächte auf internationalem Parkett und misst sich mit den besten Teams Europas.
Nach der Wende ist Dynamo bis 1995 in der Bundesliga vertreten, seitdem gelang der SGD keine Rückkehr mehr ins Oberhaus des Deutschen Fußballs. In den vergangenen Jahren pendelte Dynamo zwischen der 3. und der 2. Liga, in die das Team zu dieser Saison zurückkehrte. Wir nehmen den nächsten Gegner des SV 98 einmal genauer unter die Lupe. Dynamo Dresden im Gegnercheck.
| Top-Torjäger | Top-Vorlagengeber |
| Christoph Daferner – 3 Tore | Niklas Hauptmann – 2 Assists |
| Niklas Hauptmann – 1 Tor | Jakob Lemmer – 1 Assist |
| Jakob Lemmer – 1 Tor | Vinko Sapina – 1 Assist |
| Luca Herrmann – 1 Tor | Konrad Faber – 1 Assist |
| Claudio Kammerknecht – 1 Tor |
Thomas Stamm
Cheftrainer bei der SG Dynamo DresdenDynamo steht in der bsiherigen Saison durchaus für Offensivfußball, insbesondere in der Fremde. Die Dresdner erzielten auswärts bereits sechs Tore, nur Greuther Fürth traf häufiger in einem anderen Stadion. Zudem verzeichnet die SGD bis dato die zweitmeisten Torschüsse der Liga. Hauptverantwortlich für die offensive Gefahr ist insbesondere das Trio aus Nils Frölin, Christoph Daferner und Jakob Lemmer. Alle drei konnten sich in dieser Saison bereits in die Torschützenliste eintragen.
Wird ein Mensch als „Schlange“ tituliert, so hat diese Bezeichnung zumeist keinen positven Hintergrund. Der Vergleich mit dem Reptil soll häufig verdeutlichen, dass die jeweilige Person unehrlich gehandelt hat oder nicht sonderlich vertrauenswürdig auftritt. Im Falle von Dresdnens Niklas Hauptmann ist der Grund aber ein ganz anderer. Der ehemalige Dynamo-Kapitän und heutige Nachwuchsleiter Marco Hartmann verpasste seinem damaligen Mitspieler diesen Spitznamen in Anlehnung an dessen Spielweise. „Den bekommst du nicht vom Ball weg. Da dreht er sich rechts, links und du kommst nicht ran.“
Zwar ist der Rufname „Schlange“ nach Aussagen von Hauptmann selbst mittlerweile die Ausnahme geworden, den Fußballer beschreibt dieser Vergleich aber weiterhin gut: Der gebürtige Kölner ist schwer zu greifen, bewegt sich geschickt in den Räumen und hat die Fähigkeit, durch das Mittelfeld zu gleiten.
Das Talent wurde dem heute 29-Jährigen dabei in gewisser Weise in die Wiege gelegt. Vater Ralf absolvierte insgesamt 205 Bundesligaspiel für Dynamo und den 1. FC Köln und kam auch für die DDR-Nationalmannschaft zum Einsatz. Aufgrund seiner Zeit beim „Effzeh“ erblickte Sohnemann Niklas im Jahr 1996 in Köln das Licht der Welt und startete seine Fußballkarriere später bei Viktoria Frechen, bevor es die Hauptmanns zurück in den Osten zog und sich Niklas dem SC Borea Dresden anschloss. Dort fiel auf, dass Hauptmann über außergewöhnliche Übersicht und ein feines Passspiel verfügt – Fähigkeiten, die ihn im zentralen Mittelfeld zu einem besonderen Talent machten.
Der weitere Weg führte zu Dynamo Dresden, wo ihm nach sieben Jahren in der Jugend der Sprung zu den Profis gelang. Nach einem Lehrjahr wird „Haupe“ schnell zum Leistungsträger in der zweiten Liga und spielt sich in den Fokus des 1. FC Köln, zu dem er im Sommer 2018 wechselt und damit einmal mehr in die Fußstapfen seines Vaters tritt.
Beim „Effzeh“ kämpft Hauptmann jedoch häufig mit Verletzungsproblemen, die ihm nur wenig Spielzeit erlaubten. Um regelmäßig Spielpraxis zu sammeln, wechselte er deshalb in den turbulenten Coronazeiten auf Leihbasis zu Holstein Kiel. Dort findet er wieder zu alter Form zurückfinden und scheitert mit den „Störchen“ nur knapp am Aufstieg zur Bundesliga.
Nach der Leihe endet trotz des starken Jahres in Kiel die Zeit in Köln endgültig. Hauptmann zieht es zurück zu seinem Herzensverein nach Dresden, für den er mittlerweile 167 Pflichtspiele absolviert hat. Auch in dieser Saison hat der Mann mit der Rückennummer 27 eine wichtige Rolle inne und kommt bereits auf drei Scorerpunkte. Die Lilien sollten also gewarnt sein.