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06.08.2026 / Profis

„Unsere Mentalität kann eine sehr große Stärke sein“

Wo stehen die Lilien? Wie erwartet unser Cheftrainer die Gäste? Und wie zufrieden ist man mit der zurückliegenden Sommerpause? Florian Kohfeldt stand auf der heutigen Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt gegen Holstein Kiel (8.8./13 Uhr) den anwesenden Journalisten Rede und Antwort. Wir haben die wichtigsten Kohfeldt-Aussagen aus der PK für Euch zusammengefasst.

Florian Kohfeldt auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Holstein Kiel
Foto: SV 98

Personalupdate: Die drei Langzeitverletzten Luca Marseiler, Fabian Nürnberger und Merveille Papela werden am kommenden Samstag definitiv nicht zur Verfügung stehen. Raoul Petretta und Matthias Bader sind hingegen wieder eine Option für den Kader der Lilien.

... über die Stärken der Lilien:

Die Stärken sehe ich eindeutig darin, dass wir körperlich wirklich in einem sehr, sehr guten Zustand sind. Nach einer Vorbereitung, die deutlich härter und intensiver war als die letzten. Wir konnten viel mehr Intensitäten und viel mehr Umfänge gehen, was die Spieler auch toleriert haben. Das ist extrem positiv. Und wir gehen gesund aus der Vorbereitung raus. Das muss man hervorheben. Auch wenn man sich das Personal für Samstag anschaut, ist ja eigentlich sehr wenig passiert – zum Glück. 

Ich glaube, dass unsere Mentalität, die ich wahrnehme, eine große Stärke sein kann. Ich habe der Mannschaft diese Woche auch noch mal ein paar Szenen aus den Testspielen gezeigt, die jetzt auch nicht durchgehend rund waren, wo du sagst: ‚Boah, was haben wir da auf den Platz gebracht?‘ Aber zum Beispiel solche Situationen, wie wenn wir nach einem Standard einen Ball blocken, wie sie sich feiern, wie sie untereinander diese Mentalität haben: ‚Okay, wir verteidigen das bis zum Ende.‘ Das kann schon eine große Stärke von uns sein.

Ganz grundsätzlich glaube ich, dass im Laufe der Saison auch unsere Art und Weise, Fußball zu spielen, wieder eine große Stärke sein kann. Ich denke, dass wir uns da schon in manchen Bereichen auch von vielen anderen in der Liga abheben.

… wo noch Luft nach oben ist:

Es ist aber natürlich auch noch Luft nach oben im Thema Kombinationsspiel. Genau aufeinander abgestimmt zu sein. In Stresssituationen zu wissen: wann macht wer was? Das habe ich ja auch schon ein paar Mal gesagt. Ich glaube aber, das ist völlig normal.

Über Punkte und Stabilität dann auch wieder diesen Teil deutlich mehr in den Vordergrund zu stellen und zu entwickeln, ist ganz sicher unser Ziel. Wir hatten Freundschafts- und Testspiele, in denen wir das schon hingekriegt haben. Aber es ist noch wellenartig, das muss man klar sagen. 

... über die Spielweise der Kieler:

Es natürlich ein Fußball, der über eine ganz klare Struktur kommt. Das ist, glaube ich, das größte Missverständnis, wenn man darüber nachdenkt, wie viel Give-and-go gespielt wird, wie viele Doppelpässe gespielt werden und wie Räume angelaufen werden. Da könnte man der Versuchung erliegen, dass das eine Art von Chaos ist. Das ist aber weit, weit weg davon.

Es ist unfassbar strukturiert. Es gibt eine ganz klare Raumbesetzung. Sie wissen ganz genau, wer zu welchem Zeitpunkt im Spiel welche Aufgabe hat. Sie besetzen Räume sehr dynamisch: Innenverteidiger, die nach vorne gehen, in den Sechserraum; Außenverteidiger, die von außen auf Sechserpositionen kommen; Flügelachter, die aus dem Zentrum rausschwimmen. Dafür bedrohen Flügelspieler die Tiefe und besetzen Achterräume.

Der einzige wirkliche Anker beziehungsweise die einzigen zwei wirklichen Anker, die ihre Position nicht verändern, sind der zentrale Stürmer und der Torwart. Alle anderen besetzen Räume dynamisch im Spiel mit dem Ball. Das macht es unglaublich attraktiv, sich das anzuschauen. Und es macht es auch unglaublich schwierig, mit konventionellen Pressingmustern dagegen Ballgewinne zu erzielen.

... über das angepasste Regelwerk:

Ich finde es super. Das Einzige, was ich als Sorge dabei habe, ist, dass die Schiedsrichter keine Pause mehr haben. Ich glaube, Deniz Aytekin hat das mal in einem Interview gesagt: ‚Durch die neuen Regeln gibt es auch den Leerlauf für die Schiedsrichter nicht mehr.‘ Sie müssen ständig dabei sein, auch wenn ein Ball im Aus ist. Das ist das Einzige, wo ich sage: ‚Hoffentlich beeinträchtigt das ihre Entscheidungsqualität in anderen Situationen nicht.‘ 

Ansonsten finde ich all diese Regeln, die darauf abzielen, die Nettospielzeit zu erhöhen und Schauspielerei beziehungsweise wirksames Game-Management wegzunehmen, sehr positiv. Bislang bin ich ein großer Freund von den Regeln, die gemacht wurden, weil sie aus meiner Sicht total im Sinne des Fußballs sind. 

... über die zurückliegende Sommerpause:

Dieser Sommer war nicht nur von den Temperaturen her, sondern auch für uns ein bisschen heißer als der letzte Sommer. Das muss man schon klar sagen. Wir wollten einen Wandel in der Mannschaft und den haben wir bekommen. Und wir sind sehr überzeugt von dem, was wir getan haben. Aber klar ist auch, dass im letzten Jahr natürlich Strukturen, Achse und Automatismen schon von Tag eins an viel klarer waren. Und das ist eine ganz andere Arbeit, die du dann mit einer Mannschaft hast. Wenn die Frage jetzt kommt: Sind wir Stand jetzt besser als letzten Sommer zum gleichen Zeitpunkt? Dann kann ich die Frage nicht mit reinem Gewissen mit ‚Ja‘ beantworten.

Ich kann sagen, dass wir Potenziale haben, die mich extrem davon überzeugt sein lassen, dass wir in eine Entwicklung gehen, die vielleicht noch mal einen Schritt weiter gehen kann als die, die wir letztes Jahr mit der Mannschaft hatten. Denn bei allen super positiven Themen, die wir im letzten Jahr hatten, gab es natürlich auch Grenzen in dem, was wir gemacht haben. Und da haben wir versucht, ein paar Antworten darauf zu finden. Unteranderem mit den Spielern, die wir verpflichtet haben.

Und deshalb ist es ein ganz anderer Sommer. Deshalb bin ich auch unfassbar gespannt auf das, was am Samstag passiert, muss ich sagen.

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