Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
Die Bilder nach Abpfiff am Böllenfalltor hätten nicht unterschiedlicher sein können. In der einen Ecke des Merck-Stadions feierten sie, die ganz in Rot gekleideten Gäste mit ihrer Anhängerschaft aus der Domstadt. Schräg gegenüber das komplette Gegenteil. Mit hängenden Köpfen ging es für die Mannschaft des SV Darmstadt 98 vor die Südtribüne – einmal über die Bande, direkt vor die Fans, von Angesicht zu Angesicht. Ein gemeinsames Einschwören auf die kommenden Wochen. Ein Mutmachen, ein Sinneschärfen.
Natürlich war eine jede Lilien an diesem Freitagabend gefrustet – ganz egal, ob die Spieler auf dem Platz oder die Fans auf den Rängen. Umso wichtiger die Bilder nach Abpfiff – in dem Wissen, dass auch in bitteren Momenten wie am Freitagabend diese herausfordernde Spielzeit nur als Gemeinschaft gemeistert werden kann. „Die Fans in der Kurve haben uns gesagt, dass wir alle zusammen – Verein, Mannschaft, Trainerteam, Fans – an einem Strang ziehen müssen. Dann schaffen wir es“, lobte Christoph Klarer die für ihn „Top-Ansprache“ der blau-weißen Darmstädter Anhängerschaft.
Wir werden uns sehr lange in dieser Saison in diesen Bereichen der Tabelle bewegen. Entscheidend ist, dass wir nach dem letzten Spieltag über dem Strich stehen.
Nur so kann der Traum vom Klassenerhalt in dieser schwierigen Spielzeit gelingen. Dass diese im Vergleich zu den letzten Zweitliga-Jahren mehr Tiefen als Höhen bereithalten würde, war bereits nach dem perfekt gemachten Aufstieg im vergangenen Mai ohnehin klar. “Wir werden uns sehr lange in dieser Saison in diesen Bereichen der Tabelle bewegen”, sagte daher auch Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 gegen den 1. FC Köln: “Entscheidend ist, dass wir nach dem letzten Spieltag über dem Strich stehen”, betonte der Darmstädter Cheftrainer. Während der SV 98 auf den Relegationsplatz rutschte, sprang der Klub aus der Domstadt auf Platz 15. Ob der Dreier nun eine Erlösung sei, wurde Steffen Baumgart später auf der PK gefragt, was der Kölner Coach mit Verweis auf den erst 13. Bundesliga-Spieltag sofort verneinte. Und auch Lieberknecht ist sich bewusst: “Wir wissen, dass wir noch eine lange Saison vor uns haben.”
Dennoch konnten die südhessischen Protagonisten ihre Enttäuschung nach Abpfiff nicht verbergen. “Natürlich bin ich sauer. Es wäre schlecht, wenn heute irgendjemand nicht sauer wäre”, sagte Klarer unzufrieden darüber, dass man nach zwei ungeschlagenen Spiele in Folge nun die direkte Konkurrenz in der Tabelle auf sechs Punkte hätte distanzieren können, was jedoch nicht gelang. Der Grund dafür? “Wir haben heute nicht unser Leistungsmaximum erreicht. Daher überwiegen der Frust und die Enttäuschung”, so der Innenverteidiger, dessen Aussagen vom Kapitän des SV 98 untermauert wurden. “Heute ist fast niemand von uns an seine Leistungsgrenze gekommen. Wir haben unsere Qualität nicht auf den Platz bekommen”, monierte Fabian Holland. Als “insgesamt sehr unzufrieden” fasste er seine sowie die Stimmungslage wohl aller Lilien am späten Freitagabend zusammen.
Dabei waren die Voraussetzungen vor dem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga aus Lilien-Sicht keine schlechten. Mit dem Selbstvertrauen, die Woche zuvor bei einem Europa-League-Teilnehmer gepunktet zu haben, gingen die Blau-Weißen in die Partie. Ein Abendspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor dazu das angeschaltete Flutlicht, was ohnehin schon jedes Mal wieder für eine besondere Atmosphäre an der Nieder-Ramstädter-Straße sorgt. Und doch musste Holland feststellen: “Speziell in den Heimspielen wollen wir mit unseren Fans eine richtige Wucht entwickeln, das gelingt uns leider aktuell nicht.”
Weil gegen den 1. FC Köln vor allem in der Offensive die nötige Durchschlagskraft fehlte. Unter Beweis gestellt, dass sie Tore schießen können, haben die Lilien in dieser Saison dabei bereits. Von den fünf Mannschaften, die in der Tabelle unten drin stehen, erzielte der SV 98 mit 15 Treffern die meisten. Auch gegen den „Effzeh“ hätte kurz nach der Pause die Torhymne erklingen können. Doch verpasste Mathias Honsak um Zentimeter, ein Abschluss von Tim Skarke zischte knapp am Kölner Kasten vorbei. Später im Spielverlauf wurde dann ein zunächst gepfiffener Handelfmeter vom VAR wieder einkassiert. “Unser Vortrag von hinten nach vorne muss besser werden, um ins Positionsspiel und die Räume zu kommen, die für Torgefahr sorgen”, forderte Torsten Lieberknecht von seinem Team. Denn defensiv standen die Lilien auch gegen Köln abermals stabil und ließen kaum Torchancen des Gegners zu – bis auf diese eine spielentschiedene Standardsituation nach 60 Zeigerumdrehungen. Klarer: “Wir kassieren durch einen billigen Standard das Gegentor, das wir so auf keinen Fall kriegen dürfen.”
Es sind genau diese Dinge, die besser werden müssen. Das Kreieren von Torchancen, die Abschlusseffizienz sowie das konsequente Verteidigen in jeder Situation über 90 Minuten. “Heute war es zu wenig”, fasste Klarer nach dem Köln-Spiel zusammen, blickte aber bereits voraus auf die kommende Woche: “Wir werden weiter hart arbeiten. Jetzt müssen wir schauen, wie wir als Team besser agieren können und was jeder Einzelne besser machen kann.” Denn am kommenden Samstag (9.12./15.30 Uhr) wartet bereits das nächste Aufeinandertreffen mit einem direkten Konkurrenten. Aufsteigerduell beim 1. FC Heidenheim. Dort wollen die Lilien wieder ein anderes Gesicht zeigen. Als Einheit mit den Fans.