Widget
02.12.2023 / Profis

Gemeinsam eingeschworen nach Niederlage

Die Bilder nach Abpfiff am Böllenfalltor hätten nicht unterschiedlicher sein können. In der einen Ecke des Merck-Stadions feierten sie, die ganz in Rot gekleideten Gäste mit ihrer Anhängerschaft aus der Domstadt. Schräg gegenüber das komplette Gegenteil. Mit hängenden Köpfen ging es für die Mannschaft des SV Darmstadt 98 vor die Südtribüne – einmal über die Bande, direkt vor die Fans, von Angesicht zu Angesicht. Ein gemeinsames Einschwören auf die kommenden Wochen. Ein Mutmachen, ein Sinneschärfen.

Mannschaftskreis des SVD vor dem Spiel gegen den 1. FC Köln
Foto: SV 98

Natürlich war eine jede Lilien an diesem Freitagabend gefrustet – ganz egal, ob die Spieler auf dem Platz oder die Fans auf den Rängen. Umso wichtiger die Bilder nach Abpfiff – in dem Wissen, dass auch in bitteren Momenten wie am Freitagabend diese herausfordernde Spielzeit nur als Gemeinschaft gemeistert werden kann. „Die Fans in der Kurve haben uns gesagt, dass wir alle zusammen – Verein, Mannschaft, Trainerteam, Fans – an einem Strang ziehen müssen. Dann schaffen wir es“, lobte Christoph Klarer die für ihn „Top-Ansprache“ der blau-weißen Darmstädter Anhängerschaft.

Wir werden uns sehr lange in dieser Saison in diesen Bereichen der Tabelle bewegen. Entscheidend ist, dass wir nach dem letzten Spieltag über dem Strich stehen.

Torsten Lieberknecht, Cheftrainer des SV 98

Nur so kann der Traum vom Klassenerhalt in dieser schwierigen Spielzeit gelingen. Dass diese im Vergleich zu den letzten Zweitliga-Jahren mehr Tiefen als Höhen bereithalten würde, war bereits nach dem perfekt gemachten Aufstieg im vergangenen Mai ohnehin klar. “Wir werden uns sehr lange in dieser Saison in diesen Bereichen der Tabelle bewegen”, sagte daher auch Torsten Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem 0:1 gegen den 1. FC Köln: “Entscheidend ist, dass wir nach dem letzten Spieltag über dem Strich stehen”, betonte der Darmstädter Cheftrainer. Während der SV 98 auf den Relegationsplatz rutschte, sprang der Klub aus der Domstadt auf Platz 15. Ob der Dreier nun eine Erlösung sei, wurde Steffen Baumgart später auf der PK gefragt, was der Kölner Coach mit Verweis auf den erst 13. Bundesliga-Spieltag sofort verneinte. Und auch Lieberknecht ist sich bewusst: “Wir wissen, dass wir noch eine lange Saison vor uns haben.”

Frust und Enttäuschung

Dennoch konnten die südhessischen Protagonisten ihre Enttäuschung nach Abpfiff nicht verbergen. “Natürlich bin ich sauer. Es wäre schlecht, wenn heute irgendjemand nicht sauer wäre”, sagte Klarer unzufrieden darüber, dass man nach zwei ungeschlagenen Spiele in Folge nun die direkte Konkurrenz in der Tabelle auf sechs Punkte hätte distanzieren können, was jedoch nicht gelang. Der Grund dafür? “Wir haben heute nicht unser Leistungsmaximum erreicht. Daher überwiegen der Frust und die Enttäuschung”, so der Innenverteidiger, dessen Aussagen vom Kapitän des SV 98 untermauert wurden. “Heute ist fast niemand von uns an seine Leistungsgrenze gekommen. Wir haben unsere Qualität nicht auf den Platz bekommen”, monierte Fabian Holland. Als “insgesamt sehr unzufrieden” fasste er seine sowie die Stimmungslage wohl aller Lilien am späten Freitagabend zusammen.

Dabei waren die Voraussetzungen vor dem 13. Spieltag der Fußball-Bundesliga aus Lilien-Sicht keine schlechten. Mit dem Selbstvertrauen, die Woche zuvor bei einem Europa-League-Teilnehmer gepunktet zu haben, gingen die Blau-Weißen in die Partie. Ein Abendspiel im Merck-Stadion am Böllenfalltor dazu das angeschaltete Flutlicht, was ohnehin schon jedes Mal wieder für eine besondere Atmosphäre an der Nieder-Ramstädter-Straße sorgt. Und doch musste Holland feststellen: “Speziell in den Heimspielen wollen wir mit unseren Fans eine richtige Wucht entwickeln, das gelingt uns leider aktuell nicht.”

Mehr Durchschlagskraft nötig

Weil gegen den 1. FC Köln vor allem in der Offensive die nötige Durchschlagskraft fehlte. Unter Beweis gestellt, dass sie Tore schießen können, haben die Lilien in dieser Saison dabei bereits. Von den fünf Mannschaften, die in der Tabelle unten drin stehen, erzielte der SV 98 mit 15 Treffern die meisten. Auch gegen den „Effzeh“ hätte kurz nach der Pause die Torhymne erklingen können. Doch verpasste Mathias Honsak um Zentimeter, ein Abschluss von Tim Skarke zischte knapp am Kölner Kasten vorbei. Später im Spielverlauf wurde dann ein zunächst gepfiffener Handelfmeter vom VAR wieder einkassiert. “Unser Vortrag von hinten nach vorne muss besser werden, um ins Positionsspiel und die Räume zu kommen, die für Torgefahr sorgen”, forderte Torsten Lieberknecht von seinem Team. Denn defensiv standen die Lilien auch gegen Köln abermals stabil und ließen kaum Torchancen des Gegners zu – bis auf diese eine spielentschiedene Standardsituation nach 60 Zeigerumdrehungen. Klarer: “Wir kassieren durch einen billigen Standard das Gegentor, das wir so auf keinen Fall kriegen dürfen.”

Es sind genau diese Dinge, die besser werden müssen. Das Kreieren von Torchancen, die Abschlusseffizienz sowie das konsequente Verteidigen in jeder Situation über 90 Minuten. “Heute war es zu wenig”, fasste Klarer nach dem Köln-Spiel zusammen, blickte aber bereits voraus auf die kommende Woche: “Wir werden weiter hart arbeiten. Jetzt müssen wir schauen, wie wir als Team besser agieren können und was jeder Einzelne besser machen kann.” Denn am kommenden Samstag (9.12./15.30 Uhr) wartet bereits das nächste Aufeinandertreffen mit einem direkten Konkurrenten. Aufsteigerduell beim 1. FC Heidenheim. Dort wollen die Lilien wieder ein anderes Gesicht zeigen. Als Einheit mit den Fans.

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen
Paul Fernie verlängert langfristig und rückt in Geschäftsführung auf
01.05.2026

Paul Fernie verlängert langfristig und rückt in Geschäftsführung auf

Kontinuität in der sportlichen Führung: Der SV Darmstadt 98 hat den Vertrag mit Paul Fernie vorzeitig und langfristig verlängert. Im Zuge der Ausdehnung seines Kontrakts rückt der bisherige Sportdirektor in die Geschäftsführung des Vereins auf und fungiert ab sofort als Geschäftsführer Sport.

„Man hat schon Pferde kotzen sehen“
30.04.2026

„Man hat schon Pferde kotzen sehen“

Unser Cheftrainer sprach auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC (3.5./13.30 Uhr) über die mentale Frische seines Teams, die Marschroute der verbleibenden Spielen und seinen Trainerkollegen, dessen Engagement nach sechs Jahren beim KSC nach dieser Saison endet. 

Der Karlsruher SC im Gegnercheck
30.04.2026

Der Karlsruher SC im Gegnercheck

Linker Haken, "Onehundredandeightyyyyyyy" und den Staffelstab übergeben. Hört sich nicht nach Fußball an - und das stimmt auch. Oft wird der KSC mit Profifußball in Verbindung gebracht, doch bei der Masse an Titel im Gesamtverein lohnt sich auch der Blick abseits des Fußballplatzes. Titel von Baden-Württemberg bis nach Rom.

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel
30.04.2026

Zahlen & Fakten: Die Top Facts zum KSC-Spiel

Lilien im Wildpark! Der SV Darmstadt 98 gastiert anlässlich des 32. Zweitliga-Spieltags am kommenden Sonntag (3.5./13.30 Uhr) beim Karlsruher SC. Geht die positive Bilanz aus den letzten Aufeinandertreffen aus Sicht der Lilien weiter? Setzen Florian Kohfeldt und Isac Lidberg ihre Serie gegen den KSC fort? Und hört Fabian Schleusener endlich mal auf, gegen den SV 98 zu treffen? Wir haben alle Zahlen & Fakten zum Spiel für Euch zusammengetragen.

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer
27.04.2026

Ein Spiel Sperre für Pfeiffer

Das DFB-Sportgericht hat Patric Pfeiffer nach dessen Platzverweis gegen die SV Elversberg für eine Partie gesperrt.

Bölle-Energie
26.04.2026

Bölle-Energie

Als sich Florian Kohfeldt in der Halbzeitpause der Mannschaftskabine näherte, da hörte der Cheftrainer der Lilien genau einen Satz: „It’s not finished“. Ausgesprochen hatte ihn Fraser Hornby und damit die Marschroute für seine Teamkollegen und sich selbst festgelegt. Was folgte, war eine besondere zweite Hälfte des SV 98 und ein Punkt gegen die SV Elversberg, der für die Aufstiegsträume in Südhessen zwar zu wenig sein dürfte, aber trotzdem für Stolz bei den Lilien sorgte.

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“
25.04.2026

„Sind physisch über uns hinausgewachsen“

Bis zum Schluss in Unterzahl gekämpft und alles probiert. Doch am Ende müssen die Lilien im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor mit einem 3:3 gegen die SV Elversberg leben. Wie ordnen die Darmstädter Protagonisten die leidenschaftlichen 90 Minuten am Bölle ein? Was sagen beide Cheftrainer zur Partie? Wir haben alle Stimmen für Euch zusammengefasst.

Punkt gegen Elversberg
25.04.2026

Punkt gegen Elversberg

Kein Sieger im Verfolgerduell: Mit 3:3 (2:3) endet das Heimspiel der Lilien gegen die SV Elversberg. Nach zuletzt drei Niederlagen konnte der SV 98 zumindest wieder einen Zähler einfahren und steht nun bei 51 Saisonpunkten. Für die Südhessen trafen Pfeiffer (14.) und Hornby (15., 51.).

Furukawa und Petretta starten
25.04.2026

Furukawa und Petretta starten

Heimspieltag im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Anlässlich des Samstagabendspiels am 31. Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga empfängt der SV Darmstadt 98 die SV Elversberg. Und Cheftrainer Florian Kohfeldt verändert seine Startelf gegenüber der Vorwoche auf zwei Positionen. Raoul Petretta ersetzt Fabian Nürnberger (Oberschenkelprobleme). Außerdem startet Yosuke Furukawa für Killian Corredor gegen das Team aus dem Saarland.

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel
24.04.2026

Matchday kompakt: Alle Infos zum Elversberg-Spiel

Auf ein Neues unter Flutlicht. Am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) spielen die Lilien gegen die SV Elversberg. Wie fallen die Meinungen der Trainer vor dem Spiel aus? Wer pfeift, wer überträgt und kommentiert das Spiel? Und mit welchem Wetter können die Lilien-Fans im Stadion rechnen? Alle Infos für euch in „Matchday Kompakt“ zusammengetragen.

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“
24.04.2026

„Darmstadt 98 kann hinfallen, aber liegen bleiben ist keine Option“

Mit welchem Gedanken blickt Florian Kohfeldt auf das Duell am Samstagabend (25.4./20.30 Uhr) gegen die SV Elversberg? Wo sieht er die Stärken des kommenden Gegners? Und wie will seine Mannschaft nach zuletzt drei Niederlagen wieder punkten? Diese und weitere Fragen beantwortete der Lilien-Cheftrainer auf der Pressekonferenz am Freitag (24.4.) in den Katakomben des Merck-Stadions am Böllenfalltor. Wir haben die wichtigsten Kohfeldt-Aussagen aus der PK für Euch zusammengefasst.

Die SV Elversberg im Gegnercheck
23.04.2026

Die SV Elversberg im Gegnercheck

Im Fußballkosmos ist eine Fahrstuhlmannschaft ein Team, das zwischen zwei Ligen pendelt - zu gut für die eine Liga, aber nicht ganz auf dem Niveau der nächsthöheren Liga. Die Folge ist zumeist: viele Aufstiege und viele Abstiege. Doch die SV Elversberg ist gerade dabei, den Begriff neu zu definieren. Denn seit einigen Jahren fährt der Fahrstuhl die SVE nahezu ausschließlich nach oben.