Foto: Jana Delp 22.02.2026 / Profis
Analyse zum Heimsieg: Die Widerstandskämpfer vom Bölle
Ein rasanter, packender Schlagabtausch zwischen dem SV Darmstadt 98 und der Fortuna Düsseldorf fand in der 88. Minute seinen ekstatischen Höhepunkt. Mit 2:1 entschieden die Lilien dank Matej Maglicas Kopfballtor einen wilden Fight für sich, der einem Boxkampf über 12 Runden glich, in dem beide Kontrahenten ihre Deckung vernachlässigten, dafür aber permanent auf der Suche nach dem nächsten Schwinger oder Haken waren. Mit einem Tag Abstand blickt sv98. de auf das bis dato vermutlich abwechslungsreichste Heimspiel der Südhessen in der laufenden Saison.
Szene des Spiels:
Das schönste Tor des Nachmittags war zwar ohne Zweifel das frühe 1:0: Schnittstellenpass von Niklas Schmidt, One-Touch-Weitergabe von Killian Corredor auf Isac Lidberg, der Marco Richter mitnimmt, dessen Flanke Fraser per Flugkopfball verwertet. Ein Tor wie aus dem Bilderbuch – Fußball, du kannst so schön sein. Fußball kann aber – das wissen wir alle – so emotional, so erlösend, so dramatisch sein. Und genau deswegen schnappt sich natürlich trotz aller Ästhetik des 1:0 Matej Maglicas Siegtor die „Szene-des-Spiels“-Kategorie. Zum einen aufgrund der Bedeutung für das Ergebnis, zum anderen aber auch als Brückenbauer für die nachfolgende Kategorie. Weil Maglicas eigesprungener Schädel einmal mehr verdeutlicht, was dieses Team in der Spielzeit 2025/26 ausmacht.
Das lief gut:
Resilienz. In den vergangenen Wochen hieß es zuweilen, gerade nach Auswärtsspielen, die Lilien seien die Comeback-Könige der Liga. Tatsächlich lässt sich diese Bezeichnung aber in einen größeren Rahmen einbetten: Der SV 98 besitzt in dieser Saison die Fähigkeit, Widerständen unterschiedlichster Art zu trotzen. Im Berliner Olympiastadion fand man nach 30 Minuten eine Antwort auf den Powerfußball der Berliner Hertha. In Braunschweig schaltete das Team in der Halbzeit auf den Reset-Knopf und brannte eine bärenstarke zweite Halbzeit auf den Eintracht-Rasen. Und am Samstagnachmittag schien das Spiel im zweiten Durchgang in Richtung der Fortuna zu kippen. Bis die Lilien sich aus der Druckphase zunächst entfesselten, dann stabilisierten und ab der 80. Minute sogar selbst auf den Sieg drängten. „Wenn du eher oben in der Tabelle stehst, ist es dann sicherlich sich so, dass du einen tiefen Glauben entwickelst, dass du aus ganz vielen Phasen Tore schießen kannst“, beschrieb Cheftrainer Florian Kohfeldt die Gabe seiner Mannschaft. Es geht wunderschön herauskombiniert wie beim 1:0, aber manchmal genügt eben auch ein simples Kopfballtor nach einem Eckball.
Die offensiven Abläufe. Wurde von uns zwar schon in der vergangenen Woche in unserer Analyse nach dem Braunschweig-Spiel angesprochen, darf aber gerne wiederholt werden: Der SV 98 scheint in der Lage zu sein, gegen fast jeden Gegner offensive Lösungen zu finden. Auch gegen die Rheinländer gelangten die Südhessen gleich mehrfach in Situationen, um den Spielstand in die Höhe zu schrauben. Etwa in der 40. Minute, als Richter nach Lidberg-Vorlage knapp das 2:1 verpasste. Oder nach dem Wiederanpfiff, als Hornby von Luca Marseiler in Szene gesetzt wurde, ein knapper Meter jedoch zum Tor fehlte. Oder nach einer Stunde, als Niklas Schmidt fast spektakulär per Seitfallzieher getroffen hätte. Nicht immer münden die Partien in einem Torrausch wie bei der 4:0-Gala gegen den 1. FC Kaiserslautern. Aber die Lilien bringen sich immer wieder in Szenen, um Tore erzielen. Das macht für die restliche Rückrunde Mut. Kohfeldt: „Es war eher ein Unentschieden-Spiel, eher ein 3:3 anstatt ein 1:1.“
Das lief nicht gut:
Die defensiven Abläufe. Und genau jene Aussage des Lilien-Trainers leitet diese Rubrik ein. Denn so gut der SV 98 bisweilen nach vorne agierte, so sehr muss er sich ankreiden lassen, dass in der einen oder anderen Szene auch das Glück und Marcel Schuhen vor einem Rückstand bewahrten. „Offensiv war es mehr als in Ordnung. Aber defensiv waren wir nicht gut“, merkte auch Kohfeldt offen an. Die Lilien hatten weniger Balleroberungen als gewohnt und trafen in der Rückwärtsbewegung zu oft die falsche oder zu späte Entscheidung. Mal klappten Pressingauslöser nicht, dann wiederum wurden Situationen zum Einrücken nicht wahrgenommen. Die Folge: Eine extrem kurzweilige Partie, die im Grunde keine Zeit für Toiletten- oder Biergänge zuließ. Weil es in beiden Strafräumen permanent hin und herging. „Es war ein offener Schlagabtausch, den wir in der Form lange nicht mehr hatten“, bilanzierte Schuhen treffend. Zur Wahrheit gehört natürlich auch: Die Fortuna-Offensive bringt mit Itten, Appelkamp, Muslija oder auch dem an diesem Nachmittag umtriebigen Schienenspieler Iyoha große Qualität mit. Dennoch darf es am kommenden Freitag bei Dynamo Dresden gerne weniger luftig in der eigenen Hälfte zugehen.
Zitat des Tages:
Insgesamt ein Lob an meine Mannschaft für ihren Fokus und ihre Mentalität.