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20.12.2023 / Profis

Der versöhnliche Abschluss

125 Jahre. Mit einer bewegten Vereinshistorie. 125 Jahre. Voller Tradition und Gemeinschaft, geprägt von großen Erfolgen und so einigen Krisen. Der SV Darmstadt 98, er feierte in diesem Jahr sein 125-jähriges Vereinsjubiläum. 2023? Ein weiteres, ganz besonderes Kapitel in der Geschichte des Darmstädter Sportvereins. Ein Jahr voller Aufs und Abs. Am 28. Januar hat genau dieses Fußballjahr mit einem 2:0-Heimsieg gegen den SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga begonnen, ganze 326 Tage später endete es am 19. Dezember mit einem spektakulären 3:3 bei der TSG 1899 Hoffenheim in der 1. Bundesliga. Torsten Lieberknecht: „Es ist ein sehr versöhnliches Ende.“

TSG Hoffenheim vs. SV Darmstadt 98, Jubel von Tim Skarke, Luca Pfeiffer und Emir Karic
Foto: Stefan Holtzem

„Dieses Spiel ist sinnbildlich für das Jahr 2023 gewesen“, bilanzierte der Cheftrainer des SV Darmstadt 98 nach der Achterbahnfahrt in der Sinsheimer PreZero Arena. Gleich dreimal lagen die Lilien am 16. Spieltag der Fußball-Bundesliga im Hintertreffen. Gleich dreimal schlugen sie zurück. Gegen alle Widerstände anzukämpfen, nie aufzugeben und immer wieder aufzustehen: Genau das sind die Tugenden, die den Sportverein von 1898 seit jeher, aber besonders in diesem Kalenderjahr auszeichnen. Der SV 98 hat gegen den Klub aus Hoffenheim, der in dieser Spielzeit auf Tabellenplatz sieben liegend mindestens mit einem Auge in Richtung internationalem Geschäft schielt, bewiesen, dass er sich nicht unterkriegen lässt – nicht von Rückständen, nicht von zuvor drei Niederlagen in Folge und auch nicht von einer langen Kranken- und Verletztenliste. „Vor der Winterpause trotz unserer personellen Situation sich so zu präsentieren, macht total stolz. Für uns ist es heute ein Glücksmoment“, lobte Lieberknecht seine Mannschaft auf der Pressekonferenz nach der Partie.

Unser Mentalität hat gepasst, wir haben nie aufgegeben. Wir hatten uns geschworen, alles rauszuhauen und das ist uns gelungen.

Tim Skarke über den Punktgewinn in Sinsheim

Vor allem nach den vergangenen Wochen. Der letzte Monat des Jahres begann mit dem 0:1 gegen den 1. FC Köln, gefolgt von einem 2:3 beim 1. FC Heidenheim und einer 0:1-Pleite gegen den VfL Wolfsburg. Allessamt Duelle, aus denen die Lilien durchaus hätten Punkte mitnehmen können, wenn nicht sogar müssen. „Für die Moral ist es super wichtig gewesen, dass wir mit einem Unentschieden aus der Partie rausgegangen sind“, fasste Tim Skarke nach dem nervenaufreibenden 3:3 gegen die TSG zusammen. Die Lilien belohnten sich endlich wieder für einen leidenschaftlichen Kampf, für ein couragiertes und vor allem mutiges Auftreten während der gesamten 90 Minuten in Sinsheim. Von einer „brutalen Willensleistung“ sprach der doppelte Torschütze: „Unser Mentalität hat gepasst, wir haben nie aufgegeben. Wir hatten uns geschworen, alles rauszuhauen und das ist uns gelungen.“ Ein weiterer Zähler auf dem Punktekonto der Lilien also das Resultat.

Die reelle Chance

Mit zehn Punkten verabschieden sich die Darmstädter in die kurze Winterpause. Ja, die Lilien stehen auf dem letzten Rang der Bundesliga-Tabelle, haben mit Abstand die meisten Gegentore des Wettbewerbs kassiert und bis dato ligaweit mit die meisten Niederlagen einstecken müssen. Und sie befinden sich tabellarisch genau dort, wo sie der Großteil des deutschen Fußballkosmos vor der Saison ohnehin gesehen hatte. Doch abgeschlagen und chancenlos? Das ist der SV Darmstadt 98 keinesfalls. Gleich vier Mannschaften haben die Anzahl von zehn gesammelten Zählern gemein – Mainz und Köln, Union Berlin sowie der SVD. Stand Mittwochmittag (20.12.) fehlen den Lilien gerade einmal sechs Tore auf einen Platz über dem Strich. „Wir haben die reelle Chance, weiter in dieser Liga zu bleiben“, sagte Lieberknecht daher schon auf der Pressekonferenz vor dem Duell in Hoffenheim.

Denn in den bisherigen 16 Partien war seine Mannschaft einzig gegen die beiden Top-Teams aus Leverkusen und München deutlich unterlegen. Ansonsten hatten die Lilien stets ihre Möglichkeiten, um Punkte einzufahren. Dass dies aber gerade gegen die direkte Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt aus Köln, Heidenheim oder auch Bochum nicht gelang, frustrierte Mannschaft und Trainerteam genauso wie die Fans der 98er. Daher gilt es eben auch, Punkte zu holen, wo keiner damit rechnet, wie Lieberknecht vor einigen Wochen betonte. Das war beim Europa-League-Teilnehmer aus Freiburg der Fall oder eben am Dienstagabend auswärts in Hoffenheim. „Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses Remis uns richtig viel Kraft geben wird für die Aufgaben, die vor uns liegen“, unterstrich der Cheftrainer des SV 98 in den Katakomben der Sinsheimer Arena. Kraft für die 18 verbleibenden Herausforderungen in dieser Saison. Um die reelle Chance am Schopfe zu packen. Denn entscheidend ist, nach 34 Partien über dem Strich zu stehen. 

Auf ein erfolgreiches 2024

„Jetzt geht es darum, in der Winterpause Energie zu tanken, die richtigen Schlüsse zu ziehen und in der Rückrunde voll anzugreifen“, fasste Skarke zusammen und betonte, dass die Darmstädter zukünftig insgesamt kompakter stehen und eine bessere Ordnung aufweisen müssten. Denn zum Kapitel Hoffenheim mit dieser „unglaublichen Moral“ (O-Ton Luca Pfeiffer) und zum Punktgewinn der Lilien gehört eben auch, dass die drei Gegentore zu einfach fielen. Daran werden die Südhessen arbeiten, wenn es nach dem Kräftetanken zur Weihnachtszeit dann bereits ab dem 2. Januar ins Trainingslager nach Spanien geht, um sich auf die Kracher direkt zum Start ins neue Jahr sowie die gesamte Rückrunde vorzubereiten. Denn auch im 126. Jahr der Darmstädter Vereinshistorie hoffen die Lilien auf einen sehr versöhnlichen Abschluss. Das Fußballjahr 2024? Es wird am 13. Januar mit dem Erstliga-Duell gegen Borussia Dortmund beginnen, rund 344 Tage später soll es dann kurz vor Weihnachten mit einem weiteren Pflichtspiel in der Bundesliga-Saison 2024/25 enden.

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