Unentschieden bei der Generalprobe
Der SV Darmstadt 98 und der englische Zweitligist FC Portsmouth haben sich bei der Generalprobe vor dem offiziellen Saisonstart mit einem torlosen Remis getrennt.
251 Pflichtspiele hat Tobias Kempe mittlerweile für die Lilien absolviert. Und trotzdem feiert der 34-Jährige noch immer Premieren im Dress der Südhessen. Wir haben mit unserem Mittelfeldspieler über seine Torpremiere in der Bundesliga, einen ganz besonderen Vater-Tochter-Moment und Gelassenheit im Profigeschäft gesprochen.
Tobi, am vergangenen Samstag bist du mit deiner Tochter ins Stadion eingelaufen. War das ihr Wunsch oder deine Idee?
Tobias Kempe: Es war schon länger in Planung, hat aber aus verschiedenen Gründen in der vergangenen Saison nicht funktioniert. In den letzten Wochen hat Mina immer wieder gesagt, dass sie unbedingt mit mir einlaufen möchte und ich habe es dann mit dem Verein abgeklärt. Am Samstag hat es nun endlich geklappt, dass wir gemeinsam das Spielfeld betreten konnten.
Sicherlich ein besonderer Moment…
Kempe: Für uns beide, ja. Mina war sehr aufgeregt und hat nochmal kurz überlegt, es doch noch abzusagen. (lacht) Aber dann haben wir es sehr genossen und sie war danach so glücklich, dass sie nun am liebsten bei jedem Heimspiel mit mir einlaufen würde. Und für mich selbst war es ein unbeschreibliches Gefühl, mit der eigenen Tochter das Spielfeld zu betreten. Dazu noch in der Bundesliga.
Sie verfolgt jedes Spiel von dir, oder?
Kempe: Genau und ich möchte sie auch teilhaben lassen an meiner Karriere. Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn sie im Stadion ist, wenn ich sie nach dem Spiel auf das Feld holen kann und ich sie im Trikot mit der Nummer 11 und dem Schriftzug „Papa“ sehe. Es ist auch ein Antrieb, für sie vielleicht Dinge zu schaffen, die nicht alltäglich sind.
Wie beispielsweise ein Bundesligator zu erzielen…
Kempe: Ich habe vor der Saison zu ihr gesagt, dass dem Papa noch ein Tor in der 1. Liga fehlt. Ich glaube zwar nicht, dass sie genau realisiert hat, welche Bedeutung dieser Treffer für mich hatte, aber sie hat sich auf jeden Fall für mich gefreut. Und ich habe mit dem Tor ein großes Ziel in meiner Karriere erreicht.
Du hast den Elfmeter gegen Bremen als „vielleicht schwerstes Tor der Karriere“ beschrieben…
Kempe: Das war tatsächlich so. Normalerweise konzentriert man sich einfach zu einhundert Prozent auf sich selbst und den Ball. Aber in diesem Moment war irgendwo im Unterbewusstsein schon das Gefühl, dass es gleich soweit sein könnte. Und gleichzeitig steckt im Hinterkopf der Gedanke „Wenn du es jetzt verkackst, musst du noch länger warten.“ (lacht) Zum Glück hat es funktioniert. Das war auf jeden Fall eine Erleichterung.
Mittlerweile stehst du bei drei Toren und zwei Vorlagen. Zahlen, die einen gewissen Stolz auslösen?
Kempe: Jeder Spieler hat Ziele in seiner Karriere. Und für mich war es ein großer Traum, mit Darmstadt noch einmal in die Bundesliga aufzusteigen. Insofern haben mich unser Aufstieg und die Möglichkeit, mit den Lilien nochmal in dieser Liga zu spielen, auf jeden Fall mit Stolz erfüllt. Und natürlich freut es mich, wenn ich der Mannschaft auf dem Platz auch mit Toren und Vorlagen helfen kann.
Verspürst du auch ein wenig Genugtuung gegenüber den Leuten, die angezweifelt haben, dass du weiterhin Bundesliga spielen kannst?
Kempe: Ich bin zwar generell niemand, der konkret auf solche Aussagen eingeht, ich habe diese Stimmen aber durchaus vernommen. Und sie sind für mich schon ein krasser Ansporn, um allen zu zeigen, dass das Alter keine Rolle spielt. Es geht um die Fitness und Gesundheit und darum, was man dafür investiert. Die Leute sehen uns am Wochenende auf dem Feld, aber eben nicht unter der Woche. Und da ist es entscheidend, alles zu tun, um seine Leistung abrufen zu können. Ich stecke viel Zeit und Energie hinein, um auf dem höchsten Niveau Fußball spielen zu können.
Torsten Lieberknecht hat vergangene Woche gesagt „Tobi weiß, dass da draußen gleich nur ein Fußballspiel stattfinden wird“ und ergänzt, dass du mit dieser Ruhe auch der Mannschaft hilfst…
Kempe: Das ist etwas, was sich über die Jahre entwickelt hat. Wenn du viele Spiele gemacht hast, viele Stadien gesehen und sowohl Höhen als auch Tiefen erlebt hast. Ich versuche einfach in jeder Situation eine Lockerheit beizubehalten und damit ein Ruhepol für meine Mitspieler zu sein. Selbstverständlich musst du trotzdem auf Spannung sein und auch ich verspüre an jedem Spieltag einen gewissen Druck, aber ich weiß eben auch, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als Fußball.
Auch wenn es definitiv wichtigere Dinge als Fußball gibt, so gibt es für einen Fußballer wenig, was größer ist als ein Auswärtsspiel in München. Wie blickst du auf die kommende Partie?
Kempe: Selbstverständlich ist das ein Highlightspiel gegen einen Gegner mit vielen Weltklassespielern. Aber wir spielen beide Fußball. Natürlich brauchen wir einen Sahnetag und Bayern einen weniger guten. Aber wir werden uns nicht verstecken und haben sehr viel Kraft und Selbstvertrauen aus den vergangenen Spielen gezogen. Es wird extrem schwierig, aber es haben immer wieder Mannschaften gezeigt, dass es möglich ist.