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03.09.2023 / Profis

Gutes Gespür und richtiges Einordnen

Es war eine bemerkenswerte Szenerie, die nach Abpfiff an beiden Enden des Spielfeldes in der BayArena entstand. Im Norden feierte der Gastgeber vor seiner Kurve den schlussendlich deutlichen Heimsieg, doch auch den Lilien auf der Südseite schallten Gesänge und Applaus aus dem Gästeblock entgegen. Selbst als die Leverkusener bereits in der Kabine verschwunden waren, standen die Protagonisten mit der Lilie auf der Brust noch immer vor ihren Supportern, aus deren südhessischen Kehlen unentwegt ein laustarkes „Wir sind Darmstädter!“ drang. Ein weiterer Beweis für das Gespür der Lilienfans. Für das richtige Einordnen der Situation und insbesondere der Rolle, die der SV 98 als Aufsteiger in der Bundesliga einnimmt.

Foto: SV 98

„Was die Mädels und Jungs im Block heute gemacht haben, das war überragend und absolut Bundesliga“, bilanzierte Christoph Klarer ein wenig später und konkretisierte: „Insbesondere die Message nach dem Spiel.“ Trotz der 1:5-Niederlage beim Team der Stunde aus Leverkusen waren keine Worte des Hohns oder gar Pfiffe zu vernehmen, den Lilien wurden ausschließlich positive Reaktionen entgegengebracht. Gesänge und aufmunternder Beifall, die ausdrückten, was Carsten Wehlmann in der Mixed-Zone richtig zusammenfasste: „Meine Hochachtung und Respekt vor den Fans, die diese Situation absolut richtig einschätzen.“

"Wussten, dass es eine riesige Herausforderung wird"

Das Spiel in Leverkusen endete mit der dritten Niederlage im dritten Spiel. Nach 270 Bundesliga-Minuten ist das Punktekonto des SV 98 entsprechend leer. Kein schöner Umstand, aber eben auch nichts, was eine Panik auslösen würde. Weder im Umfeld, noch im Verein selbst. „Wir wussten, dass die komplette Saison eine riesige Herausforderung wird“, so Wehlmann, um mit Blick auf den Saisonstart fortzuführen: „Unser Auftaktprogramm, die generelle Qualität der Bundesliga, dazu unsere Möglichkeiten im Vergleich zu den anderen Mannschaften. Dieses Wissen sorgt dafür, dass wir weiterhin bei uns bleiben und in Ruhe weiterarbeiten werden.“

Zumal die Lilien durchaus positive Aspekte aus ihrem Saisonstart mitnehmen können. Auch aus Leverkusen, wo das Team von Torsten Lieberknecht den großen Favoriten im ersten Durchgang vor einige Probleme stellte und mit dem Treffer von Oscar Vilhelmsson auch die richtige Antwort auf den Rückstand parat hatte. Dinge, die auch Klarer mit Blick auf diese 45 Minuten hervorhob: „Die Performance der ersten Halbzeit muss uns Kraft geben. Das Tor von Oscar muss Mut geben. Die Paraden von Schuh. Die Abschlüsse, die wir geblockt haben. Das müssen wir mitnehmen.“

"Auch heute habe ich viele gute Dinge gesehen, die ich den Jungs mitgeben werde."

Torsten Lieberknecht, Cheftrainer des SV 98

Bis zum Ende der Underdog

In eine ähnliche Kerbe schlug Cheftrainer Lieberknecht: „Trotz der drei Niederlagen können wir auch positive Dinge herausziehen. Auch heute habe ich viele gute Dinge gesehen, die ich den Jungs auch mitgeben werde. Vor der Saison hat jeder gesagt, dass es schwer für uns wird. Jetzt bin ich überrascht, wenn diese Leute nun verwundert sind, dass es wirklich so eintritt. Wir selbst bleiben absolut positiv, das möchte ich auch ausstrahlen.“

Der Rückhalt des eigenen Anhangs ist dabei mit Sicherheit ein Faustpfand auf dem weiteren Weg durch die Herkulesaufgabe Bundesliga, Kapitän Fabian Holland beschrieb es in Leverkusen als „richtiges Umfeld, um weiterhin in Ruhe arbeiten zu können.“ Woran es zu arbeiten gilt, auch das wissen die Lilien durchaus. Die Ruhe und der Mut im eigenen Spiel mit dem Ball am Fuß, das Schließen von Räumen und Lücken im eigenen Defensiv-Verbund, noch mehr Besonnenheit im Umgang mit Rückständen. All diese Punkte wurden noch in der BayArena auf die eigene To-Do-Liste gesetzt, das Abarbeiten wird in der nun anstehenden Länderspielpause fortgeführt.  

Bei all der anstehenden Arbeit gibt die Pause laut Wehlmann aber auch Zeit zum „Analysieren, Schütteln und Durchatmen“, bevor die nächsten großen Aufgaben warten. „Wir bleiben bis zum letzten Spieltag der Underdog“, erklärte Lieberknecht auf der Pressekonferenz in der BayArena. Eine Rolle, deren sich aller in Darmstadt bewusst sind. Die angenommen wird. Die gleichzeitig aber auch Ansporn ist, sich weiterzuentwickeln und als Außenseiter die wöchentlichen Mammutaufgaben zu lösen. Mit all dem, was die Lilien auszeichnet

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