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02.10.2023 / Profis

Lerneffekt

Die Protagonisten des SV Darmstadt 98, sie hatten da in der vergangenen Woche schon so ein Gefühl. Allen voran Torsten Lieberknecht, der auf der Pressekonferenz am Freitag (29.9.) der Öffentlichkeit die Gefühlswelt von ihm und seiner Mannschaft offenbarte: „Wir haben das Gefühl, dass der Zeitpunkt immer näherkommt, an dem wir die drei Punkte holen werden.“ Ein Gefühl, das den Cheftrainer der Lilien nicht täuschen sollte. 4:2 gewann sein Team gegen den SV Werder Bremen. Der erste Heimsieg. Die ersten drei Bundesliga-Zähler in dieser Spielzeit. Dank Mut und Aktivität. Dank abgelegtem Respekt und vor allem hoher Lernbereitschaft.

Foto: SV 98

„Wir haben alle danach gelechzt und lange darauf gewartet“, machte Lieberknecht auf der Pressekonferenz nach dem Sieg über Werder Bremen deutlich. Nach zuletzte guten Halbzeiten haben die Südhessen am Sonntagnachmittag einen weiteren Schritt gemacht. Und sich Stück für Stück in diese Liga reingebissen. Oder, um in der Bildsprache der vergangenen Tage zu bleiben: Die Lilien haben das reservierte Handtuch der Cluburlaub-Liege genommen und weggeworfen. Und endgültig die Liege in Beschlag genommen. „Wir sind sehr erleichtert“, bemerkte auch Fabian Nürnberger in der Mixed-Zone des Merck-Stadions am Böllenfalltor: „Der Sieg war wichtig“.

Vollgas-Fußball und Risikobereitschaft

Und er war ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Entwicklung der Mannschaft fortsetzt. Konnten die Lilien an den ersten fünf Bundesliga-Spieltagen bereits phasenweise den Respekt ablegen und zeigen, dass sie in der Beletage des deutschen Fußballs mithalten können, so gelang ihnen dies gegen Werder Bremen nahezu über die gesamte Spieldauer. Dabei betonte Tobias Kempe schon am Donnerstag (28.9.): „Wir sind so heiß darauf, den ersten Dreier zu holen.“ Etwas, was der SV 98 dann am Sonntagnachmittag (1.10.) von der ersten Minute an seiner Anhängerschaft auf den Rängen und vor den TV-Geräten vermittelte. Vollgas-Fußball. Risikobereitschaft. Ein leidenschaftliches Auftreten. „Wir haben gekämpft, sind gelaufen und haben uns reingeworfen“, lobte Nürnberger und bekam dabei Unterstützung von Marcel Schuhen, der ebenfalls hervorhob: „Wir sind gut angelaufen, waren sehr gefährlich und effizient.“

Mit Intensität und Emotionalität ist es den Lilien gelungen, den Drittplatzierten der Ewigen Bundesliga-Tabelle vor große Probleme zu stellen und den Bremern in der ersten Halbzeit sowie über weite Strecken der zweiten 45 Minuten den Schneid abzukaufen. Und letztendlich das Spiel verdientermaßen für sich zu entscheiden. Auch die Statistik untermauerte dabei: 14:9 Torschüsse für die Blau-Weißen, mit 54:46 Prozent die bessere Zweikampfquote, dazu mehr Sprints (205:189) und die größere zurückgelegte Laufdistanz (116,5km:115,1km). Lieberknecht dazu: „Insgesamt entscheidend war, dass wir neben der Intensität auch Aktivität gezeigt haben, um mit mehr Risikobereitschaft spielen zu können.“

Die Jungs haben zugehört, es heute umgesetzt und sich mit dem Dreier belohnt.

Torsten Lieberknecht, Cheftrainer des SV 98

Zudem zeigte vor allem der Lerneffekt aus den vorangegangenen Begegnungen seine Wirkung. Mitunter viel Lehrgeld hatten die Lilien an den ersten drei Spieltagen gezahlt – wie gegen Union oder in Leverkusen. Ihnen wurde aufgezeigt, was es braucht, um in der Bundesliga zu bestehen und welche Fehler man auf diesem Niveau eben nicht machen darf – wie in Stuttgart oder gegen Gladbach. „Unter der Woche haben wir darüber gesprochen, dass wir uns an die eigene Nase fassen und Fehler abstellen wollen“, verriet Lieberknecht und ergänzte: „Die Jungs haben zugehört, es heute umgesetzt und sich mit dem Dreier belohnt.“ Psychologisch dabei ganz wichtig sei gewesen, dass seine Mannen die Erinnerungen an das Gladbach-Spiel nach den beiden Werder-Anschlusstreffern schnell aus den Köpfen bekamen und sich gegen Bremen mit aller Macht dagegenstemmten, dass sich der Spielverlauf des 3:3 vor zwei Wochen an diesem Sonntag eben nicht wiederholen sollte. Auch das also ein Lerneffekt.

Und trotz „nur“ einem Zähler aus den ersten fünf Duellen sind die Südhessen nicht in Hektik oder gar Panik verfallen. Ganz im Gegenteil. „Wir sind nicht unruhig geworden, sondern haben gelernt, dass man in der Bundesliga Geduld haben muss“, erklärte Schuhen. So sammelt diese insgesamt Bundesliga-unerfahrene Truppe immer mehr Erstliga-Erfahrung. Die Mannschaft des SV Darmstadt 98 hat allerspätestens am Sonntagnachmittag gezeigt, dass sie in die Bundesliga gehört und es mit namhaften Vereinen – wie Werder Bremen es ist – aufnehmen können. Sie ist bereit, den Respekt abzulegen, stattdessen mutig zu agieren und den eigenen Weg fortzusetzen.

Schwungvoll in Richtung Augsburg

Mit dem Schwung des ersten Bundesliga-Erfolgs im Rücken wollen die Lilien nun in die neue Woche starten. Denn mit dem FC Augsburg wartet am kommenden Samstag (7.10./15.30 Uhr) der nächste Bundesliga-erfahrene Gegner. Seit zwölf Jahren spielen die Fuggerstädter ununterbrochen in der 1. Liga. „Das wird ein schweres Spiel“, war sich Nürnberger schon am Sonntag sicher: „Wir müssen daher das Bremen-Spiel schnell aus dem Kopf bekommen und eine gute Trainingswoche hinlegen.“ Um dann mit Mut und Aktivität sowie Risiko- und hoher Lernbereitschaft die nächsten Bundesliga-Punkte anzuvisieren.

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