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23.09.2023 / Profis

R.E.S.P.E.C.T.

In der zweiten Bundesliga war es Torsten Lieberknecht stets wichtig, die Partien gegen die Konkurrenten respektvoll und seriös angehen. In dem Wissen, dass jeder Punkt im Unterhaus hart erkämpft ist, auch gegen vermeintliche Abstiegskandidaten. In dieser öffentlichen Wahrnehmung befindet sich der SV 98 nun eine Etage höher selbst. Und auch deshalb hatte der Lilien-Cheftrainer unlängst gefordert, den Respekt vor den Bundesliga-Teams abzulegen.

Foto: SV 98

Respekt. Es war auch eines der meistverwendeten Worte nach Abpfiff gegen den 1:3 beim VfB Stuttgart. Denn vor allem im ersten Durchgang agierten die Südhessen etwas zu zaghaft, beschränkten sich gegen die beste Offensive der Liga noch zu sehr auf die Defensivarbeit – was an sich nicht schlimm gewesen wäre, doch auch dort fehlte in entscheidenden Situationen die nötige Kaltschnäuzigkeit und Abgezocktheit. Die Folge: Guirassy und Millot knüpften an ihre bisherigen Auftritte in dieser Spielzeit an und drehten noch vor der Pause die Begegnung. Natürliche habe man gewusst, welche Qualität und Formstärke Stuttgart besäße und welche Wucht sie entwickeln könnten, erklärte Fabian Holland. Aber: „Wir haben in der ersten Halbzeit wenige Zweikämpfe gewonnen und den Ball zu schnell hergegeben, um wirklich ins Spiel zu kommen.“ Seine Einschätzung teilte Klaus Gjasula. „Wir haben am Anfang des Spiels die zweiten Bälle nicht bekommen und die ersten zu leicht weggeschenkt“, monierte der Defensivmann: „Die erste Viertelstunde war nicht so mutig.“

Für Anschauungsunterricht, wie es auch anders laufen kann, sorgte die Mannschaft im zweiten Durchgang selbst. Da entwickelten die Südhessen nach und nach mehr Drang, legten peu á peu den Respekt ab. Wurden wurden forscher, aufmüpfiger. Und entwickelten in der Schlusshphase sogar eine Drangphase mit mehreren aussichtsreichen Aktionen. Gegen den (Stand Samstagvormittag) Bundesliga-Spitzenreiter wohlgemerkt. Gjasula: „ Ich denke wir haben in der zweiten Halbzeit einen guten Auftritt hingelegt, waren mutig und haben Fußball gespielt. Ich hatte schon das Gefühl, dass wir eine kleine Druckphase haben und auch das 2:2 fallen kann.“ Und sein Kapitän fügte hinzu: „Wir sind sehr enttäuscht, gerade weil man in der zweiten Halbzeit gesehen hat, was drin war, wenn man den Respekt ablegt und mutiger ist.“

Noch mehr Konstanz und "Rotzigkeit"

Die Lilien belegen bei ihren Auftritten phasenweise immer wieder, warum sie in die Bundesliga gehören. Gegen Frankfurt hätte man einen Punkt verdient gehabt, gegen Union glich man zwischenzeitlich aus, in Leverkusen ebenfalls. Gegen Gladbach schnürte man die Fohlen gar über eine Halbzeit komplett ein. Chancenlos sieht anders aus. Aber: Noch schaffen es die Südhessen nicht, die Leistung über 90 Minuten zu konservieren. Immer wieder gibt es gegen die – zugegebenermaßen hochklassige – Bundesliga-Konkurrenz Phasen, in denen das Pendel zu stark für den Gegner ausschlägt. Wird die Mannschaft konstanter in ihren Leistungen und agiert mit etwas mehr „Rotzigkeit“ (Zitat Lieberknecht), dann stellen sich auch die punktemäßigen Erfolgserlebnisse ein.

 „Wir werden den Respekt Schritt für Schritt ablegen, je früher desto besser natürlich“, so Gjasula, der richtigerweise einordnete: „Für uns ist die Bundesliga Neuland, wir haben aber ordentliche Auftritte gehabt und müssen jetzt dran bleiben.“ In die gleiche Kerbe schlug auch Holland: „Wenn wir den Respekt ablegen, werden wir unsere Gegner immer wieder ärgern können.“ Bestenfalls gleich am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen Werder Bremen (1.10./15.30 Uhr).

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