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21.09.2023 / Profis

VfB Stuttgart im Gegnercheck

1904 Spiele, 2774 Punkte, Platz vier in der ewigen Tabelle. Der VfB Stuttgart gehört zum Inventar der Bundesliga, fünf Deutsche Meisterschaften inklusive. Unvergessen das „Magische Dreieck“ um Krassimir Balakov, Fredi Bobic und Giovane Elber oder „Die Jungen Wilden“, die mit ihrem Fußball für Furore sorgten. Doch auch der aktuelle Kader auf einem guten Weg, Spuren zu hinterlassen.

Foto: DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

Der Kapitän Wataru Endo? In Liverpool. Abwehrhüne Konstantinos Mavropanos? Bei West Ham United? Flanken-Ass Borna Sosa? Spielt nun in Amsterdam. Der VfB Stuttgart hat einige Leistungsträger verloren vor dieser Saison. Doch es scheint, als könnten die Schwaben den Abgang dieser Spieler kompensieren. Teilweise mit Neuzugängen, größtenteils aber mit Spielern, die dabei sind, den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen.

Beim vergangenen 3:1 in Mainz standen mit Torhüter Alexander Nübel und Angelo Stiller nur zwei Neuverpflichtungen in der Startelf, unter Trainer Sebastian Hoeneß ist seit dessen Amtantritt im April etwas zusammengewachsen. Der VfB spielt Offensivfußball, stellt aktuell mit 14 Toren die beste Offensive der Liga und in Person von Serhou Guirassy auch den besten Torschützen. Insbesondere im eigenen Stadion beeindruckten die Stuttgarter bislang, sowohl der VfL Bochum als auch der SC Freiburg wurden mit 5:0 geschlagen. Vor dem anstehenden Auswärtsspiel nehmen wir den kommenden Gegner des SV Darmstadt 98 genauer unter die Lupe.

Der Trainer

Laut seinem Vater Dieter war schon sehr früh klar, dass sich ein wichtiger Teil im Leben des Sebastian Hoeneß um das runde Leder drehen würde. „Das erste Wort, das er als Kind gesagt hat, war: Ball“, verriet der ehemalige Manager des VfB Stuttgart und von Hertha BSC. Es scheint logisch, dass Sebastian der Fußball wohl automatisch in die Wiege gelegt wurde. Vater Dieter leitete nicht nur jahrelang die Geschicke beim VfB und in der Haupstadt, zuvor absolvierte der heute 70-Jährige knapp 300 Spiele in der Bundesliga. Und Uli Honeß, Onkel von Sebastian, gilt bis heute als Gesicht der Erfolgsgeschichte des FC Bayern.

Doch Sebastian Hoeneß wollte immer seinen eigenen Weg gehen, keine Bevorteilung durch seinen Namen oder Familiengeschichte. Als Fußballer wird Sebastian in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet, er wird Deutscher B-Junioren Meister, den endgültigen Sprung in den Profibereich schafft der Mittelfeldpspieler aber nicht. Zwar absolviert er mehr als 100 Regionalligaspiele für die zweite Mannschaft der Hertha, doch mit 28 Jahren hängt der gebürtige Münchener seine Schuhe an den Nagel und startet seine Trainerkarriere. Zunächst trainiert er in Berlin die U19 von Hertha Zehlendorf, danach geht es in den Nachwuchsbereich von Leipzig. 2017 zieht es Hoeneß zurück in seine Geburtsstadt, er wird Cheftrainer der U19 des FC Bayern und übernimmt 2019 dann die zweite Mannschaft des Rekordmeisters, die kurz zuvor in die 3. Liga aufgestiegen war. Es folgt ein besonderes Jahr, in dem die „kleinen Bayern“ die Drittliga-Meisterschaft gewinnen können. Ein Erfolg, der Hoeneß in die Bundesliga spült. Zwei Spielzeiten lang leitet er die Geschicke bei der TSG Hoffenheim, bevor eine Sieglos-Serie von neun Spielen im Liga-Endspurt das Aus im Mai 2022 besiegelte.

Seit April ist Hoeneß Cheftrainer des VfB Stuttgart, in 12 Bundesligaspielen mit den Schwaben hat er starke 22 Punkte gesammelt und zudem das Relegationsduell gegen den HSV gewonnen. Nach vier Spieltagen steht der VfB nun auf dem vierten Tabellplatz, bereits 14 erzielte Treffer sind ein klares Indiz für den Offensivfußball, den der 41-Jährige spielen lässt. „Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohlgefühlt hier und hatte direkt das Gefühl, dass wir etwas entwicklen können. Jetzt haben wir einen gute Lauf und entwickeln diese Dinge. Das ist nicht der Verdienst einer Person, sondern aller beim VfB. Wichtig ist es jetzt, cool zu bleiben“, erklärte der Cheftrainer nach dem 3:1- Erfolg in Mainz am vergangenen Wochenende.

Hoeneß und der VfB, das scheint defintiv zu passen.

Foto: eibner Pressefotos

Transfermarkt

Top-Neuzugänge Top-Abgänge
Serhou Guirassy (27, Stade Rennes) Wataru Endo (30, Liverpool FC)
Angelo Stiller (22, TSG Hoffenheim) Konstantinos Mavropanos (25, West Ham United)
Alexander Nübel (26, Bayern München) Borna Sosa (25, Ajax Amsterdam)
Deniz Undav (27, Brighton & Hove Albion) Gil Dias (26, Legia Warschau)
Woo-yeong Jeong (23, SC Freiburg) Florian Müller (25, SC Freiburg)

Prunkstück

Was waren das bitte für zwei Statements des VfB Stuttgart in der heimischen MHPArena? Das Prunkstück der Schwaben bis dato: Die Heimstärke! Zwei Partien hat die Mannschaft von Cheftrainer Sebastian Hoeneß vor heimischer Kulisse absolviert und lieferte gleich zweimal absolutes Spektakel. Erst gewann der VfB zum Saisonauftakt gegen den VfL Bochum mit 5:0, im zweiten Heimspiel folgte dann ein weiteres 5:0 gegen den SC Freiburg – zwei Heimspiele, sechs Punkte, 10:0 Tore. Zehn Treffer in den ersten beiden Bundesliga-Heimspielen, das gelang dem VfB zuvor noch nie. Dabei hätten die Stuttgarter sowohl gegen Bochum als auch gegen Freiburg früh hinten liegen können. Doch die Gegner vergaben ihre Chancen, die Schwaben schlugen in beiden Spielen dagegen eiskalt zu und überzeugten mit brutaler Effizienz. Im Duell mit dem SCF zum Beispiel, da verwertete der VfB fünf von sieben Torchancen. Eine herausragende Quote.

All Eyes on ...

Serhou Guirassy. Es sind unglaubliche Zahlen, die der 27-jährige Franzose in der bisherigen Saison auflegt. Bereits acht Treffer stehen für den Angreifer zu Buche, er ist der erste Spieler seit 56 (!) Jahren, der in den ersten vier Spielen derart häufig einnetzen konnte. Ähnlich beeindruckend liest sich eine weitere Statistik: Guirassy schoß in der laufenden Saison überhaupt nur acht Mal auf das Tor, alle Versuche landeten also auch im Netz. Im vergangen Auswärtsspiel in Mainz erzielte Guirassy seinen ersten Treffer mit rechts, den zweiten mit links und den dritten nach einer Eigenvorlage per Kopf. Wer auf diese Art und Weise seine Tore erziele, der sei ein „sehr kompletter Spieler“, adelte Cheftrainer Sebastian Hoeneß seinen Mittelstürmer, der die aktuellen Lobgesänge auf bescheidene Art und Weise gerne an seine Teamkollegen weitergibt.

Dass Guirassy überhaupt noch im Trikot des VfB aufläuft, schien im vergangenen Sommer alles andere als selbstverstädnlich. Insgesamt 14 Pflichtspieltore erzielt er im Vorjahr für die Stuttgarter, insbesondere in der Endphase der Saison entwickelte sich der Nationalspieler Guineas immer mehr zur Lebensversicherung der Schwaben. Kein Wunder also, dass der VfB noch vor den Relegationsspielen gegen den Hamburger SV die Kaufoption für den damaligen Leihspieler in Höhe von kolportierten 9 Millionen Euro zog. Im Nachgang rechneten viele damit, dass Guirassys Weg dennoch aus Stuttgart heraus und Richtung England führen würde. Doch die Nummer 9 blieb und sagt heute: „Es gab einige Anfragen, aber wir haben uns dazu entschieden, in Stuttgart zu bleiben. Und ich bin sehr froh darüber, weil ich mich in diesem Verein sehr wohlfühle.“

Aktuell führt Guirassy die Torschützenliste der Liga souverän an und es scheint, als hätte er nach dem starken Vorjahr einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. In dieser Verfassung ist der Goalgetter auf jeden Fall ein Mitfavorit auf die Torjägerkanone.

Foto: DFL/GettyImages/Christian Kaspar-Bartke

Blick in die Vitrine

  • Deutscher Meister: 2006/07, 1991/92, 1983/84, 1951/52 und 1949/50
  • DFB-Pokalsieger: 1996/97, 1957/58 und 1953/53
  • Deutscher Superpokalsieger: 1992/93
  • Deutscher Zweitligameister: 2016/17 und 1976/77

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