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12.08.2024 / Profis

Zu wenig Konsequenz für Zählbares

„Wir haben letzte Woche kein schlechtes Spiel gemacht und heute auch nicht. Doch am Ende bringt das nichts. Wir haben null Punkte“, fasste Kai Klefisch die ersten beiden Spieltage der Zweitliga-Saison 2024/25 kurz und dennoch prägnant zusammen. Ohne Zählbares starteten die Lilien in die neue Spielzeit. Weil sie erst zuhause gegen Fortuna Düsseldorf (0:2) und dann auch am gestrigen Sonntag (11.8.) mit 1:3 beim SC Paderborn unterlagen. Während die Ostwestfalen nach zwei Auftaktsiegen mit breitem Grinsen im Gesicht vor ihre Heimkurve traten, schritten die Darmstädter mit ernster Miene und zunächst hängenden Köpfen vor den gut gefüllten Gästeblock.

Foto: SV 98

„Wir haben uns nach der Auftaktniederlage viel vorgenommen und sind mit brutaler Energie gestartet“, blickte Fynn Lakenmacher in der Mixed-Zone auf die Anfangsphase der Partie zurück. Viele hohe Ballgewinne für den SV 98. Den Gegner stets unter Druck setzend und selbst durch gut getimte, tiefe Bälle für Gefahr sorgend. All das gelang den Lilien zu Beginn des Spiels. Und genau so entstand auch der verdiente Führungstreffer in der siebten Spielminute: Balleroberung auf Höhe der Mittellinie, ein tiefer Steckpass und ein sauberer sowie mit Überzeugung getretener Abschluss.

Gute Ansätze – fehlende Konsequenz

Insgesamt hatten die Darmstädter starke erste 30 Minuten. Mit sehr viel Power, mit ordentlich Wucht – ohne dabei defensiv in Schwierigkeiten zu geraten. In dieser halben Stunde zeigte der SV 98 seine Qualitäten gegen einen selbstbewussten Gegner, welcher schon das Auftaktspiel im Berliner Olympiastadion mit 2:1 gegen Hertha BSC für sich entscheiden konnte. Das neuformierte Team vom Böllenfalltor verdeutlichte in dieser Spielphase zudem, welches Potential in der Mannschaft steckt – gute Ansätze, die Lust auf mehr machen und auf die man durchaus aufbauen kann. Und nun zum großen „Aber“.

Wenn man die Gegentore sieht, hätten wir sie alle drei mit der nötigen Konsequenz in der Defensive verteidigen können.

Torsten Lieberknecht zum 1:3 beim SC Paderborn

„Leider haben wir es nicht das ganze Spiel über durchziehen können“, monierte Klefisch, der die Paderborner ab Ende der ersten Hälfte immer besser in die Partie kommen sah. Etwas, was sich nach der Pause fortsetzen sollte. Mit drei Treffern drehten die Ostwestfalen das Duell. Während die Lilien bei ihrem Führungstor noch genau die richtige Konsequenz an den Tag legten, gelang dies bei allen drei Gegentreffern nicht. „Wenn man die Gegentore sieht, hätten wir sie alle drei mit der nötigen Konsequenz in der Defensive verteidigen können“, ärgerte sich daher auch Torsten Lieberknecht. Paderborn spielte nach druckvoller Schlussphase im ersten Abschnitt insbesondere im zweiten Durchgang stark auf. Mit dem eigenen Publikum im Rücken zeigte der SCP seinerseits die nötige Griffigkeit und Durchschlagskraft.

Und dennoch hätten die Darmstädter gleich mehrmals zurückschlagen können. Die Südhessen waren um eine passende Reaktion bemüht. Die eigene Chancenwertung aber stand ihnen im Weg. Nach dem 1:1 hatte Lakenmacher die erneute Führung auf dem Schädel. Auch Luca Marseiler und Fraser Hornby hätten in aussichtsreichen Positionen für Wendungen im Spiel sorgen können. „Wir hätten gegen Darmstadt jederzeit einen Gegentreffer kassieren können“, musste selbst Lukas Kwasniok anerkennen. Insgesamt 15 Torschüsse und davon die aufgezählten so richtig gefährlichen Möglichkeiten untermauern den Eindruck des Paderborner Cheftrainers, der zudem eine Darmstädter Mannschaft mit „viel körperlicher Wucht“ beobachtete. Wie schon gegen Düsseldorf (55:45 Prozent) hatten die Lilien auch gegen den SCP die bessere Zweikampfquote (54:46 Prozent) auf ihrer Seite. Ohnehin weisen die Darmstädter nach zwei Spieltagen nach Hannover, Hamburg und Karlsruhe – allesamt Mannschaften, die mit vier Punkte in die Saison gestartet sind – die viertbeste Zweikampfquote der Liga auf.

Gemeinsames Nach-Vorne-Schauen

Zurück zur Szenerie vorm Gästeblock, der auch nach Abpfiff noch mit den allermeisten der über 700 mitgereisten Lilien-Fans gut gefüllt war. Die Darmstädter Anhängerschaft im Block, sie war ebenfalls enttäuscht über null Punkte zum Saisonauftakt. Und doch honorierten sie den Einsatz und Kampfbereitschaft ihrer Mannschaft auf dem Platz.

Aufmunterung für eine neuformierte Truppe, die erst noch zusammenwachsen muss – wie auch Lakenmacher vor den Mikrofonen betonte. „Alle Arme nach oben“, so die Ansage aus dem Block. Gemeinsames Einklatschen. Gemeinsames Nach-Vorne-Schauen. Mit einem lautstarken „Auf geht’s, Darmstadt! Kämpfen und siegen!“ – bei welchem nicht nur Fans, sondern auch die Spieler mitmachten – wurden die Mannen am Sonntagnachmittag verabschiedet. Die nächste Herausforderung dabei schon vor Augen.

Wendepunkt Teutonia?

Am kommenden Sonntag (18.8./15.30 Uhr) müssen die Lilien in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Teutonia Ottensen ran. Im Millerntor-Stadion trifft der SV Darmstadt 98 auf einen Regionalligisten, der gewillt sein wird, für eine Pokalüberraschung zu sorgen. Dem aber wollen die Südhessen mit „vollster Seriosität“ entgegentreten, wie Lakenmacher verdeutlichte. „Wir wollen das Ding für uns entscheiden und ein Erfolgserlebnis sammeln“, so die Nummer 19 des SVD.

Dort in Hamburg will die Darmstädter Mannschaft weiter zusammenwachsen. Das Spiel im Pokal? Die beste Gelegenheit, um für einen positiven Umschwung nach den beiden verlorenen Ligapartien zu sorgen. Oder, wie Kai Klefisch es am Sonntagnachmittag bereits kurz und dennoch prägnant zusammenfasste: „Vielleicht kann dieses Duell ein kleiner Wendepunkt sein, wenn wir mit einem positiven Ergebnis dort wegfahren und dieses mit in die 2. Bundesliga nehmen.“

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