23.11.2025 / Profis
Analyse: Eine besondere halbe Stunde
Bei eiskalten Temperaturen im Merck-Stadion am Böllenfalltor werden die Lilien vom zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand wachgerüttelt und verdienen sich mit einer furiosen halben Stunde den 4:2 Heimsieg über Greuther Fürth. In unserer Analyse blicken wir auf gute Anfangsminuten samt Führungstreffer, eine durchwachsene Phase bis zur 60. Minute und auf das furiose letzte Drittel dieses Fußballspiels.
Szene des Spiels:
Das 3:2 durch Fraser Hornby. Es gab einige Spieler, die beim SV 98 am Samstagabend eine starke Vorstellung ablieferten, doch einer ragte noch einmal heraus: Fraser Hornby. Der 26-jährige Schotte orchestrierte wie gewohnt das Pressing, sammelte zahlreiche Sprints und Kilometer und hatte mit zwei Toren und einem Assist einen riesigen Anteil am Heimsieg der Lilien. In der 63. Minute wurde der Offensivspieler von Marco Richter angespielt und traf voller Überzeugung aus 18 Metern in die Maschen. 3:2, Spiel gedreht. Das Merck-Stadion explodierte, Hornby schrie seine Freude in die eiskalte Nachtluft.
„Ein super Spieler“, adelte Merveille Papela, der auf seinen Mitspieler angesprochen wurde und ergänzte: „Er hat eine Vorbildfunktion.“
Ebendiese zeigt sich beim Treffer zum 3:2, in den Hornby Entschlossenheit packte, seine feine Technik mit Wucht paarte und durch seinen Jubel ausstrahlte: Ich glaube an dieses Team und an meine eigene Stärke. Fraser Hornby? Der Spieler des gestrigen Spiels. Das 3:2? Die Szene des Spiels.
Das lief gut:
Die ersten 10 Minuten: „Wir haben gut angefangen, sehr gut kombiniert und ein schönes Tor geschossen“, erklärte Paul Fernie mit Blick auf den Start der Lilien in den Samstagabend. Auf seifigen Untergrund ließen die Südhessen den Ball gut laufen, eine wunderbare Kombination über Killian Corredor, Sergio Lopez und Fraser Hornby brachte die frühe Führung in der 11. Minute. Ein nahezu perfekter Start in eine Partie, die wenig später für knapp sieben Minuten aufgrund von Rauchentwicklung nach dem Abbrennen von Pyrotechnik unterbrochen wurde. Eine ungeplante Pause, die dem SV 98 ein wenig den Stecker zog. Mehr dazu aber später.
Die letzten 30 Minuten: Der Ausgleichstreffer von Isac Lidberg in der 58. Minute läutete eine halbe Stunde ein, in der die Lilien „sehr guten Fußball“ (Kohfeldt) zeigten. Sie spielten mutig und zielgerichtet, das Timining im Passpiel stimmte, die Zweikämpfe wurde gewonnen und immer wieder schnell der Weg in die Tiefe gesucht. Hornby traf in der 63. Minute, Richter und Nürnberger scheiterten an Fürth-Keeper Schlieck, auch Lidberg verpasste wenig später einen vierten Treffer. Diesen Job erledigte dann Papela mit seinem Kopfballtreffer in der 79. Minute. Lilien-Fußball wie im Rausch. „Wir haben ein wenig umgestellt, haben Kleinigkeiten verändert und dann war es wirklich gut“, resümmierte Hornby. Zudem bewies diese Phase eindrucksvoll, was Fernie auf den Punkt brachte: „Die Mannschaft hat eine Überzeugung, sie lassen sich von Situationen nicht schocken oder zurückwerfen. Die Jungs haben eine super Mentalität gezeigt.“
Wie schon in Hannover schlugen die Lilien nach einem 1:2-Rückstand zurück und sammelten schlussendlich die drei Punkte ein. „Wir sind als Mannschaft weiter zusammengewachsen und wollen diesen Spirit weiter aufrechterhalten“, so Papela, der gemeinsam mit Fabian Nürnberger und Marco Richter sichtlich Belebung in die Partie brachte und damit zu unserem dritten Puntk auf dieser Liste überleitet.
Die Einwechslungen: „Die Wechsel hatten eine große Bedeutung, Marco, Mey und Fabi bekommen ein Sonderlob.“ Paul Fernie musste nicht lange überlegen, um einen der Hauptgründe für den Turnaround am Samstagabend zu finden. Marco Richter hatte bereits zur Pause Startelfdebütant Yosuke Furukawa ersetzt, Papela und Nürnberger waren kurz nach dem Gegentor zum 1:2 eingewchselt worden. Und alle drei trugen mit ihrer Leistung zur Wende bei. „Die Unterstützung von der Bank war top“, fasste daher auch Kohfeldt zusammen und Papela selbst erklärte: „Das zeigt, dass man wirklich jeden braucht. Die Spieler von der Bank sind ebenso wichtig wie die Jungs, die von Anfang an spielen.“
Das lief nicht gut:
Knappe 50 Minuten. Kohfeldt: „Fürth war sehr unangenehm. Nach den ersten zehn Minuten haben sie 50 Minuten lang das Spiel bestimmt.“ Zwar starteten die Lilien stark in die Partie, nach der Unterbrechung dauerte es aber eine lange Zeit, bis sie den roten Faden in ihrem Spiel wiederfanden. „Dann werden wir schlampig mit dem Ball. Die Abläufe waren nicht abgestimmt, das Timing war nicht ganz da. Und wir hatten zu leichte Ballverluste“, analysierte Fernie mit großer Ehrlichkeit, während Kohfeldt kurz und knapp zusammenfasste: „Das hat mir nicht gefallen.“
„Wir waren nicht gut, nicht präzise genung und hatten Probleme, in unsere Abläufe im Passpiel zu kommen“, so Fraser Hornby, dessen Einschätzung auch von Papela geteilt wurde: „Nach dem 1:0 und der Unterbrechung haben wir gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Aber der Trainer hat in der Pause die richtigen Worte gefunden.
Zudem stellten die Lilien das System ein wenig um, mit dem Wechsel in ein 4-2-3-1 bekamen die Südhessen wieder den Zugriff auf die Partie. Doch trotz des Erfolges sind diese 50 Minuten etwas, an denen es zu arbeiten gilt. „Es wird nicht immer funktionieren, dass darauf so eine letzte halbe Stunde folgt“, mahnte Kohfeldt entsprechend und sprach aufgrund dieser 50 Minuten von einem „ingesamt gemischten Fazit.“
Über den schlussendlich verdienten Heimsieg freute sich der Cheftrainer natürlich dennoch immens und wir belassen es bei diesem einen Punkt auf unserer „Negativ“-Liste, sind uns aber sehr sicher, dass die Aufarbeitung dieser Phase einen gewissen Teil des Anfangs der nächsten Trainingswoche einnehmen wird.
Zitat des Tages
"Die Mannschaft hat eine Überzeugung. Sie lassen sich von Situationen nicht schocken oder zurückwerfen."