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16.03.2025 / Profis

Analyse: Große Moral. Fehlende Cleverness

Nach hartem Kampf musste sich der der SV 98 dem 1. FC Köln am Samstagabend (15.3.) geschlagen geben. In gleich drei Momenten spielten die Lilien dem Gegner in die Karten und konnten so trotz viel Fleiß und Hingabe keine Punkte aus der Domstadt mitnehmen. Wir blicken mit unserer Analyse noch einmal auf die Schlüsselszenen und beleuchten auch eine generelle Thematik der Lilien in dieser Saison.

Foto: Tom Sauels

Szene des Spiels:

Der Platzverweis für Fraser Hornby. „Die Gelb-Rote Karte war der Schlüsselmoment.“ Mit diesem Satz nahm Florian Kohfeldt dem Autor dieser Zeilen ein wenig Arbeit ab, indem er die Szene des Spiels nach Abpfiff klar benannte. Bis zur Ampelkarte Hornbys in der 66. Minute waren die Lilien am Samstagabend die bessere Mannschaft gewesen, Hornby selbst hätte nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff für eine Lilien-Führung sorgen können, scheiterte aber an Marvin Schwäbe. Der Platzverweis für den Angreifer veränderte dann das Spielgeschehen. In Überzahl übernahmen die Kölner vermehrt die Spielkontrolle, da der SV 98 sich naturgemäß zurückziehen und auf das bis dato gut funktionierende Anlaufen verzichten musste. 

„Wir mussten taktisch anders spielen und sehr viel laufen“, resümmierte Marcel Schuhen mit Blick auf die halbstündige Unterzahl, fügte aber auch an: „Aber wir waren als Team in der Lage, uns anzupassen.“

Schlussendlich brauchte der Aufstiegsfavorit aus der Domstadt einen Elfmeter, um die Südhessen in Überzahl zu knacken. Eine Spekulation darüber, welches Ergebnis ohne die Hinausstellung bei Abpfiff auf der Anzeigetafel geprangt hätte, ist rein theorethisch und daher nicht wirklich zielführend. Unisonso waren sich Kohfeldt, Schuhen und auch Clemens Riedel aber darüber einig, dass der Platzverweis einen Knackpunkt in der Partie darstellte. Gleichzeitig stellte das Trio aber auch sofort heraus, dass eine Schuldzuweisung in Richtung Hornby keineswegs in Frage kommt.

Marcel Schuhen: „Fehler gehören im Fußball dazu. Jeder Mensch macht Fehler. Ja, der Platzverweis hat das Spiel verändert. Er hat es aber nicht entschieden. Weil es auch danach weiterhin offen war. Fraser ist ein ganz wichtiger Spieler für uns. Und die Entwicklung, die der Junge in den vergangenen Wochen genommen hat, ist außergewöhnlich gut.“

Florian Kohfeldt hob die herausragenden Leistungen des Stürmers in den vergangenen Wochen ebenfalls hervor und erklärte mit Blick auf die Szene: „Er weiß, dass er da nicht so hingehen darf. Natürlich macht er sich große Vorwürfe. Aber er wird daraus lernen und gestärkt rauskommen. Und es ist mir wichtig zu betonen, wie entscheidend Fraser Hornby in dieser Saison bislang für uns war und auch weiterhin sein wird.“ 

 

Das lief gut:

Die Reaktion auf Rückschläge. Samstagabend. 20.30 Uhr. Ein ausverkauftes RheinEnergieSTADION. Ein absolutes Higlight-Spiel. In dem es keine 60 Sekunden dauerte, bis die Lilien den Ball erstmals aus dem Netz holen mussten. „Das war bitter und ein schwieriger Start ins Spiel“, fasste Clemens Riedel angesichts des frühen Rückstands zusammen, um zu ergänzen: „Aber wir haben eine sehr gute Reaktion gezeigt.“ 

Die Lilien zeigten sich vom Nackenschlag unbeeindruckt, fanden im Anschluss immer besser in die Partie und erzielten nach 25. Minuten den Ausgleich. Symbolisch für diese mentale Stärke stand Sergio Lopez, der das 0:1 mit einem Fehlpass einleitete, anschließend aber eine mehr als ordentliche Leistung ablieferte, wie Schuhen bestätigte: „Was er nach seinem Fehler gespielt hat, das war alles andere als verkehrt. Das zeigt, wie gut er ist. Und das größte Kompliment, was wir ihm machen konnten, war, ihm einfach den nächsten Ball wieder zuzuspielen. Das haben wir gemacht und er hat sehr mutige Entscheidungen getroffen. Fehler passieren, wichtig ist die Reaktion darauf. Und die war richtig gut.“ 

Ebenso wie jene der Lilien nach dem Platzverweis gegen Fraser Hornby. Während es nach dem 0:1 darum ging, möglichst schnell ins eigene Spiel zu finden, musste der SV 98 in Unterzahl insbesondere im mannschaftstaktischen Bereich reagieren. „Wir waren in der Lage, unser Game-Managment anzupassen. Das war richtig gut“, fasste Schuhen zusammen. 

Einen dritten Nackenschlag kassierten die Südhessen in der 80. Minute, als die Gastgeber per Elfmeter nach VAR-Eingriff mit 2:1 in Führung gehen konnten. Trotz Unterzahl und Rückstand versuchte das Team von Florian Kohfeldt bis tief in die Nachspielzeit alles, um doch noch einen Punkt aus Köln zu entführen. Aleksandar Vukotić hatte in der 98. Minute das 2:2 auf dem Schädel, scheiterte aber an Keeper Schwäbe. 

Vollkommen zurecht sprach Kohfeldt dann auch von einer „sehr guten Moral“ des Teams, monierte aber gleichzeitig „die Cleverness“, die seiner Mannschaft in manchen Situationen abging und den vielleicht größten Unterschied zu den recht abgezockten Kölner darstellte. 

Das lief nicht gut:

Die fehlende Cleverness. Ein schlechter Rückpass, ein Platzverweis und eine ungeschickte Situation mit anschließendem Elfmeterpfiff. Die Lilien spielten dem 1. FC Köln gleich drei Mal in die Karten. Diese Dinge gehören ein wenig zur Geschichte des SV 98 in dieser Saison. Die Südhessen ernten viel zu wenig Ertrag für das, was sie Woche für Woche auf den Platz bringen. Die Niederlage von Köln nutzte Kohfeldt daher auch für eine Gesamteinordnung: „Es gibt keine klassischen Ansatzpunkte, warum wir die Spiele nicht gewinnen. Wir sind nahezu in jedem Spiel die besser organisierte Mannschaft, auch hier in Köln. Wir sind physisch da, kompensieren Ausfälle ohne Ende und schaffen es immer wieder, Leistung auf den Platz zu bringen. Aber wir schaffen es nicht, die kleinen Momente zu ziehen und die Spiele zu gewinnen.“

Neben den Gegentoren und dem Platzverweise fehlte den Lilien am Samstagabend auch offensiv in einigen Aktionen diese Abgezockheit,. Hornby scheiterte an Schwäbe, ebenso wie Fynn Lakenmacher und Vukotic in der Nachspielzeit. Zudem monierte der Cheftrainer des SV 98, dass sein Team „zu wenig Kapital aus dem Positionsspiel“ geschlagen habe. 

Wie man Cleverness lernen könne, wollte ein Journalist vom Übungsleiter im Anschluss wissen. Kohfeldts Antwort war folgende: „Für diesen Lernweg gibt es leider keine Abkürzung. Man muss es fühlen. Wir werden in regelmäßigen Abständen vom gegnerischen Trainer gelobt, aber wir müssen ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Punkte in einem Spiel die entscheidenden sind. Und diese Dinge musst du erfahren, ich kann es nicht befehlen.“ 

Acht Spiele stehen noch auf dem Spielplan für diese Saison, neben Cleverness und genutzten Momenten braucht der SV 98 auch noch Punkte, um sich endgültig aus der Gefahrenzone zu entfernen. In der nun kommenden Länderspielpause bleibt aber erstmal auch ein wenig Zeit, um nach den intensiven vergangenen Wochen ein wenig Kraft für den Schlussspurt dieser Spielzeit zu tanken. 

Zitat des Tages

Es gibt keine klassischen Ansatzpunkte, warum wir die Spiele nicht gewinnen. Wir sind nahezu in jedem Spiel die besser organisierte Mannschaft, auch hier in Köln. Wir sind physisch da, kompensieren Ausfälle ohne Ende und schaffen es immer wieder, Leistung auf den Platz zu bringen. Aber wir schaffen es nicht, die kleinen Momente zu ziehen und die Spiele zu gewinnen."

Florian Kohfeldt

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