Fotos: Eibner
25.10.2025 / Profis
Analyse: Nicht zwingend genug
Ein früher Treffer von Moussa Sylla entschied schlussendlich das Duell der Lilien beim formstarken FC Schalke 04. Zwar standen die Südhessen ansonsten defensiv stabil, offensiv fehlte es jedoch an Durchschlagskraft und zwingenden Aktionen. Eine insgesamt verdiente Niederlage, bei der sich die Südhessen zumindest über das Comeback von Paul Will freuen konnten. Wir blicken in unserer Analyse auf die Partie.
Szene des Spiels:
Das Gegentor in der 9. Minute: Schon vor dem Anpfiff am Freitagabend hatte der FC Schalke 04 den Ruf als „Blitzstarter der Liga“ inne, diesem wurden die Knappen leider auch im Duell mit den Lilien gerecht. Der Treffer von Moussa Sylla in der 9. Minute war bereits das achte Tor, das S04 in dieser Spielzeit innerhalb der ersten 25 Minuten erzielte. Und dann auch noch nach einem Muster, das Florian Kohfeldt schon im Vorfeld der Partie thematisert hatte. Ballgewinn, das direkte Spiel in die Tiefe, Abschluss. „Ein typisches Schalke-Tor“, nannte es Kohfeldt nach Abpfiff bei SKY und auch sein Gegenüber Miron Muslic sprach auf der Pressekonferenz nach dem Spiel von einem Treffer, der den eigenen „Prinzipien“ entsprach. Berechtigterweise ärgerte sich Kohfeldt insbesondere darüber, dass das Gegentor „aus einem eigenen Abstoß enstanden ist.“ Zumal dieser Treffer schlussendlich den entscheidende Unterschied machte und in der Entstehung zu verhindern gewesen wäre. Kohfeldt: „Ein Spiel mit wenigen Top-Chancen, die zwei besten Möglichkeiten hatte Schalke und eine davon haben sie genutzt.“
Entsprechend ist das Tor des Tages leider auch die „Szene des Spiels“.
Das lief gut:
Die Diagonalbälle hinter die Kette. Angesichts der Tatsache, dass die Lilien in insgesamt 102 Minuten zu keiner wirklich zwingenden Gelegenheit kamen, mag dieser Punkt erst einmal komisch anmuten. Doch insbesondere im ersten Durchgang schafften es der SV 98 immer wieder, hinter die Flügelpositionen der Schalker zu gelangen und verzeichneten speziell in Person von Luca Marseiler einige Durchbrüche bis zur Grundlinie. „Die Diagonalbälle hat Darmstadt gut gespielt, das haben wir zu einfach zu gelassen“, bilanzierte daher auch Miron Muslic mit Blick auf diese Aktionen, denen es dann allerdings an der finalen Veredelung mangelte. „Wir sind schon hinter die defensive Reihe gekommen, dort hat uns aber die letzte Präzision gefehlt“, erklärte Kohfeldt, der allerdings in diesem Zusammenhang bemängelte, dass sich seine Mannschaft im Spielverlauf teilweise zu sehr auf diese Art des Spielaufbaus versteifte und den Ballvortrag über die Mitte vernachlässigte. Dennoch: Wenn die Lilien Gefahr versprühten, war zum Großteil diese Form der Spielverlagerung der Schlüssel.
Die Einwechslungen: In der 63. Minute vollzog Kohfeldt einen dreifachen Wechsel und brachte Merveille Papela, Matthias Bader und Paul Will ins Spiel. In der 81. Minute legte der Lilien-Cheftrainer dann noch mit Fabian Holland und Fynn Lakenmacher nach. Alle Einwechselspieler hatten ihren Anteil daran, dass die Lilien ab der 75. Spielminute immer mehr die Spielkontrolle übernahmen und alles versuchten, um den Ausgleichstreffer zu erzielen. Obwohl es auch in dieser Phase für keine hundertprozentigen Torgelegenheiten reichte. „Die Jungs haben gute Energie reingebracht“, fasste Kohfeldt zusammen und hob insbesondere Paul Will hervor: „Paul hat ein gutes Spiel gemacht. Dass er nach 14 Monaten wieder auf dem Fußballplatz stand, ist eine sehr erfreuliche Geschichte für uns. Für ihn war es trotz der Niederlage ein toller Tag.“
Wir nehmen das Comeback von Paul Will als weiteren Punkt in diese Rubrik auf und gratulieren unserer Nummer 28 zur Rückkehr auf den Platz.
Das lief nicht gut:
Fehlende Torgefahr. Nach Abpfiff redete niemand um den heißen Brei herum. „Wir hatten keine klaren Chancen“, resümmierte Marcel Schuhen, „Wir haben uns nichts Zwingendes herausgespielt“, bilanzierte Kohfeldt und Matej Maglica sah zwar „gute Ansätze“, bemängelte aber die „fehlende Ruhe“, um die sich bietenden Räume besser zu bespielen. Kurzum: Die Lilien waren offensiv einfach zu harmlos, um die form- und defensivstarken Schalker so richtig ins Wanken zu bringen. Zwar standen auch die Südhessen selbst über weite Strecken stabil, doch die Gastgeber schafften es zumindest in zwei Szenen, richtig gefährlich zu werden. „Beide Teams stehen defensiv gut. Dann entscheidet leider häufig das erste Tor, das war heute der Fall“, fasste Schuhen zusammen, was alle Stadionbesucher am Freitagabend gesehen hatten. Zwar schaufelte der SV 98 speziell in der hektischen Schlussphase einen Ball nach dem anderen in den Strafraum der Königsblauben, mit Ausnahme von einer „Halbchance“ (O-Ton Kohfeldt) durch Maglica geriet Loris Karius aber nie wirklich in Bredouille. „Wir waren offensiv nicht gut genug, um dieses Spiel zu gewinnen“, so Kohfeldt in seiner ehrlichen Analyse, der man an diesem Abend nur zustimmen konnte.
Die Standards. Im bisherigen Saisonverlauf vermochten es die Lilien mit großer Regelmäßigkeit, durch eigene Standards gefährlich zu werden. Vier Ecken und zahlreiche Halbfeldfreistöße verzeichnete der SV 98 am Freitagabend, leider verpufften sie allesamt recht wirklunglos. Gegen tiefstehende und sehr gut organiserte Gastgeber hätte der ruhende Ball eine gute Möglichkeit geboten, um die beste Defensive der Liga in Gefahr zu bringen. Allerdings sei auch erwähnt, dass sich die Königsbaluen auch in dieser Hinsicht extrem stark präsentierten und bei allen Hereingaben aufmerksam und konzentriert agierten. Dennoch: Luft nach oben.
Das Fehlen von Isac Lidberg. Es war eines der bestimmenden Themen im Vorfeld der Partie. „Fans wird angst und bange! Schlägt der Schalke-Schreck schon wieder zu?“, titelte „Der Westen“ am Freitag mit Blick auf Isac Lidberg, der in der Vorsaison gleich fünf Tore in zwei Spielen gegen Schalke erzielen konnte. Auch anhand von unzähligen Kommentaren in den sozialen Medien ließ sich der riesige Respekt der Schalke-Anhänger vor dem schwedischen Nationalspieler ablesen, das direkte Duell von S04-Abwehrkante Nikola Katic mit dem Top-Torjäger wurde mit Spannung erwartet. Doch dann die bittere Nachricht: Am Freitag meldete sich Lidberg krankheitsbedingt ab, ein Einsatz des geschwächten Angreifers hätte keinen Sinn gemacht. „Natürlich war das Fehlen von Isac ein Faktor“, gab Kohfeldt zu und auch Muslic erklärte: „Wenn der Top-Scorer fehlte, dann macht das etwas mit jeder Mannschaft.“
Als Ausrede wollte das beim SV 98 aber niemand gelten lassen. Wichtiger ist die gute Chance, dass der Torjäger beim Pokalspiel am Mittwochabend wieder zurückkehren könnte. Ebenso wie der auf Schalke gesperrte Sergio Lopez und auch Kai Klefisch, nach dessen Verletzung Kohfeldt schon vor dem Spiel am Freitagabend betont hatte, dass dieser zwar nicht alle drei Partien der Englischen Woche bestreiten werde, aber für „150, 160“ Minuten in Frage kommen dürfte.
Der Blick auf Mittwoch:
Besondere Situationen erfordern besondere Kategorien. „Der Blick auf Mittwoch“, er war bei allen Lilien nach Abpfiff relativ schnell in den Köpfen. „Das Schöne ist, in fünf Tagen sehen wir uns wieder“, so Kohfeldt auf der Pressekonferenz nach der Partie und auch seine Spieler fieberten dem Wiedersehen im DFB-Pokal bereits entgegen: „ Abendspiel, Pokal am Bölle. Ich gehe davon aus, dass unsere Fans die Hütte auseinandernehmen. Wir brauchen jeden“, gab Schuhen zu Protokoll und Maglica ergänzte: „Ein Heimspiel, das Bölle wird brennen. Ich habe jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke.“
Die Lilien sind heiß auf einen besonderen Pokalabend. Und auf das Wiedersehen mit dem FC Schalke 04.
Zitat des Tages
Ich habe jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke.