Es ist ein Sonntagmorgen in der Saison 2016/17 irgendwo auf einem staubigen Platz in der Kreisliga A. Die Linien auf dem Spielfeld sind kaum zu erkennen, die Tore wackeln bei jedem Treffer und die Tribüne besteht nur aus ein paar Bänken am Spielfeldrand. Dort läuft ein Stürmer auf – Joel Grodowski heißt er. Mit jedem Schritt spürt man seinen unbändigen Willen, mit jedem Schuss seine Präzision. Unter den meisten Spieler in dieser Liga, die einfach nur zum Spaß kicken, sticht Grodowski sofort heraus. Doch wie kommt ein Mittelstürmer aus der Kreisliga in den Profifußball? Und das auch nur in wenigen Jahren?
Joel Grodowski begann seine fußballerische Laufbahn in der Jugend von Schalke 04, Rot Weiss Ahlen und dem VfB Waltrop. 2017 kickte er jedoch noch in der Kreisliga A beim PSV Bork. Dort offenbarte er seine Torjägerqualität: In der Saison 2016/17 erzielte er auch für Kreisliga-Verhältnisse unglaubliche 53 Treffer in nur 30 Spielen – eine Zahl, die ihn zu einem der auffälligsten Talente der Region im Amateurbereich machte.
Seine Leistungen blieben nicht unbemerkt, 2017 wagte Grodowski den Schritt ins Ausland zu Bradford City in die drittklassige englische League One. Auch wenn seine Einsätze begrenzt waren, markierte dieser Schritt den Übergang vom Amateur- zum Profifußball. Nach einem Jahr in England kehrte er zurück nach Deutschland und schloss sich der Hammer SpVg in der Oberliga Westfalen an. Dort bestätigte er seine Torjägerqualitäten mit 15 Treffern in 28 Spielen und ging seinen Karriereweg kontinuierlich weiter. 2019 wechselte Grodowski zu Preußen Münster. Zunächst in der Regionalliga West aktiv, später in der 3. Liga, entwickelte er sich zu einem zentralen Spieler des Teams. Mit seinen Toren trug er entscheidend dazu bei, dass Preußen Münster immer wieder in Schlagdistanz zu den oberen Tabellenrängen blieb.
Gegenwart. Nun spielt er in der 2. Bundesliga bei Arminia Bielefeld und hat mit seinen aktuellen fünf Saisontoren schon viel für den Aufsteiger getan. Doch trotzdem denkt er gern an seine Kreisliga-Zeit zurück: „Die Zeit ist noch sehr präsent. Ich spiele zwar schon eine Weile nicht mehr dort. Die Kreisliga lässt mich dennoch nicht komplett los. Ich schaue mir die Spiele immer noch sehr gerne an. Beim PSV Bork sind weiterhin einige Kumpels von damals am Ball. Hin und wieder habe ich mich zwar schon gefragt, was wohl gewesen wäre, wenn ich ein NLZ durchlaufen hätte. Gerade die Zeit in der Kreisliga ist aber vielleicht auch das, was mich als Spieler auszeichnet“, erzählte er in einem Interview mit dem DFB. Seine außergewöhnliche Entwicklung von einem Kreisliga-Spieler zum Leistungsträger im Profibereich zeigt, dass Talent gepaart mit Konsequenz und harter Arbeit auch aus den kleinsten Ligen den Weg in den Profifußball ebnen kann.